Skip to content

Die Mathematik von Puzzlelampen

Puzzlelampen wie die beliebte IQ Light des dänischen Designers Holger Strøm faszinieren mit ihrer klaren und zugleich komplexen Ästhetik. Beim Zusammenbauen erschließt sich ihre Schönheit Schritt für Schritt und fast nebenbei trainiert man dabei mathematisches Denken. Darüber hinaus bieten die Puzzlelampen verschiedene Ansatzpunkte, auch tiefer in die dreidimensionale Geometrie einzutauchen.

Ein Beitrag von Dr. Rahel Brugger, Dr. Oliver Straser und Prof. Dr. Katja Maaß

Das Basteln der IQ Light aus 30 identischen Einzelteilen dauert ohne Übung je nach Geschick ca. 20 bis 60 Minuten und ist für Jugendliche ab etwa zwölf Jahren mit ein wenig Unterstützung zu schaffen. Das Zusammenbauen wird einfacher, wenn die Teile größer sind. Zudem sind Plastiklampen einfacher zusammenzubauen als solche aus Papier.

Händigkeit der Lampen

Die wichtigste Erkenntnis beim Zusammenbauen der 30-teiligen Kugel ist bereits eine mathematische: Da die einzelnen Teile keine Spiegelsymmetrie besitzen, haben sie eine sogenannte Händigkeit oder Chiralität. Das bedeutet, dass ein umgedrehtes Teil nicht mit dem nicht gedrehten zur Deckung gebracht werden kann.

Beim Zusammenbauen der Kugel ist es daher essenziell, dass alle Teile in der gleichen Ausrichtung eingebaut werden. Wenn irgendwann ein Fehler auffällt, liegt das fast immer daran, dass ein Teil umgedreht eingesetzt wurde.

Tatsächlich kann man mit denselben Teilen auch andere Formen bauen als die 30-teilige Kugel. Hier werden dann gezielt einzelne Teile andersherum eingebaut (s. den zweiten Linktipp im folgenden Kasten).

2 weiße Teile von einer Puzzlelampe liegen nebeneinander
Da die Lampenteile von IQ Light keine Spiegelsymmetrie besitzen, kann man zwei Teile nicht zur Deckung bringen, wenn eines davon umgedreht ist | © Dr. Rahel Brugger

Linktipps

In diesem Youtube-Video baut Designer Holger Strøm eine IQ Light zusammen:

Das Youtube-Video „Interactive Surface Design with Interlocking Elements“ zeigt, wie man mithilfe einer Software eigene neue Formen aus diesen Teilen entwickeln und bauen kann:

Vorlagen als Vektorgrafik für eigene Lampenteile:

Schulprojekt Puzzlelampen – R. Brugger, O. Straser, K. Maaß (2025): „Designing Jigsaw Lamps“, Proceedings of the Bridges Conference 2025, Eindhoven, Niederlande:

Symmetrien

Die zweite wichtige Erkenntnis, die man für das Zusammenbauen braucht, ist, dass die Einzelteile von IQ Light zwei verschiedene Sorten von Haken haben. Von der Sorte an den stumpferen Winkeln treffen bei der 30-teiligen Kugel immer drei zusammen, von denen an den spitzeren immer fünf. Das ist kein Zufall und hat mit der Symmetrie zu tun, die solche Lampen haben können. Das Wissen darüber ist zwar für das Zusammenbauen nicht notwendig, bietet aber einen spannenden Anknüpfungspunkt für den Mathematikunterricht ab der Sekundarstufe I.

In der Schule werden meist zweidimensionale Symmetrien wie die Spiegelsymmetrie an einer Achse oder die Drehsymmetrie um einen Punkt behandelt. Bei den Lampen haben wir es mit dreidimensionalen Symmetrien zu tun, genauer: mit Drehsymmetrien um Achsen. Eine solche Symmetrie ist definiert durch eine Drehachse und einen Winkel, um den gedreht wird. Statt des Winkels kann man auch die „Ordnung“ der Drehung angeben. Diese Zahl gibt an, wie viele Drehungen um diesen Winkel nötig sind, bis man eine komplette Drehung von genau 360 Grad erreicht hat. Die kugelförmige Puzzlelampe IQ Light hat Drehsymmetrien von Ordnung 5, Ordnung 3 und – etwas schwieriger zu finden – Ordnung 2.

