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Klimawandel im Spannungsfeld zwischen Bewahr- und Katastrophenpädagogik

Schon längst ist der Klimawandel kein politisches oder gesellschaftliches Randthema mehr. Die Klimaveränderungen sowie die damit verbundenen Auswirkungen auf Natur und Mensch betreffen uns alle. Hinzu kommt, dass vor allem die nachfolgenden Generationen mit den Folgen der globalen Erderwärmung umgehen und leben lernen müssen. Dafür ist es wichtig, dass schon Kinder verstehen, wie diese Veränderungen entstehen, welche Lebensgrundlagen dadurch bedroht sind und wie sie aktiv eine lebenswerte Zukunft für alle gestalten können.

Ein Beitrag von Prof. Dr. Leena Bröll und Dr. Aline Haustein

Zunächst ist es entscheidend, den Unterschied zwischen den Veränderungen des Klimas auf der Erde und lokalen Wetterphänomenen zu kennen. Laut World Meteorological Organization (WMO) ist der Mittelwert unterschiedlicher meteorologischer Kenngrößen (u. a. Lufttemperatur, Luftdruck, Niederschlag) über einen Zeitraum von 30 Jahren dafür maßgeblich, wie das Klima an einem bestimmten Ort definiert wird (WMO 2025). Dabei sind vereinzelt auftretende Wetterphänomene wie Hitzeperioden, Überschwemmungen oder sehr kalte Winter noch keine Belege für eine Veränderung des Klimas. Statt natürlicher Schwankungen sind die Jahresmittelwerte der Wettergrößen und deren Entwicklung über drei Jahrzehnte entscheidend (Latif 2012). 

Klimawandel durch Temperaturanstieg

Die Prozesse, die zu einer Veränderung des Klimas führen, sind komplex. Klimamodelle berechnen auf Grundlage unterschiedlicher Komponenten wie der Zusammensetzung der Erdatmosphäre, der Entwicklung der Landoberfläche, der Temperatur der Ozeane oder der vorhandenen Eisschilde und dem Meereis das zukünftige Klima auf der Erde (Schmidt et al. 2017). Klimaforschende weltweit sind sich einig, dass sich die Erdatmosphäre, Landflächen und auch die Ozeane aufgrund anthropogener Einflüsse erwärmt haben und auch weiterhin werden. Einen großen Anteil daran haben die durch menschliche Aktivitäten freigesetzten Treibhausgase, insbesondere der Anstieg der Kohlenstoffdioxid-(CO2-)Emissionen seit der Industrialisierung. 

Dabei sind Treibhausgase mit dafür verantwortlich, dass auf der Erde in Bodennähe Temperaturen herrschen, die Leben erst ermöglichen. Sie halten die Strahlungsenergie der Sonne, die teilweise als langwellige Wärmestrahlung von der Erdoberfläche zurück in den Weltraum reflektiert wird, in der Atmosphäre zurück und emittieren sie anschließend auch wieder in Richtung Erdoberfläche (Schmidt et al. 2017). Folglich sorgt ein Anstieg ebendieser Treibhausgase (CO2, Methan, Lachgas) für eine Erhöhung der globalen Temperaturen (s. auch die folgende Abbildung). Hinzu kommen Rückkopplungsprozesse, die eine weitere Erwärmung an der Erdoberfläche begünstigen. Ein Beispiel ist die Eis-Albedo-Rückkopplung. Wenn Eis schmilzt, wird die darunterliegende dunklere Oberfläche (Land oder Wasser) freigelegt, was zu einer geringeren Albedo und damit zu einer weiteren Erwärmung führt. Tauende Permafrostböden führen dazu, dass das in ihnen gespeicherte CO2 und Methan freigesetzt werden (Schmidt et al. 2017).

