Schriftsprachliche Entwicklung in der Grundschule: Kreatives Schreiben mit dem Märchenerfinder

Klassische Märchenfiguren regen die Fantasie von Kindern an und sind zudem noch immer sehr beliebt. Die liebevoll gestalteten Bildkarten des „Märchenerfinders“ eignen sich deshalb perfekt dazu, Kinder zum Schreiben ihrer eigenen Geschichten zu motivieren und so ihre schriftsprachlichen Kompetenzen zu fördern.

Das Schreiben und die Ausbildung von Fähigkeiten im schriftsprachlichen Bereich sind mitunter die wichtigsten Kulturtechniken, die in der Grundschule vermittelt werden. Um Abwechslung in den Unterricht zu bringen und eine positive Assoziation mit Schreibaufgaben zu erzeugen, bietet es sich an, Schülerinnen und Schüler spielerisch zum kreativen und kooperativen Schreiben zu ermutigen.

Von Hexen, Räubern und Königskindern

Justus Bender, Vertretungslehrer an einer Grundschule in Herxheim, konnte den „Märchenerfinder“ mit seiner zweiten Klasse ausgiebig testen. Dabei fand er heraus, dass die Begeisterung für Märchen auch heute bei seinen Grundschülerinnen und Grundschülern keinesfalls abgeebbt ist: Märchen üben auf Grundschüler nach wie vor eine große Faszination aus. Sie bieten ein ihnen bekanntes Muster, das sich aber in vielen verschiedenen Geschichten ausdrückt. Zudem mögen sie die typischen Merkmale der Märchen, sei es nun Prinz, Prinzessin, Hexe, Räuber oder Fabeltier.“[1]

Konzepte des kreativen Schreibens in der Grundschule

In der Theorie des kreativen Schreibens besteht die grundsätzliche Annahme, dass alle Menschen über kreatives Potenzial verfügen. Das inkludiert auch sprachliche Kreativität. Um diese Kompetenzen auszubilden bedarf es stetiger Übung und Förderung. Das Planen, Formulieren und Überarbeiten eines Textes bilden dabei einzelne Schritte des Schreibprozesses. Diese Schritte sind dabei aber nicht zwingend linear zu durchlaufen, sondern können auch ineinanderfließen und dürfen wiederholt werden. Nicht der vollendete Text, sondern der hinführende Prozess steht daher im Mittelpunkt der Schreibdidaktik.[2]

Im Gegensatz zum freien Schreiben, bei dem alle Anhaltspunkte eines Schriftstückes dem Autor überlassen werden, bringt das kreative Schreiben einige Vorgaben mit sich, die jedoch auch als Hilfestellung und Orientierungsmöglichkeit verstanden werden können. Gemeint sind hiermit vorausgewählte und begleitete Zugänge zum Schreiben, wie etwa Bilder oder Wortgruppen, die den kreativen Prozess stimulieren sollen.  Dabei gelingt es durch die kreative Verknüpfung verschiedenster Methoden und Schreibanreize die Schreibmotivation zu fördern.

Die sechs Gruppen kreativen Schreibverfahrens:

  • Assoziative Verfahren (z.B. Fantasiereisen, Schreiben zu Reizwörtern)
  • Schreibspiele (Geschichten erwürfeln, Wörtersäckchen)
  • Schreiben nach Vorgaben, Regeln und Mustern (Satzanfänge vorgeben, Elfchen)
  • Schreiben zu und nach (literarischen) Texten (Löchertexte, zu Ende schreiben)
  • Schreiben zu Stimuli (Bild, Musik)
  • Weiterschreiben an kreativen Texten (über den Rand hinaus schreiben, Rondell)[3]

 

Mögliche Spielvarianten und Arbeitsblatt mit Wortspeicher

Die Anwendungsmöglichkeiten des „Märchenerfinders“ lassen sich in drei der sechs aufgelisteten kreativen Schreibverfahren einordnen. Die Kinder können nicht nur nach Vorgaben (Thema, Satzanfang) und Stimuli (Bilder) schreiben, sondern auch Bildkarten erwürfeln, was den „Märchenerfinder“ auch zu einem Schreibspiel macht.

Zur Vorbereitung für das Spiel kann zunächst unser Arbeitsblatt verwendet werden. Gemeinschaftlich werden dann die Wörter auf dem Arbeitsblatt und die Märchenbildkarten angesehen, damit während des Spiels allen klar ist, was die fantasievollen Abbildungen darstellen. Die übrigen Bereiche auf dem Arbeitsblatt fungieren als Wortspeicher und Orientierung beim Schreiben.

Anschließend bilden die Kinder Gruppen von bis zu vier Kindern. Mit je einem Arbeitsblatt, einem Stift und einem gemeinschaftlichen Blatt für die kollaborative Geschichte geht es nun frisch ans Werk. Wenn genug Kartensets für alle Gruppen zur Verfügung stehen, kann der Würfel zum Einsatz kommen. Für diese Spielvariante werden die Märchenkarten zunächst farblich sortiert und verdeckt auf dem Tisch verteilt. Nachdem ein Einleitungssatz für die gemeinsame Geschichte notiert wurde, würfeln die Kinder abwechselnd und ziehen je eine Karte, wobei sie sich an der jeweiligen Augenfarbe des Würfels orientieren. Gewürfelte Farben, die nicht bei den Spielkarten vorkommen, werden als Joker gezählt. Nach jedem Wurf darf das Kind, das an der Reihe ist, nun einen Satz zu seiner Karte formulieren und auf dem Schreibblatt ergänzen. So entstehen im Handumdrehen die lustigsten Geschichten.

Sollte der Klasse insgesamt nur ein Exemplar des „Märchenerfinders“ zur Verfügung stehen, kann einfach zu Beginn der Runde eine bestimmte Anzahl von jeder Sorte der Märchenkarten an die Gruppen verteilt werden. Statt den Würfel zu nutzen, werden die Märchensymbole nun blind gezogen. Der Rest des Spielverlaufs bleibt gleich.


Arbeitsblatt „Märchenerfinder“

Download-PDF Arbeitsblatt Märchenerfinder


Dusyma’s Unterrichtsimpulse zum „Märchenerfinder“

Erfahrungen mit dem Märchenerfinder“

Kreatives und kooperatives Schreiben in der Grundschule mit dem Märchenerfinder“


Informationen auf einen Blick

Inhalt/Material:

56 Märchenbildkarten aus Holz, 1 Märchenwürfel aus Holz mit 6 unterschiedlich farbigen „Juwelen“ (Kunststoffsteinen), 1 Spielanleitung in Holzbox.

Maße: Märchenbildkarte 15 x 10 cm, 0,3 cm stark, Holzbox 12 x 18 x 21 cm, Märchenwürfel 3,5 x 3,5 x 3,5 cm.


[1] Vgl. Erfahrungen mit dem Märchenerfinder“

[2] Vgl. Kreatives und kooperatives Schreiben in der Grundschule mit dem Märchenerfinder“

[3] Vgl. Böttcher, Ingrid (Hrsg.): Kreatives Schreiben, Cornelsen, 2012