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Waldglück – einfach rausgehen und lernen

Draußen zu lernen heißt, die Natur mit allen Sinnen zu erleben. Eine Waldtour bietet Schulklassen unzählige Gelegenheiten zum Entdecken, Staunen und gemeinsamen Erforschen. Die jungen Waldforscher:innen können den Wald frei erkunden, ihre Beobachtungen teilen, gefundene Waldschätze zeigen und über spannende Waldphänomene diskutieren. Es ist ein Lernen, das verbindet und neugierig macht. Wie so ein Ausflug ins Waldglück aussehen kann, zeigt dieser Beitrag.

Ein Beitrag von Rainer Schall

Die Freude am eigenen Entdecken steht bei unserem Ausflug in den Wald im Vordergrund. Dennoch kann es hilfreich sein, den Schüler:innen noch ein paar Tipps mit auf den Weg zu geben, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richten dürfen. Arbeitsaufträge können dabei natürlich helfen, ein Thema ausführlich zu erforschen.

Wege zu einer persönlichen Naturverbundenheit

Kinder und Jugendliche erhalten heutzutage durch diverse Medien überwiegend abschreckende Informationen, insbesondere Nachrichten über Klimaerwärmung und Umweltzerstörung. Diese Tatsachen legen kein gutes Zeugnis ab, wie der Mensch zur Natur in Verbindung steht. Dadurch kann der Eindruck entstehen, dass sich der Mensch zunehmend von einem harmonischen Naturverständnis entfernt. Dabei ist der Naturschutzgedanke wichtiger als je zuvor, denn: Nur, was wir kennen, lieben wir, und was wir lieben, schützen wir!

Deshalb ist ein Ansatz in der Waldpädagogik, neben der Aufklärung über die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die Waldökologie, neue Zugänge zum positiven Naturverständnis zu schaffen. Die Natur soll für Kinder als Lebensraum wieder persönlich begreifbar und erfahrbar werden, die Geheimnisse im Wald wollen entdeckt und Glückserfahrungen gemacht werden. Nur so kann eine neue Verbindung zur Natur entwickelt und Erfahrungen hergestellt werden, die nicht über Bücher, Filme oder andere Medien vermittelbar sind. Also los geht’s! Schnüren wir die Wanderschuhe, packen in unseren Rucksack ein Getränk und ein Vesperbrot und dann kann das Abenteuer Waldexkursion auch schon losgehen.

Waldpädagogische Spiele abseits der Wege

Zwei Hände halten einen Bilderrahmen über einem Stück Moos
Das Spiel „Fotoklick“ richtet den Fokus aufs Detail | Rainer Schall

Bereits links und rechts der Waldwege lassen sich viele interessante Phänomene finden. In ausgewählten Waldstücken, möglichst nach Absprache mit dem Forstamt oder zuständigen Förster:innen, sind auch mal „querwaldein“ Exkursionen oder Waldspiele möglich, die eine Waldtour noch spannender werden lassen – natürlich immer unter Rücksicht und Respekt vor den Wildtieren und Pflanzen des Waldes.

Es gibt waldpädagogische Spiele, die Schüler:innen darin unterstützen können, mit allen Sinnen den Wald zu erfahren, etwa Übungen mit verbundenen Augen, bei denen Tast- oder Gehörsinn geschärft werden (z. B. Baumtasten und Gehörkreis). 

Manchmal sind es gerade die kleinen Naturschönheiten, die es zu entdecken gilt, die mit wenigen Mitteln und mit geringem Aufwand bleibende Erinnerungen an die Waldexkursion erfahren lassen (z. B. Fotoklick).

Chancen und Schätze einer Walderkundung

Die Erkundung der schulnahen Wälder ist für die Schüler:innen besonders wertvoll, da sie zum einen ein Stück ihrer Heimat besser kennenlernen und ein tieferes Verständnis für ihre Umwelt erlangen, zum anderen jederzeit wieder auf eigene Faust mit Freund:innen oder Eltern den Wald besuchen und an die Entdeckungen anknüpfen können: Da wurde vielleicht ein Fuchs- oder Dachsbau entdeckt, es wurden Knochen, Federn und Fährten gefunden. Diese tollen Waldschätze aufzugreifen, bietet während der Walderkundung eine wunderbare Möglichkeit, lebendiges Waldwissen zu vermitteln.

Neben den spannenden Informationen über die Wildtiere gibt es auch über die Bäume vieles zu berichten. 