Drehsymmetrien der Ordnungen 2, 3 und 5 von Puzzlelampen
Drehsymmetrien verschiedener Ordnungen von IQ Light | © Dr. Rahel Brugger

Zusammenhang zu platonischen Körpern

Die Drehsymmetrien von dreidimensionalen Objekten sind eng verknüpft mit einem anderen Thema, das in vielen Bundesländern in Lehrplänen der Sekundarstufe I vorkommt: den fünf platonischen Körpern Tetraeder, Hexaeder, Oktaeder, Dodekaeder und Ikosaeder, auch bekannt als Würfel mit vier, sechs, acht, zwölf bzw. zwanzig Seiten.

Wenn man etwa bei IQ Light alle Punkte auf der Lampe verbindet, durch die eine Drehachse von Ordnung 5 verläuft, erhält man ein Ikosaeder; verbindet man alle Punkte auf der Lampe, durch die eine Drehachse von Ordnung 3 verläuft, erhält man ein Dodekaeder.

Dass man hier diese beiden platonischen Körper findet, ist kein Zufall. Tatsächlich gibt es einen mathematischen Satz, der besagt, dass es für die Drehsymmetrien von dreidimensionalen Objekten nur die folgenden drei Möglichkeiten gibt:

  • Die erste Möglichkeit ist, dass es unendlich viele Drehsymmetrien gibt, beispielsweise wie bei einer Kugel.
  • Bei der zweiten gibt es nur eine Drehachse mit mindestens Ordnung 3, zum Beispiel bei der Lampe in der nebenstehenden Abbildung.

Bei diesen beiden ersten Möglichkeiten kann man die Symmetrie des Objekts in der Regel mit einem Blick erfassen.

Warmgelbe Puzzlelampe mit nur einer Drehachse von mindestens Ordnung 3 hängt von der Decke
Eine Lampe mit nur einer Drehachse von mindestens Ordnung 3 | © Printables/KiKoKe
Eine weiße Puzzlelampe hängt von der Decke
Die Lampe „Lora“ des Herstellers VITA, bei der sich ein Ikosaeder ergibt, wenn man die Ordnung-5-Punkte verbindet, und ein Dodekaeder, wenn man die Ordnung-3-Punkte verbindet | © Dr. Rahel Brugger
  • Die dritte Möglichkeit betrifft die Objekte, bei denen die Symmetrie unübersichtlich und kompliziert aussieht.

Der Satz besagt, dass in diesem Fall die Drehsymmetrien immer mit denen von platonischen Körpern übereinstimmen – entweder mit denen des Tetraeders oder mit denen des Hexaeders und Oktaeders oder, wie bei IQ Light, mit denen des Dodekaeders und Ikosaeders. Bei Lampen, die besonders kompliziert aussehen, liegt fast immer der letzte Fall vor.

Das bedeutet, dass es genügt, die platonischen Körper zu kennen, um schnell die Symmetrien beliebiger dreidimensionaler Objekte zu verstehen.

Knobelaufgabe für Schüler:innen

Wenn man diesen Zusammenhang zu den platonischen Körpern kennt und weiß, wie viele Flächen diese haben, kann man damit ausrechnen, wie viele Teile die Puzzlelampen haben müssen. Beispielsweise kann man in der folgenden Abbildung sehen, dass jedes Dreieck des Ikosaeders drei halbe Lampenteile enthält. Da das Ikosaeder aus 20 Dreiecken besteht, muss die Lampe aus 20 × 3 ÷ 2 = 30 Teilen bestehen. Analog kann man auch die Rechnung mit dem Dodekaeder durchführen – eine spannende Knobelaufgabe für Schüler:innen.

Die Drehsymmetrien einer Puzzlelampe sind mathematischen Körpern gegenübergestellt, hier Dodekaeder und Ikosaeder
Die Drehsymmetrien von IQ Light haben die Struktur eines Ikosaeders und Dodekaeders | © Dr. Rahel Brugger

Färbungen

Wenn man verschiedenfarbige Lampenteile hat, stellt sich fast automatisch die Frage, wie man die Farben am besten verteilt, wobei es verschiedene Möglichkeiten gibt, was man mit „am besten“ meint. Hierzu können Schüler:innen selbst Fragestellungen formulieren und untersuchen.

Die Färbung mit drei Farben, wie sie in der Abbildung zu sehen ist, haben Achtklässlerinnen in einer Mathe-AG ohne Hilfe gefunden. Sie hat die Eigenschaft, dass gleiche Farben nirgends nebeneinanderliegen, und besitzt drei senkrecht zueinanderstehende Symmetrieachsen der Ordnung 2.

