Skip to content

Bildungsinitiative AI4Schools – KI strukturiert in die Schule bringen

Einer Umfrage der Vodafone-Stiftung zufolge nutzten bereits 2024 ca. 68 Prozent der Jugendlichen in Deutschland generative KI im schulischen Kontext. Die Tendenz steigt. Die eigentliche Herausforderung besteht jedoch darin, Lehrkräfte so zu qualifizieren, dass KI nicht nur genutzt, sondern auch verstanden, kritisch eingeordnet und didaktisch sinnvoll eingesetzt werden kann. 

Ein Beitrag von Max Landefeld

Viele Schulen stehen derzeit vor einer großen Herausforderung: Schüler:innen nutzen KI-Tools bereits selbstverständlich, während gleichzeitig Unsicherheit darüber besteht, wie diese Technologien pädagogisch sinnvoll integriert werden können. Zwischen punktueller Nutzung einzelner Anwendungen und einer systematischen Verankerung von KI-Kompetenzen im Unterricht besteht eine deutliche Lücke. Genau hier setzen übergreifende Qualifizierungs- und Entwicklungsinitiativen wie „AI4Schools“ an. 

AI4Schools ist eine Initiative des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS mit dem Ziel, KI-Kompetenzen nachhaltig im Bildungssystem zu verankern. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie ein fundiertes Verständnis für Funktionsweise, Möglichkeiten und Grenzen von KI aufgebaut werden kann – als Grundlage für einen reflektierten Einsatz in schulischen Kontexten. Neben technischem Basiswissen werden daher auch gesellschaftliche Aspekte wie Transparenz, Datenschutz und Verantwortung systematisch einbezogen. 

Qualifizierung und institutionelle Verankerung

Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass Einzelangebote wie einmalige Workshops allein nicht ausreichen, um neue Technologien langfristig im Unterricht zu etablieren. Entscheidend ist vielmehr ein systematischer Ansatz, der sowohl Qualifizierung als auch institutionelle Verankerung umfasst.

Das Konzept von AI4Schools bietet deshalb auch einen Multiplikator:innen-Ansatz: Fraunhofer-Expert:innen für künstliche Intelligenz im Bildungs- und Qualifizierungskontext schulen Lehrkräfte, um ihr Wissen innerhalb von Kollegien und Fachschaften weiterzugeben. Ein Beispiel hierfür ist die Zusammenarbeit mit öffentlichen Institutionen wie dem Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz. Dort bildet AI4Schools Multiplikator:innen gezielt nach dem „Train-the-Trainer“-Prinzip fort, um KI-Kompetenzen schrittweise in die Breite zu tragen und Schulen bei der Integration zu unterstützen. Zudem entwickeln die Fraunhofer-Fachleute Softwarelösungen und erstellen Lehr- und Lernmaterialien.

Drei Männer vor einem Whiteboard, auf dem eine Grafik zu sehen ist
AI4Schools-Schulungen funktionieren nach dem „Train-the-Trainer“-Prinzip und unterstützen Schulen bei der Integration von KI-Kompetenzen | © Foto: Christian Ehrchen (NetCologne)

KI verstehen statt nur anwenden

Schätzungen der UNCTAD (UN-Konferenz für Handel und Entwicklung) zufolge enthalten rund 40 bis 60 Prozent aller Berufe Tätigkeiten, die durch KI verändert oder teilweise automatisiert werden, insbesondere im Dienstleistungsbereich. Dabei werden weniger ganze Berufe ersetzt, sondern vor allem Aufgaben verändert. Damit ist eine tiefgreifende Verschiebung von Tätigkeiten und der steigende Bedarf an Qualifizierung (Upskilling) verbunden.

Für Schulen entsteht daraus nicht nur ein Bildungsauftrag, sondern auch eine Reihe neuer Herausforderungen. Dazu gehört etwa das sogenannte „Cognitive Offloading“: Wenn Lernende Aufgaben zunehmend an KI auslagern, kann dies zu Kompetenzverlusten (Deskilling) führen. Hinzu kommen neue Formen digitaler Manipulation, Deepfakes oder „Persuasive AI“, die Nutzer:innen gezielt durch personalisierte Argumente oder emotional angepasste Inhalte beeinflusst. 

KI als Werkzeug und Lerngegenstand

Ein zentrales Ziel von AI4Schools besteht deshalb darin, KI nicht ausschließlich als Werkzeug zu betrachten, sondern als Lerngegenstand. Lehrkräfte und Schüler:innen setzen sich mit grundlegenden Konzepten wie Trainingsdaten, Modellbildung oder Entscheidungslogiken auseinander. Dadurch entsteht ein Verständnis dafür, warum KI-Systeme bestimmte Ergebnisse liefern – und warum diese nicht immer korrekt oder neutral sind. Ein aufgeklärter, kritischer Umgang steht im Fokus.

