Viele Schüler:innen stellen sich im Laufe ihrer Schulzeit dieselbe Frage: Wofür lerne ich das eigentlich? Formeln, Ableitungen, chemische Reaktionsgleichungen oder Programmierlogik erscheinen im Unterricht oft abstrakt und losgelöst von der Lebensrealität. Gerade in den MINT-Fächern fällt es nicht immer leicht, den unmittelbaren Bezug zur späteren Berufswelt zu erkennen.
Ein Beitrag von Ök Gel, Otto-Hahn-Gymnasium Landau
Dabei entsteht Motivation dort, wo Sinn sichtbar wird. Wer versteht, warum Inhalte vermittelt werden und welche Türen sie öffnen können, geht neugieriger, zielgerichteter und selbstbewusster durch den Unterricht. Klingt gut? Das dachten sich auch drei Oberstufenschüler:innen und drei MINT-Lehrkräfte des Otto-Hahn-Gymnasiums in Landau. Sie riefen Anfang Dezember 2024 das erste Landauer „MINTeinander“ ins Leben, eine Veranstaltung zur Erkenntnisgewinnung über den Mehrwert der MINT-Fächer. Ziel des Abends war es, Schüler:innen der 10. Jahrgangsstufe vor der Wahl ihrer Leistungskurse wertvolle Einblicke in die MINT-Leistungskurse zu gewähren.
Hintergrund des MINTeinanders
Im Kulturkeller des Otto-Hahn-Gymnasiums warteten interessierte Zehntklässler:innen gespannt darauf, wie die Oberstufenschüler:innen mit den Experten Dr. Achim Reuther (EnBW), Timo Schuff (CarByte) und Dr. Ulrich Müller (BASF) über die Relevanz von MINT-Kenntnissen für die Zukunft diskutieren würden. In einer angeregten Diskussion berichteten die Oberstufenschüler:innen von ihren Erfahrungen in den MINT-Leistungskursen und erfuhren im Gegenzug, weshalb die Inhalte und Methoden, die in den Leistungskursen gelernt werden, später im Berufsalltag von zentraler Bedeutung sind. Des Weiteren wurde ihnen ersichtlich, welche Herausforderungen und Chancen sie später erwarten.
Solche Begegnungen sind für viele Jugendliche ein entscheidender Moment. Die Wahl der Leistungskurse ist für viele Schüler:innen ein erster Schritt in Richtung beruflicher Spezialisierung.
Gleichzeitig fällt diese Entscheidung oft in eine Lebensphase, in der Interessen noch im Wandel sind. Transparenz über Anforderungen, Inhalte und Perspektiven kann daher einen wichtigen Beitrag zu reflektierten Entscheidungen leisten; Theorie und Praxis treten in Dialog; Inhalte, die im Unterricht abstrakt erscheinen, erhalten durch reale Anwendungsbeispiele eine neue Bedeutung. Einzelne Puzzlestücke, die allein betrachtet nicht von großer Bedeutung scheinen, ergeben zusammen plötzlich ein stimmiges Gesamtbild.
Schüler:innen fragen, Experten antworten
Die eingeladenen Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft informierten anschaulich, wie MINT-Kenntnisse in ihren jeweiligen Branchen zur Anwendung kommen und welche Berufsperspektiven sich für zukünftige Absolvent:innen eröffnen. Besonders hervorgehoben wurde die Notwendigkeit analytischen Denkens sowie eine lösungsorientierte Herangehensweise an Probleme, was vor allem in MINT-Leistungskursen erlernt wird. Die Schüler:innen der 10. Jahrgangsstufe hatten bereits im Vorfeld die Möglichkeit, Fragen an die Diskutierenden einzureichen. Während der Veranstaltung wurden diese Fragen aufgegriffen, was zu einer interaktiven und praxisnahen Gesprächsatmosphäre führte. Themen wie die Bedeutung von Informatik in verschiedenen Industriezweigen, die Rolle der Mathematik als Kernstück der Wissenschaft und die Zukunft von Naturwissenschaften mit Blick auf künstlicher Intelligenz standen im Fokus.
Radiobeitrag zum MINTeinander
Neben zahlreichen Teilnehmer:innen war auch der Radiosender Antenne Landau vor Ort. Der daraus resultierende Beitrag kann hier gehört werden:
Positive Resonanz und Ausblick
Die Veranstaltung wurde von allen Teilnehmenden als sehr informativ und motivierend wahrgenommen. Die Zehntklässler:innen gewannen durch die Einblicke eine klarere Vorstellung von den MINT-Fächern und deren Bedeutung für ihre Zukunft.