Hände halten eine blau-grün schimmernde Puzzlelampe
Die ikonische IQ Light des dänischen Designers Holger Strøm verfügt über eine zugleich regelmäßige und komplexe Ästhetik | © Dr. Rahel Brugger

Herstellung der Lampenteile

Wir haben die Teile von IQ Light mit einem Lasercutter aus Plastik (Einbanddeckel aus Polypropylen, Stärke 0,3 mm) oder mit einem Schneideplotter aus dickem Papier (ca. 200 g/m²) selbst hergestellt. Hierzu finden sich Vorlagen als Vektorgrafik im Internet (S. Kasten). Man kann aber auch die fertigen Lampenteile kaufen.

In einem Schulprojekt haben Schüler:innen auch selbst Designs für neue Puzzlelampen entwickelt (s. Kasten). Für diesen Prozess, bei dem schrittweise Prototypen verbessert wurden, war ein Plotter sehr nützlich, mit dem man scannen und schneiden kann.

© Headerbild | Dr. Rahel Brugger

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Mehr davon finden Sie in unserer Lehrerzeitung MINT Zirkel! Mit dem digitalen MINT Zirkel-Abo erhalten Sie regelmäßig neue Ausgaben der digitalen Lehrerzeitung – vollgepackt mit praxisnahen Fachartikeln, didaktisch fundierten Materialien und exklusiven MINT Zirkel-Zusatzmaterialien. Speziell für Lehrkräfte im MINT-Bereich.

Beitrag teilen:

Facebook
X
LinkedIn
Pinterest
XING
WhatsApp
Email

Ähnliche Beiträge

Küste mit Pier und Wellen
15. April, 2026
Steigende Meeresspiegel, zunehmende Sturmfluten und veränderte Lebensräume – der Kli-mawandel stellt unsere Küsten vor immense Herausforderungen. Solche großen Phänomene lassen sich im Schulalltag jedoch oft nur schwer greifbar machen. Für genau dieses Problem wurde ein Deichmodell adaptiert, mit dem Lehrkräfte derartig komplexe Themen ins Klassen-zimmer holen und Schüler:innen aktiv verschiedenste Küstenschutzmaßnahmen nachbauen oder auch neu entwickeln können. Durch selbst erzeugte Wellen können sie zudem die Wirk-samkeit ihrer Konstruktion beobachten und messen. So verbindet das Modell praxisnahes Experimentieren mit einem tieferen Verständnis für den Einfluss des Klimawandels auf unsere Lebensräume.
Menschen arbeiteten auf einem Feld mit goldenem Reis
7. April, 2026
Wenige Themen in der Biologie werden so emotional diskutiert wie gentechnische Verfahren in der Landwirtschaft. Deshalb eignet sich die Agro-Gentechnik – auch grüne Gentechnik genannt – nicht nur dazu, molekularbiologisches Wissen an einem lebensnahen Objekt, unserem täglichen Essen, zu vermitteln. An den verschiedenen Aspekten dieses Themas können unterschiedliche wissenschaftliche Positionen diskutiert werden. Und es lässt sich aufzeigen, wie Fachwissen unterschiedlich bewertet und gewichtet wird, um zu gesellschaftlichen Entscheidungen zu kommen.
Jane Goodall und Prof. Dr. Maximilian Moser berühren den Baum, in dem TreeMuse befestigt ist
31. März, 2026
Wie unzählige Generationen vor uns verbrachten auch wir als Kinder viel Zeit im Wald. Der Wald war unser Spielgefährte und Lehrmeister: Wir rochen am Baumharz, knabberten Tannenwipfel im Mai, schliffen flache Steine, montierten sie auf gespaltene Aststücke als Tomahawks und nutzten das Gelände zum Verstecken- und Fangenspielen, zum Herumtollen und zur Suche nach Erdbeeren, Himbeeren und Pilzen. Heute hat sich diese Fülle an Bewegung bei Kindern weitgehend auf Wischbewegungen über ein leuchtendes Display reduziert. Es stellt sich daher die Frage: Wie können wir diese neue Generation von Kids wieder dazu bewegen, Zeit mit Bäumen und in der Natur zu verbringen?
Schildkröte im Meer mit einer Plastiktüte im Maul, während auf dem Meeresgrund weiterer Plastikmüll liegt
26. März, 2026
Achtung: Dieser Text könnte Ihr Bild von Schildkröten nachhaltig verändern. Wenn jemand diese Tiere mit dem Panzer auf dem Rücken bisher für possierlich, ruhig und liebenswert gehalten hat und bei dieser Sicht bleiben will: LESEN SIE NICHT WEITER!
Hände halten Bleistift und Zirkel und schweben über einem technischen Blatt Papier
18. März, 2026
Um Schüler:innen für das Leben und Arbeiten in einer technisch geprägten, digital vernetzten Welt zu befähigen, kommt dem Technikunterricht eine besondere Rolle zu. Technische Allgemeinbildung umfasst dabei die Fähigkeiten, Technik zu nutzen, zu verstehen und zu beurteilen (Höpken et al. 2003) sowie Probleme zu lösen. Neben den Problemtypen Technik nutzen, Störungen beseitigen und Entscheidungen treffen ist das Konstruieren von Technik (Stemmann & Lang 2014) Inhalt und neben der Fertigungsaufgabe die am häufigsten eingesetzte Methode des Technikunterrichts (Straub 2017). Das Potenzial des Einsatzes von 3D-CAD für den MINT-Unterricht wird im folgenden Beitrag am Beispiel einer Konstruktionsaufgabe aus dem Technikunterricht veranschaulicht.
Hände halten eine blau-grün schimmernde Puzzlelampe
11. März, 2026
Puzzlelampen wie die beliebte IQ Light des dänischen Designers Holger Strøm faszinieren mit ihrer klaren und zugleich komplexen Ästhetik. Beim Zusammenbauen erschließt sich ihre Schönheit Schritt für Schritt und fast nebenbei trainiert man dabei mathematisches Denken. Darüber hinaus bieten die Puzzlelampen verschiedene Ansatzpunkte, auch tiefer in die dreidimensionale Geometrie einzutauchen.
Geöffnetes Buch neben einer Tasse Kaffee und Blumen
6. März, 2026
Endlich startet der Frühling – und damit regt sich wieder die Lust auf Neues. Zeit, sich mit spannenden Themen aus der MINT-Welt zu beschäftigen. Hier kommen unsere Lektüreempfehlungen für den Frühling – viel Spaß beim Lesen.
Warum Menschen häufig gute Entscheidungen treffen
6. März, 2026
Die Frage, wie Menschen im Allgemeinen ihre Entscheidungen treffen und wie „gut“ sie entscheiden, wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Grob lassen sich drei Strömungen unterscheiden: die neoklassische ökonomische Entscheidungstheorie, die traditionelle Verhaltensökonomie und die Forschung zur adaptiven Rationalität. Letztere wird leider in der (Wirtschafts-)Didaktik und der Schulbuchliteratur kaum beachtet. Ausgehend von einem kleinen Entscheidungsexperiment möchten wir im Folgenden zeigen, dass alle drei Ansätze wertvolle Erkenntnisse bieten, um menschliches Entscheiden zu verstehen und zu verbessern.
"Halten verboten"-Verkehrsschild mit dem Hinweis darunter "Auf dem gesamten Parkplatz"
6. März, 2026
Es gibt immer wieder Momente, in denen Menschen verwundert auf von ihnen nicht so einfach aufzulösende innere Widersprüche stoßen. Und genau da beginnt das rätselhafte Universum der Paradoxa, über alle Wissenschaftsdisziplinen hinweg.
Molekularbiologe Ludwig Dersch im Labor
25. Februar, 2026
Günstig, leicht, sensibel: Das Sensorsystem LUCY ist dem menschlichen Gehör haushoch überlegen. Befestigt an Drohnen detektiert es Hilfeschreie von Verschütteten und kann so dabei helfen, Leben zu retten. Entwickelt hat das System die Forschungsgruppe von Dr. Marc Oispuu am Fraunhofer-Institut FKIE in Wachtberg.
Optische Illusion mit vielen Rechtecken, die sich kreisförmig verdichten
17. Februar, 2026
Zauberei und Magie haben die Menschen schon seit jeher fasziniert und in eine andere Welt mitgenommen – ganz besonders auch deshalb, weil die Gesetze der Physik anscheinend mühelos außer Kraft gesetzt werden können.
Insektenhotel aus Holz mit mehreren Etagen an einem Wegesrand
11. Februar, 2026
Die Artenvielfalt schwindet und entsprechende Schutzmaßnahmen werden immer wichtiger. Am Beispiel eines Insektenhotels können Schüler:innen der Klassenstufen 3 bis 6 aller Bildungsgänge Biodiversität mathematisch erkunden und an der eigenen Schule oder zu Hause aktiv werden.

Vielen Dank, dass Sie sich für den MINT Zirkel interessieren. Registrieren Sie sich jetzt, um Zugriff auf alle Zusatzmaterialien zu erhalten oder melden Sie sich mit Ihren bestehenden Zugangsdaten zu Ihrem “Mein MINT Zirkel-Account“ an.