Nachhaltig bauen: Geht das? Thoma im Interview

Die Bauwirtschaft der größte Müllverursacher der Welt. Das ist natürlich Grund genug, nachzuforschen, woran das liegen könnte und was man anders machen kann! Unser Projekt „der positive Fußabdruck“ fragt bei Unternehmen verschiedenster Branchen nach, wie es denn bei Ihnen so aussieht mit der Nachhaltigkeit. Thoma ist, wie angesprochen, Teil der Bauwirtschaft und baut nachhaltige Häuser. Wie geht das? Teil 2 unserer Interviewreihe zu Cradle to Cradle und Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit zu fordern ist das Eine, sie tatsächlich auch umzusetzen das Andere. So ist es auch bei dem Konzept Cradle to Cradle (kurz: C2C), das hinter unserem Projekt „Der positive Fußabdruck“ steht. Gemeinsam mit Ingrid Richl hat der MINT Zirkel Unternehmen aus ganz Deutschland angefragt: Wie sieht es bei Ihnen mit Nachhaltigkeit und C2C aus? Schüler*innen erfahren so von praktischen Anwendungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel „gesunden Häusern“, die dazu beitragen, die Umwelt nachhaltig zu schützen. Teil 2: Thoma.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrer Firma? Und warum?

Für uns ist Nachhaltigkeit eine der drei Säulen, auf denen unsere Firmenphilosophie begründet ist. Zielsetzung von Thoma war und ist es, die gesündesten Häuser der Welt zu bauen, die nicht nur der Gesundheit der BewohnerInnen, sondern auch die der Umwelt dienen. Von daher ist für uns Nachhaltigkeit als grundlegendes Denkprinzip und Basis für unser Wirtschaften selbstverständlich.

Wie setzen Sie das Thema Nachhaltigkeit konkret im Unternehmen um?

Für unseren Produktionsprozess haben wir uns ein Modell der Kreislaufwirtschaft zum Vorbild genommen, das es seit Millionen von Jahren gibt:  den Wald – er kennt keinen Abfall, sondern nur Rohstoffkreisläufe. Um einen Rohstoffkreislauf optimierten Produktionsprozess umzusetzen, stellen wir unser Bausystem Holz100 wie folgt her:

Holz100-Häuser werden in Fabriken vorgefertigt, die mit Sonnenstrom laufen und in denen kein Müll entsteht. Bei der Produktion unserer Holz100-Elemente sind die Abläufe so optimiert, dass fast kein Verschnitt entsteht. Der geringfügige Verschnitt, der dennoch entsteht kann thermisch verwertet werden und die Produktionswerke gleich wieder mit Energie versorgen.

Unser Holz stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und bleibt unkontaminiert von Chemikalien, wie Holzschutzmitteln oder Leim. Unsere Holz100-Häuser haben dadurch eine enorm lange Lebensdauer, über Jahrhunderte hinweg. Aufgrund ihrer Naturreinheit können unsere Häuser  nicht nur rückstandsfrei recycled werden, sondern nach dem Lösen der mechanischen Verbindungen, die die Holzelemente zusammenhalten, kann aus einem Haus nach Jahrhunderten wieder ein Haus gebaut werden.

Setzen Sie bereits Inhalte des C2C – Konzeptes in Ihrer Firma um?

 Holz100 ist ein preisgekröntes Massivholz-Bausystem und wurde als einziges für tragende Bauteile mit dem „Cradle to Cradle“-Zertifikat in Gold ausgezeichnet.

Wo liegen für Ihre Firma und Ihre Branche die größten Herausforderungen / Schwierigkeiten in der Umsetzung von nachhaltigen Konzepten?

In der Bauwirtschaft müssen Konzepte gefördert werden, die auf eine langfristige Nutzung anstatt auf eine billige Lösung von kurzer Haltbarkeit setzen.  Konzepte, die sich auf Kosten der Umwelt einen Vorteil bei der möglichst günstigen Errichtung des Bauwerks verschaffen, stellen in Bezug auf den gesamten Lebenszyklus inklusive der Entsorgung keine Kostenwahrheit dar.

Für den erfolgreichen Rückbau von Bauprodukten und deren Einbringung in Kreisläufe (in unserem Fall die Verwendung des Holzes in neuen Bauelementen) müssen schon beim Bauantrag und der Architektur die notwendigen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden.

Dieser Mehraufwand kann nur durch einschlägige Richtlinien und Gesetze umgesetzt werden, da die Implementierung solcher Ansätze in der Regel einen Wettbewerbsnachteil durch höhere Investitionskosten zur Errichtung der Bauwerke nach sich zieht.

Dieses Interview ist Teil unseres Projektes „Der positive Fußabdruck“. Dabei geht es darum, dass die Lehrerin Ingrid Richl in Kooperation mit dem MINT Zirkel Schulmaterial über das Konzept Cradle to Cradle in die Schulen bringen möchte. MINT Zirkel unterstützt sie dabei und begleitet den Prozess, unter anderem mit dieser Interviewreihe. Interessant? Mehr Artikel zum Projekt „Der positive Fußabdruck“.