Autor Rainer Schall erklärt Kindern draußen etwas zum Thema Wald und Natur
Die freie Natur ist ein idealer außerschulischer Lernort | © Rainer Schall

Die verschiedenen Baumarten haben ihre unterschiedlichen Funktionen und Aufgaben im Waldsystem. Allein schon über die Eiche gibt es Dutzende von Erzählungen, Märchen und Mythen. Nicht zu vergessen die Wildkräuter am Wegesrand: Sie können sowohl Nahrung als auch Heilpflanzen sein und liefern eine unendliche Fülle an interessanten Geschichten.

Hier geht’s zu den Naturkursen

Mehr Inspiration und die Möglichkeit, spannende Naturkurse, eintägige Fortbildungen in Waldpädagogik sowie Weiterbildungsangebote bei Rainer Schall zu buchen, gibt es hier:

Unterstützende digitale Medien und Apps

Schritt für Schritt tauchen wir immer tiefer in die Geheimnisse der Natur ein und lernen bei jeder Waldtour viel Neues über die Pflanzen und Tiere kennen. Nach wie vor werden Informationspapiere und Bücher zu einem Thema als wichtige Nachschlagewerke eingesetzt. Zusätzlich können auch digitale Medien und ausgewählte Apps praktische Hilfen bei der Pflanzen- und Tierbestimmung sein.

Gute Erfahrungen habe ich etwa mit der App „Flora Incognita“ zur Pflanzenbestimmung gemacht. Zum Kennenlernen der Vogelstimmen kann die App „Merlin“ gute Dienste leisten. Allgemeine Naturbeobachtungen von Pflanzen, Insekten usw. können beispielsweise mit der App „ObsIdentify“ begleitet werden. Für die Pilzbestimmung kann ich leider noch keine App empfehlen, die Ergebnisse sind oftmals falsch.

Buch
Tipp

Cover des Buches "Waldglück" von Rainer Schall

Waldglück

Auf Entdeckungstour: Tiere und Pflanzen im Wald.
In Action: Spiele und Experimente zum Mitmachen.
Fantasie: Märchen und Mythen rund um den Wald

Rainer Schall: WaldglückKosmos Verlag, 128 S., 16 Euro, 2024

Walderlebnisse im Kreislauf der Jahreszeiten

Jede Jahreszeit bietet ihren unvergleichlichen Reiz, die Natur zu entdecken. Hier bietet das Buch Waldglück konkrete Vorschläge: Der Frühling lockt mit seinen ersten warmen Tagen und die Tier- und Pflanzenwelt erwacht aus ihrer Winterruhe. Es gilt, die ersten Frühlingsboten wie Zitronenfalter und Erdhummel zu entdecken. Im Pflanzenreich erscheinen Frühblüher wie Schlüsselblume und Waldanemone mit ihren zarten Blüten. Viele Vogelarten kehren zurück aus ihrem Winterquartier und steigen unverzüglich in das bestehende Vogelkonzert mit ein.

Im Sommer riecht die warme Waldluft besonders würzig und lädt zum Verweilen und zu gemeinsamen Waldspielen ein. Alle Bäume sind nun in grüne Blätter gekleidet, was die Baumkunde sehr erleichtert.

Den Jahreszeitenwechsel beobachten wir im Herbst besonders intensiv, wenn sich die Blätter bunt färben.

Ein Kind betrachtet Insekten mit einer Lupe
Mit einer Lupe lassen sich gefundene Schätze von Nahem erkunden | © Rainer Schall

Pilze erscheinen oftmals über Nacht am Waldboden und die Zugvögel sammeln sich in Schwärmen und wollen ihre Reise in den Süden antreten.

Die Winterzeit hat ihren eigenen Charme, besonders bei Schneefall oder schneebedeckter Landschaft. Dann lassen sich Tierspuren im frischen Schnee leichter entdecken und sie verraten, welche Wildtiere im Wald unterwegs waren.

So wird jeder Ausflug in die Natur zu einer Einladung, Wissen lebendig werden zu lassen. Denn am Ende gilt: Der Wald ist das größte Klassenzimmer – man muss nur rausgehen.

Porträtfoto des Autors Rainer Schall

Rainer Schall

ist Gründer und Leiter einer Natur- und Wildnis-Schule im Allgäu mit den Schwerpunkten Wildkräuterkunde, Pilzführungen und Survival-Kurse und arbeitete viele Jahre als selbstständiger Natur- und Waldpädagoge. In den letzten Jahren war er außerdem am Kreisforstamt in Biberach als Waldpädagoge tätig.

© Headerbild | Rainer Schall; © Autorenporträt | privat

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