Diagramm, das unter anderem den Anstieg der jährlichen Tagesmitteltemperatur in Deutschland zeigt
Entwicklung der Tagesmitteltemperatur in Deutschland und der weltweiten atmosphärischen CO2-Konzentrationen | © DWD, WMO WDCGG, Umweltbundesamt

Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) schätzt den Anstieg des Meeresspiegels aufgrund des abschmelzenden Festlandeises bis zum Jahr 2100 um 60 bis 110 Zentimeter (IPCC 2019). Auch weitere Folgen sind bereits jetzt sichtbar. Extremwetterereignisse nehmen zu, lange Hitzeperioden, Dürren und Waldbrände oder starke Niederschläge und Überschwemmungen gefährden die Ökosysteme, aber auch uns Menschen. Schon heute „lösen Naturkatastrophen mehr als dreimal so viele Vertreibungen aus wie Konflikte und Gewalt. Laut UNHCR wurden in den letzten 10 Jahren 220 Millionen Menschen durch klimabedingte Katastrophen zur Flucht innerhalb der Landesgrenzen gezwungen. 2024 verließen rund 45,8 Millionen Menschen ihre Heimat aufgrund von Katastrophen und klimabedingten Ereignissen wie Dauerregen, langanhaltenden Dürren, Hitzewellen und Stürmen sowohl kurz- als auch langfristig – das ist fast doppelt so hoch wie der Jahresdurchschnitt der letzten 10 Jahre“ (UNO-Flüchtlingshilfe o. J.).

Unterrichtsmaterial

Erläuterungen, Anregungen, Beispiele und weiterführendes Material zum Thema Klimawandel finden Sie über diese TaskCards:

Der Klimawandel in der kindlichen Lebenswelt

Der Klimawandel ist nach Krieg das Thema, welches Kindern und Jugendlichen mit Blick auf ihre Zukunft am meisten Sorgen bereitet (SINUS-Institut 2023). Dabei haben Lernende unterschiedliche Vorstellungen von den Ursachen und Folgewirkungen des Klimawandels. Bereits jüngeren Kindern der dritten/vierten Klasse ist bekannt, dass CO2 im Zusammenhang mit dem Klimawandel steht; sie nennen anthropogene Ausstoßquellen wie Verkehr und Industrie und kennen auch ökologische Folgen (z. B. Erderwärmung, Tiersterben).  

Gleichzeitig führt fast jedes fünfte Kind den Klimawandel auf Probleme der Umweltverschmutzung zurück (Schramm 2023). Entsprechend formulieren sie Handlungsmöglichkeiten, die eine Veränderung in der Mobilität vorsehen (z. B. „mehr Fahrrad fahren oder laufen“, ebd. S. 56) oder auch die Abfallentsorgung oder Mülltrennung betreffen. Daraus lassen sich Schlussfolgerungen für den Unterricht ableiten. Da auch Jugendliche die Begriffe Plastik oder Verschmutzung mit dem Klimawandel assoziieren (Huber 2024), ist es wichtig, zunächst eine Differenzierung zwischen Ursachen und Folgen des Klimawandels und Umweltproblemen im Allgemeinen (z. B. Umweltverschmutzung durch Plastik) vorzunehmen. Außerdem sollte der Zusammenhang zwischen Konsum und Klimawandel aufgegriffen werden, da verschiedene Quellen für den Eintrag anthropogener Treibhausgase in die Atmosphäre verantwortlich sind. 

Ein weiteres Fehlkonzept betrifft die Vermutung, dass der Meeresspiegel steigt, wenn ein Eisberg im Meer schmilzt (Schramm 2023). In Versuchen sollte darauf eingegangen werden, dass das Meereis keinen bzw. einen vernachlässigbaren Volumeneffekt auf den Anstieg des Meeresspiegels hat und stattdessen das Abschmelzen der Kryosphäre (Polkappen, Gletscher usw.) dafür verantwortlich ist.

