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Mathematik aus der Zeitung

Alltägliche Zeitungsartikel lassen sich sehr gut für keineswegs alltägliche Mathematik-Aufgaben nutzen – insbesondere, wenn es dabei um mathematische Fehler geht: Endlich einmal den ach so klugen Erwachsenen einen Fehler nachweisen können! Zum einen lässt sich so die Mathematik auffrischen und auflockern. Zum anderen ergeben sich veränderte Fragestellungen: Diese fordern und fördern nicht nur Rechenfertigkeiten, sondern auch ein Verständnis der grundlegenden Begriffe und die Fähigkeit, mit und über Mathematik zu reflektieren, zu argumentieren und zu kommunizieren.

Was verdienen Fußballer?

Wie viel verdienen heutzutage Spitzen­Fußballer? Einfach unglaublich!

Kurios: Offiziell erhält Fußball-Weltmeister Toni Kroos „nur“ ein Monats­gehalt von 6.000 Euro.

Dafür gibt’s satte Prämien: Im ersten Jahr nach dem Wechsel 2014 von Bayern München zu Real Madrid 11.320.755 Mio. Euro. Für jedes der fünf folgenden Jahre seines Vertrages 10.909.091 Mio. Euro. Das Gehalt wird übrigens mit den Prämien verrechnet.

Ausgezahlt wird das Geld in zwei Raten am 10. Januar und am 10. Juli.

nach: BILD 09.02.2016

Kann das stimmen? Was meinst Du zu dieser Meldung?

Nimmt man es so, wie es dort steht, dann ergeben sich für die sechs Jahre insgesamt 65.866.210 Millionen Euro – fünfundsechzig Billionen achthundertsechsundsechzig Milliarden zweihundertzehn Millionen …

Zum Vergleich: Der Deutsche Bundestag hat den Haushalt 2016 mit Ausgaben von 317 Milliarden Euro beschlossen. Mit 65 Billionen Euro käme Deutschland so über 200 Jahre lang aus.

Immerhin: Selbst wenn man die fälschlicherweise eingefügte „Mio.“ weglässt, lässt sich damit gut leben.

Zusatzfragen: Wie lange könnte Deutschland damit seinen gesamten Haushalt bestreiten: Tage? Stunden? Minuten? Sekunden? Würde eine Halbjahres-Rate in 500-Euro-Scheinen in einen Koffer passen?

Zum Vergessen!

Was tun mit all dem Geld? Einfach mal vergessen!

Max Kruse vergisst 75.000 Euro

Eine ganz schön teure Taxifahrt: In Berlin verlor der Fußballprofi Max Kruse eine große Summe Bargeld. Was wollte der Wolfsburger Mittelfeldspieler mitten in der Nacht mit den Zehntausenden Euro?

75.000 Euro sind eine Menge Geld. In bar ist der Betrag selbst in großen Scheinen schon ein ziemlich dickes Bündel. Den Fußballprofi Max Kruse bewahrten weder die hohe Summe noch das dicke Bündel davor, das Geld zu verlieren.

Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, fuhr Kruse mit einem Taxi durch Berlin – und vergaß das Bargeld dann im Wagen. Was Kruse in Berlin machte und warum er so viel Bargeld bei sich hatte? Laut „Bild“ fand in der Nacht ein Pokerturnier der „World Series of Poker“ statt, Kruse ist als Pokerspieler bekannt.

nach: Spiegel Online 12.03.2016

75.000 Euro „… selbst in großen Scheinen schon ein ziemlich dickes Bündel“. Kann das stimmen?

Nun ja, das ist viel Geld. Doch das sind „nur“ 150 Scheine zu 500 Euro, das Bündel wäre gut 15 Millimeter dick und etwa 170 Gramm schwer. Zum Vergessen …

Nur ganz kurz

Mesut Özil: Der Fußballstar von Real Madrid hat ein Knöllchen kassiert. Der Nationalspieler hatte seinen schwarzen Ferrari 458 im Madrider Nobelviertel Salamanca abgestellt, ohne ein Parkticket zu ziehen. Am 570-PS-Geschoss mit Gelsenkirchener Kennzeichen klebte ein Strafzettel über 90 Euro. Wie lange Özil dafür kicken muss? Zehn Sekunden?

nach: Münstersche Zeitung 25.02.2012

Zehn Sekunden? Kann das stimmen? Erst schätzen: Ja oder Nein? Was muss man alles überlegen, recherchieren, entscheiden, ehe man rechnen kann?

Kann das stimmen? Diese Frage ergibt sich hier von selbst. Aber es ergeben sich auch Fragen zur Modellierung: Was ist ein angemessener Bezugszeitraum? Ein Jahr? Oder Özils Arbeitszeit in einem Jahr? Und: Wie lang ist seine Arbeitszeit? Geht es hier nur um die Zeit, in der er spielt oder auch trainiert? Überhaupt: Wie viel verdient er? Brutto oder netto?

Ob der Reporter wohl durch eine Rechnung auf das Ergebnis zehn Sekunden gekommen ist? Oder hat er nur locker geraten? Jedenfalls ist es schon eindrucksvoll, wie viele Informationen über ein paar Klicks verfügbar sind.

Kleine Story, große Zahlen

Doch nicht nur mit der Zeitung kann man rechnen …

Doch dem Kommissar in seiner großen Zerstreutheit war bloß in den Sinn gekommen, was er einige Tage zuvor im Wartezimmer seines Zahnarztes in irgendeinem dummen Magazin gelesen hatte, nämlich dass sich jedes Jahr siebzehntausend Studenten in Philosophie und zweiundzwanzigtausend in Psychologie einschreiben. Was bedeutet, dass pro Generation rund zehn Millionen mit der Mechanik des Geistes und der Seele befasst sind, mithin eine ansehnliche Anzahl, auch wenn sich ein Vielfaches mit Handel, Finanzen und Militär beschäftigt.

Peter Nadas: Parallelgeschichten. 2. Auflage 2012. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, S. 16

Zehn Millionen – passt das?

Die Anfängerzahlen ergeben zusammen 39.000, in 30 Jahren sind das etwas über eine Million. Das ist zwar durchaus eine stattliche Zahl, aber doch deutlich kleiner als die genannte „ansehnliche Zahl“.

Prof. Dr. Wilfried Herget

 

Literatur

Herget, Wilfried; Scholz, Dietmar (1998): Die etwas andere Aufgabe – aus der Zeitung. Mathematik-­Aufgaben Sek. I. Seelze: Kallmeyer (vergriffen).

Herget, Wilfried; Strick, Heinz Klaus (2012): Die etwas andere Aufgabe – Mathe mit Pfiff. Seelze: Kallmeyer.

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