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Marcus Wagner entwickelte zusammen mit seinen Schülerinnen und Schülern eine mathematische Erkundungstour durch die Stadt Hohen Neuendorf. Mit Hilfe eines Audioguides vermitteln sie besonders anschaulich die Allgegenwärtigkeit der Mathematik. Ihre Präsentation überzeugte auch die Fachjury des „Vektoria Awards“.

Der Mathelehrer Marcus Wagner spricht leidenschaftlich gerne über sein Fach. „Mathematik ist viel mehr als nur Rechnen. Es ist eine wichtige Grundlage für das Verstehen von alltäglichen Zusammenhängen.“ Für Schülerohren klingt das wahrscheinlich nach einem weiteren Versuch, Übungsstunden und Hausaufgaben zu rechtfertigen. Um die Allgegenwärtigkeit von Zahlen und Formeln für seine Klassen greifbarer zu machen, überlegte sich der 36-Jährige deshalb etwas ganz Besonderes. Zusammen mit 17 Schülerinnen und Schülern vom örtlichen Marie-Curie-Gymnasium entwickelte er eine mathematische Entdeckungstour durch Hohen Neuendorf.

An 17 Orten in der brandenburgischen Kleinstadt zeigen von den Schülern produzierte Audioguides anschaulich, wie viel Mathematik eigentlich in unserem Alltag steckt. Die Audiodateien und eine passende Stadtkarte können auf der Schulhomepage heruntergeladen werden.

Kombinatorik in der Eisdiele und Fibonacci-Zahlen an Tannenzapfen

„Wir wollten unsere Stadt einmal aus den Augen eines Mathematikers zeigen“, erklärt der Pädagoge seine Idee. Ein gutes Beispiel dafür ist der Besuch in der lokalen Eisdiele. Acht Sorten stehen hier zur Auswahl. Wer gleich drei Kugeln bestellt, hat 336 Möglichkeiten, seinen Eisgenuss zu gestalten. Darf die Lieblingssorte gar doppelt oder dreifach in der Waffel landen, gibt es sogar 512 Kombinationsmöglichkeiten. Andere Stationen des Audioguides zeigen die Koordinatensysteme an Hy­dran­ten­schil­dern, den Parabelbögen des Wasser spuckenden Fisches vor der örtlichen Wasserpagode, das Zwölfer-Zahlensystem anhand der Kirchturmuhr, den Goldenen Schnitt auf dem Kopfsteinpflaster und die Fibonacci-Zahlen an Tannenzapfen. Die Schienen und Bahngleise des Provinzbahnhofs leiten ein Kapitel über euklidische Geometrie ein und im Fahrstuhl nebenan lernt der Hörer etwas über die Prinzipien der Blindenschrift.

Die dazu passenden Audiobeiträge produzierten 17 Schülerinnen und Schüler aus der siebten bis zehnten Klasse in einer Projektwoche im letzten Jahr. „Die Begeisterung für die Aufgabe war groß, nicht nur bei den mathebegeisterten Schülern. Jeder konnte seine Station frei wählen und selbst gestalten“, erzählt Wagner. Diese Freiheit machte die Herausforderung nicht gerade kleiner. Immerhin mussten die Schülerinnen und Schüler die Alltagsmathematik besonders verständlich und am besten ohne komplizierte Formeln erklären.

 

Koordinatensysteme an Hydrantenschildern
Koordinatensysteme an Hydrantenschildern

Verständlichkeit als Herzens­angelegenheit

Für Wagner ist genau diese Verständlichkeit das zentrale Anliegen. Vor dem Schuldienst arbeitete er als studentische Hilfskraft und wissenschaftlicher Volontär am Mathematikum in Gießen, dem ersten mathematischen Mitmach-Museum der Welt, gegründet von dem bekannten Mathematiker Albrecht Beutelspacher. Über 170 Exponate bringen dort Besuchern die Welt der Zahlen und Formeln näher. Außerdem hat Wagner zwei Bücher zu mathematischen Experimenten und Denkaufgaben geschrieben. „Das hat meine heutige Arbeit als Lehrer stark geprägt“, sagt er. Anknüpfungspunkte an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler erleichtern aus seiner Sicht den Zugang zur Mathematik und machen Lust aufs Ausprobieren.

Und wie kreativ und begeistert man mit alltäglichen Zahlen und Formeln umgehen kann, haben seine Schülerinnen und Schüler mit ihrem Beitrag für den bundesweiten Schülerwettbewerb Vektoria Award eindrucksvoll gezeigt. Die Fachjury von CASIO war von der ungewöhnlichen Idee so überzeugt, dass sie den ersten Platz und 1.500 Euro Preisgeld an den mathematischen Stadtrundgang vergaben.

Die Welt ist voller Mathematik

Der Vektoria Award ist ein Kreativwettbewerb von CASIO für Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 bis 13 rund um das Fach Mathematik. Die Schülerinnen und Schüler bekommen jedes Jahr die Aufgabe, Mathematik im Kontext eines alltäglichen Themas kreativ darzustellen. In diesem Jahr stand der Wettbewerb unter dem Motto „Umwelt – eine Welt voller Mathematik“. Alle Teilnehmer waren aufgefordert, in einer Präsentation zu zeigen, wo und wie ihnen Mathematik dabei hilft, die Umwelt besser zu verstehen. Eine Fachjury wählte die besten drei Beiträge aus. Insgesamt ist der Vektoria Award mit 3.000 Euro Preisgeld dotiert.

Birk Grüling

Weitere Informationen

Mehr zum Vektoria Award: www.casio-vektoria-award.de
Den Audioguide des Marie-Curie-Gymnasiums kann man auf der Schulwebseite herunterladen: www.curiegym.de

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