Aufgrund dieser positiven Resonanz wird das „MINTeinander“ im nächsten Jahr fortgesetzt. Das Ziel bleibt, Schüler:innen frühzeitig mit Expert:innen in Kontakt zu bringen und ihnen Einblicke in Praxisbeispiele zu gewähren, um ihnen eine fundierte Entscheidung für ihre schulische und berufliche Laufbahn zu ermöglichen. Dies schafft einen Austausch zwischen Schule, Wissenschaft und Wirtschaft und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur MINT-Bildung und -Berufsorientierung.
Organisation, Stolpersteine und Learnings
Der Erfolg der Veranstaltung ist auf die engagierte Organisation zurückzuführen, die maßgeblich von den Oberstufenschüler:innen Aerin Paul, Kilian Kirsch und Leo Klempt im Austausch mit den MINT-Kolleg:innen Katrin Ticala, Daniel Behr und Ök Gel gestemmt wurde. Schon die Planung zeigte die besondere Relevanz der Kooperation zwischen Schüler:innen und Lehrkräften. Es wurde stets auf Augenhöhe und zielorientiert geplant, koordiniert und eine Expertenliste angelegt und ausgewählt.
Was gut lief
Der direkte Austausch mit den Experten zeigt exemplarisch, wie Berufsorientierung gelingen kann, und zwar nicht als Informationsbroschüre, sondern als persönliches Gespräch auf Augenhöhe. Konkret können folgende Punkte als Erfolge verzeichnet werden:
- Praxisbezug durch Experten: Die unmittelbare Verbindung von schulischen Inhalten mit dem Berufsalltag durch die Experten von BASF, EnBW und CarByte war ein großer Erfolg. Dies verlieh den gelernten Inhalten eine zentrale Bedeutung. Die Erfahrungen der Schüler:innen ergänzen die Einblicke der MINT-Experten zu einem vollständigen und umfassenden MINT-Gesamtbild.
- Schüler:innen-Experten-Mix auf dem Podium: Der Dialog zwischen aktuellen Leistungskurs-Schüler:innen und Branchenexperten ermöglichte einen realitätsnahen und authentischen Einblick für die Zielgruppe der Zehntklässler:innen, und zwar im Vorfeld der Leistungskurswahl, um diese bewusster anzugehen.
- Interaktivität: Die Möglichkeit, Fragen im Vorfeld einzureichen, führte zu einer interaktiven und praxisnahen Gesprächsatmosphäre und stellte sicher, dass die Themen der Schüler:innen im Fokus standen. Hauptsächlich bestand aber die Interaktion durch spontan aufkommende Fragen während der Talkrunde.
Warum Einblicke in die Berufswelt motivieren
Berufsorientierung gelingt besonders nachhaltig, wenn sie dialogisch, authentisch und lebensnah gestaltet wird:
- Relevanz steigert Motivation. Wer den Sinn hinter Lerninhalten erkennt, zeigt höhere Lernbereitschaft.
- Frühzeitige Orientierung reduziert Fehlentscheidungen bei Kurs- und Studienwahl.
- Begegnungen mit Expert:innen fördern Selbstwirksamkeit und Zukunftsplanung.
- Praxisbezug hilft, abstrakte Inhalte greifbar zu machen – besonders in MINT-Fächern.
Herausforderungen und Learnings für Folgeveranstaltungen
- Logistik einer Premiere: Als Erstveranstaltung musste die gesamte Logistik neu aufgesetzt werden, von der Auswahl des passenden Veranstaltungsortes bis zur technischen Ausstattung und dem Ablaufmanagement. Ein zentrales Learning war, dass die Einbindung aller Akteure (Expertenbriefing, Koordination der Schüler:innen und Lehrkräfte) essenziell für einen reibungslosen Ablauf ist.
- Moderationskompetenz: Die Moderation der Fachdiskussion unter Einbeziehung spontan aufkommender Fragen könnte im Allgemeinen eine Herausforderung darstellen, um alle wichtigen Themen (Informatik, Mathematik, KI) angemessen zu behandeln. Das Learning hieraus ist die Notwendigkeit einer straffen, aber flexiblen Gesprächsführung. Unsere Moderatorin war hervorragend vorbereitet und leitete souverän durch den Abend.
Fazit
Formate wie das „MINTeinander“ zeigen, wie Schule über ihre klassischen Grenzen hinaus wirken kann. Sie machen deutlich, dass Unterricht nicht isoliert vom gesellschaftlichen Kontext gedacht werden sollte. Gerade in Zeiten rascher technologischer Entwicklungen – von Digitalisierung bis künstlicher Intelligenz – wird es immer wichtiger, junge Menschen frühzeitig mit realen Berufsbildern in Kontakt zu bringen und ihnen Orientierung in einer komplexen Arbeitswelt zu geben.
Headerbild | © Katrin Ticala