Mädchen sitzt hinter einer mit Spielzeug gefüllten Kiste, auf der "Donation", also "Spende" steht
Im Unterricht können Kinder Handlungsmöglichkeiten wie eine Spielzeugtauschbörse formulieren, um den eigenen Konsum nachhaltiger zu gestalten | © Freepik

Download der Quellen

Die Quellen zum Beitrag stehen Ihnen hier zum Download zur Verfügung:

Klimaangst bei Kindern und Jugendlichen aufgreifen

Pappschild mit einer farbigen Zeichnung einer brennenden Erde
Es ist wichtig, Lernenden die Möglichkeit zu geben, sich an Transformationsprozessen zu beteiligen | © Freepik

Der Klimawandel verändert nicht nur die Ökosysteme, er hat auch soziale oder ökonomische Auswirkungen. Diese können auf Kinder bedrohlich wirken und negative Emotionen hervorrufen, mit denen im Unterricht sensibel umgegangen werden muss. Unter Climate Anxiety (übersetzt mit „Klimaangst“) werden diese negativen Gefühle wie Sorge, Trauer, Anspannung oder sogar Wut im Zusammenhang mit der Beschäftigung mit der Klimakrise beschrieben. In einer weltweiten Befragung Jugendlicher und junger Erwachsener geben mehr als die Hälfte der Befragten diese Emotionen an, 75 Prozent halten die Zukunft für beängstigend (Hickman et al. 2021).

Um mit diesen Ängsten und Herausforderungen umzugehen, ist es wichtig, positive Zugänge zu schaffen und Lernenden die Möglichkeit zu geben, sich an Transformationsprozessen zu beteiligen, etwa indem Schulen nachhaltige Lernorte werden, deren Strukturen und Rahmenbedingungen nachhaltiges Handeln ermöglichen, an denen ernst gemeinte Partizipation stattfindet, wo die eigene Handlungsfähigkeit wahrgenommen werden kann und Maßnahmen tatsächlich auch etwas bewirken (Lemke et al. 2024). Hinzu kommt, dass es wichtig ist, nicht nur das individuelle Verhalten zu thematisieren und der oder dem Einzelnen Klimaverantwortung zuzuschreiben, sondern stattdessen das Verständnis für gesellschaftliche, politische und strukturelle Zusammenhänge zu stärken. Schüler:innen sollten erkennen, dass sie sich aktiv in die Gestaltung und Veränderung dieser Strukturen einbringen können, um nachhaltige Entwicklungen auf kollektiver Ebene zu unterstützen (Heitfeld & Reif 2020).

Der Klimawandel im Unterricht

Im unterrichtlichen Kontext ist es wichtig, zum einen Begrifflichkeiten zu klären und Fakten didaktisch reduziert den Kindern zu vermitteln, gleichzeitig ist es aber auch wichtig, die Emotionen der Kinder aufzugreifen und ihnen die Möglichkeit zu geben, über ihre Sorgen und Ängste zu sprechen. Partizipation und Selbstwirksamkeit erfahren die Schüler:innen, wenn gemeinsam Strategien entwickelt werden, wie lokal mit dem Thema Klimawandel umgegangen werden kann.

Wesentliche Inhalte könnten sein:

  • Begriffsklärung und Differenzierung: Unterschied Klima und Wetter; Veränderungen der durchschnittlichen Jahrestemperatur in Deutschland/Europa seit Beginn der Industrialisierung
  • natürlicher und anthropogener Treibhauseffekt, Rückkopplungsprozesse
  • Emissionen, Ressourcenverbrauch und ökologischer Fußabdruck, Erdüberlastungstag, Emissionsquellen und Eintrag von Treibhausgasen (z. B. CO2)
  • Auswirkungen des Klimawandels: Bildkarten als Gesprächsimpuls
  • Umgang mit Emotionen: Gefühlstagebuch, Emotionen nachspüren und benennen
  • Lösungsstrategien und Ideen: gemeinsam ins Handeln kommen, SMARTe Ziele formulieren, lokale, kollektive Handlungsmöglichkeiten, Klimachallenge

© Headerbild | Freepik/prostooleh

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