Ein großes, bislang wenig ausgeschöpftes Potenzial liegt in der adaptiven Lernförderung. Gemeint sind KI-gestützte Systeme, die Lernstände analysieren und darauf aufbauend individuell passende Aufgaben, Hinweise oder Erklärungen bereitstellen. Lernende arbeiten dadurch stärker auf ihrem eigenen Niveau, während Lehrkräfte gezielter unterstützen können. Obwohl solche Ansätze nachweislich signifikante Lernfortschritte ermöglichen, werden sie im Schulalltag bisher nur begrenzt genutzt. 

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu AI4Schools, der Bildungsinitiative für KI-Kompetenzen in Schulen, finden Sie hier:

Wie AI4Teachers konkret Lehrkräfte für KI im Unterricht qualifiziert, können Sie hier nachlesen:

KI als fester Bestandteil moderner Allgemeinbildung

KI wird sich in den kommenden Jahren weiter tiefgreifend auf Schule und Unterricht auswirken, weniger als kurzfristiger Umbruch, sondern als kontinuierlicher Transformationsprozess. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Schüler:innen von der reinen Nutzung intelligenter Technologien in ein strukturiertes, reflektiertes und pädagogisch fundiertes Lernen zu überführen. 

Erfahrungen aus Initiativen wie AI4Schools zeigen, dass dies vor allem durch langfristige Qualifizierungsstrategien, institutionelle Verankerung und die Entwicklung geeigneter Materialien und Technologien gelingt, typischerweise in Zusammenarbeit mit Partnern auf Systemebene. Gleichzeitig wird die Bedeutung von Kompetenzen, die über reines Anwenden hinausgehen, weiter zunehmen: kritisches Denken, Urteilsfähigkeit und ein reflektierter Umgang mit automatisierten Systemen. Schulen stehen damit vor der Aufgabe, KI nicht nur als technisches Werkzeug zu behandeln, sondern als festen Bestandteil moderner Allgemeinbildung. Ob KI ihr Potenzial im Bildungssystem entfalten kann, hängt letztlich weniger von der Technologie selbst ab als von den Rahmenbedingungen, unter denen sie eingesetzt wird. 

Max Landefeld

Max Landefeld arbeitet am Fraunhofer IAIS und koordiniert die Initiative AI4Schools. Er engagiert sich leidenschaftlich für die Entwicklung vertrauenswürdiger, nachhaltiger und niedrigschwelliger KI-Systeme und Explorables. Er hat einen akademischen Hintergrund in Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt auf KI und datengetriebenen Anwendungen.

Headerbild | © Christian Ehrchen (NetCologne)

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Ab sofort können Sie mit dem Digital-Abo alle Fachartikel aus dem MINT Zirkel am Bildschirm lesen, alle Zusatzmaterialien zu den Beiträgen nutzen, die Beiträge auch als Audioversion anhören und das Ausgabenarchiv bequem durchsuchen. Viermal im Jahr kommt eine neue Ausgabe – für Ihren Wissensvorsprung! Außerdem erhalten Sie im Abo unbegrenzten Zugriff auf sämtliche im MINT Zirkel veröffentlichten Downloads (Arbeitsblätter, Unterrichtsmaterial etc.) und sichern sich weitere exklusive Vorteile.

Beitrag teilen:

Facebook
X
LinkedIn
Pinterest
XING
WhatsApp
Email

Ähnliche Beiträge

Langhalsiger Dinosaurier in einer kargen Waldlandschaft
7. Oktober, 2026
Das Tier des Frühlings kam aus dem Meer: der gestrandete Ostsee-Wal, den Journalist:innen im April „Hope“ oder „Timmy“ tauften, ein Buckelwal, 12,3 Meter lang, tonnenschwer und als Wal ein Mitglied jener Tiere, die bisher als die größten in den Ozeanen galten. Sehr wahrscheinlich ist, dass seine Größe den Rummel um ihn befeuerte. Er wurde geliebt, bemitleidet, hochgejazzt und schließlich als unser aller Meeres-Buddy in eine ungewisse Zukunft entlassen.
ESA-Astronaut Matthias Maurer und Reserve-Astronautin Amelie Schoenenwald
Gesponserte Inhalte
5. Oktober, 2026
Der Schulwettbewerb „Beschützer der Erde – Space for Change“ geht in die vierte Wettbewerbsrunde! Schüler:innen der 6., 7. und 8. Klassen in ganz Deutschland sind wieder gefragt: Was können wir für den Schutz unserer Erde tun – und wie können uns Daten aus dem All dabei helfen? Für Lehrkräfte bietet der Wettbewerb die Möglichkeit, ein aktuelles Thema forschend, praxisnah und mit viel Raum für eigene Ideen in den Unterricht zu holen.
Jugendlicher auf dem Schulflur springt enthusiastisch in die Luft
30. September, 2026
Es gibt diese Momente im Schulalltag, die sich nicht planen lassen. Momente, in denen jemand etwas ausprobiert, obwohl es noch keine fertige Lösung gibt. Momente, in denen trotz Unsicherheiten gehandelt wird. Nicht die große Reform, nicht das fertige Konzept verändert Schule, sondern diese kleinen, oft unscheinbaren Entscheidungen. Diese Mutausbrüche. Sie liegen zum Beispiel im Ausprobieren einer neuen Methode oder im Abgeben der Kontrolle, im Loslassen und Zutrauen.
" "
29. September, 2026
Ob KI im Klassenzimmer, innovative Physik-Projekte oder interdisziplinäre BNE-Konzepte: MINT Zirkel, die auflagenstärkste Fachpublikation für MINT-Lehrkräfte im deutschsprachigen Raum, bietet auch in der neuen Ausgabe 3/26 wieder jede Menge Themen-Inspiration und Unterrichtsideen.
Drei Männer vor einem Whiteboard, auf dem eine Grafik zu sehen ist
22. September, 2026
Einer Umfrage der Vodafone-Stiftung zufolge nutzten bereits 2024 ca. 68 Prozent der Jugendlichen in Deutschland generative KI im schulischen Kontext. Die Tendenz steigt. Die eigentliche Herausforderung besteht jedoch darin, Lehrkräfte so zu qualifizieren, dass KI nicht nur genutzt, sondern auch verstanden, kritisch eingeordnet und didaktisch sinnvoll eingesetzt werden kann.
Schülerin schaut verträumt zur Seite
16. September, 2026
Statistisch betrachtet sitzt in jedem Klassenraum mindestens ein Kind mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), denn sie gehört zu den am häufigsten diagnostizierten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Somit ist es wichtig, dass die Schule für diese Schüler:innen eine lernförderliche Umgebung ist. Zudem gilt: Alles, was Kindern und Jugendlichen mit ADHS hilft, in der Schule und im Unterricht besser zurechtzukommen, hilft auch Kindern und Jugendlichen ohne ADHS.
Drei Personen auf dem Siegerpodest halten ihre Landesfahnen hoch
2. September, 2026
Pflanzen kommunizieren – das ist keine Esoterik, sondern belegte Pflanzenphysiologie. Was aber, wenn wir ihre elektrischen Signale nicht nur messen, sondern mit KI „übersetzen“ könnten? Ein Bericht aus fünf Jahren Forschung und darüber, was das für den MINT-Unterricht bedeutet.
Aufgeschlagenes Buch neben einer Tasse Tee und trockenem Herbstlaub
28. August, 2026
Der Sommer liegt in den letzten Zügen, und es beginnt wieder die Zeit, sich mit einer dampfenden Tasse Kräutertee oder einem warmen Kakao abends zurückzuziehen, um sich mit Neuem zu beschäftigen. Ein paar Anregungen gefällig? Ich habe mich wieder mit spannenden neuen Büchern aus der MINT- und Bildungswelt beschäftigt und aus der Fülle der Neuerscheinungen einige ausgewählt. Hier kommen meine Lektüreempfehlungen für den Spätsommer und Herbst. Viel Spaß beim Lesen.
Kinder halten gemeinschaftlich ihre Hände zusammen
26. August, 2026
Kooperation und Vertrauen sind der Schlüssel für ein gelingendes Miteinander. Das gilt gleichermaßen für Familien, Schulen, Unternehmen oder auch Staaten. Durch kooperatives Verhalten kann gemeinsam mehr erreicht werden als allein, und Vertrauen ist eine Basis für effiziente Zusammenarbeit. Wie aber entwickeln sich Kooperation und Vertrauen? Welche Rolle spielt dabei das Elternhaus und welche Möglichkeiten bieten gezielte Interventionen in unserem Bildungssystem zur Steigerung von Kooperation und Vertrauen?
Lehrerin steht hinter Schülern und erklärt etwas auf einem Tablet
19. August, 2026
Seit dem Launch von ChatGPT Ende 2022 ist generative künstliche Intelligenz an vielen Stellen und mit verschiedenen Tools in der Bildungsarbeit angekommen. Parallel steigen die Erwartungen an Lehrkräfte, die Technologie kompetent einzusetzen und im Unterricht zu thematisieren. Was jedoch zu diesen KI-Kompetenzen gehört, ist komplex und häufig schlecht greifbar. Um in diesem Bereich mehr Orientierung zu ermöglichen, stellen Susanne Alles, Joscha Falck, Manuel Flick und Regina Schulz ein Kompetenzmodell für die Bildungspraxis vor.
Partikel aus tausenden von Atomen
11. August, 2026
Die Seltsamkeiten des Mikrokosmos reichen immer weiter: Jetzt wurden Metallkügelchen über einen Abstand vom Zehnfachen ihres Durchmessers „verschmiert“.
Illustration erstellt von ChatGPT mit dem Prompt „Erstelle eine Illustration für eine Zeitung für Lehrkräfte aus dem MINT-Bereich. Das Thema des Artikels ist ‚KI als Autor‘.“
KI-generiert
4. August, 2026
Um den Gedanken des vorangegangenen Artikels weiterzuführen, haben wir ein kleines Experiment unternommen: Was wäre, wenn der Beitrag vollständig durch eine KI erstellt würde?

Vielen Dank für Ihr Interesse am MINT Zirkel! Registrieren Sie sich jetzt hier für den kostenfreien Download der Unterrichtsmaterialien.

Wenn Sie bereits einen MINT-Zirkel-Account eingerichtet haben, können Sie sich hier anmelden.