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Fake-O-Mat – interaktives Rollenspiel zum Umgang mit Verschwörungsideologien

Der weitverbreitete Mythos, Bildungseinrichtungen seien politikfreie Räume, entspringt der Annahme, politische Themen seien für Schüler:innen zu komplex. Diese Vorstellung ignoriert jedoch die Realität, denn das Leben der Kinder und Jugendlichen ist keineswegs unpolitisch. Sie sind nicht nur direkt von politischen Entscheidungen betroffen, sondern werden auch ständig mit gesellschaftlichen und historischen Themen konfrontiert, ohne diese immer als solche zu erkennen.

Ein Beitrag von Florian Knobelspies und Carolin Juler

Von Geburt an werden Menschen durch Geschlechterrollen, kulturelle Hintergründe und soziale Ungleichheiten politisiert. Sie erleben Diskriminierung, Armut oder Gewalt und werden durch die Werte ihrer Familien geprägt. Trotz dieser Realität zeigt sich, dass politische Bildung oft vernachlässigt wird. Beispiele hierfür sind eine Kita, die den Namen Anne Frank entfernen will (Meisner 2023), Schüler, die den Hitlergruß im ehemaligen NS-Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zeigen (MDR 2023), und Lehrkräfte, die für ihre Aufklärungsarbeit schikaniert werden (Zimmermann 2023).

Herausforderung Verschwörungserzählungen

Kinder mit Büchern auf dem Schoß und Handy in der Hand sitzen auf dem Boden
Social Media verstärken die Tendenz, dass Jugendliche anfälliger für Fake News sind | © zinkevych/Freepik

Eine Studie des Bildungsvereins Parcours e. V. aus dem Jahr 2022 verdeutlicht, dass viele Kinder zwar den Begriff „Nazi“ kennen, aber nur wenige ihn wirklich verstehen. Neben dem Umgang mit dem Nationalsozialismus stellt auch das Vorgehen bei Verschwörungserzählungen und Radikalisierungstendenzen eine Herausforderung für Lehrkräfte, Pädagog:innen und Schüler:innen dar (Bildungsverein Parcours e. V. 2022, S. 19 f.).

Gerade Jugendliche befinden sich in einer Phase der Identitätsfindung, in der Denken auf der Metaebene und Prozesse der Selbstreflexion stark ansteigen. Das macht sie anfällig für Verschwörungserzählungen. Social Media und ein gesellschaftliches Misstrauen gegenüber der Regierung, wie es der Sachsen-Monitor (Institut für Markt- und Politikforschung GmbH 2023) aufzeigt, verstärken diese Tendenzen.

Folgen fehlender politischer Bildung

Die Folgen können gravierend sein:

  • Verlust des Vertrauens in demokratische Institutionen: Jugendliche übernehmen das Misstrauen gegenüber der Regierung und verlieren den Glauben an die Demokratie.
  • Schwierigkeiten bei der Informationsbewertung: Der Glaube an Verschwörungserzählungen erschwert es, zwischen verlässlichen und unzuverlässigen Informationen zu unterscheiden und Medienkompetenz zu entwickeln.
  • Angst und Unsicherheit: Die Angst vor „dahinterstehenden Mächten“ erzeugt ein Gefühl der Ohnmacht und Unsicherheit.
  • Gefahr der Isolation und Radikalisierung: Jugendliche suchen Anschluss in Gruppen, die ihre Ansichten teilen, und isolieren sich von Andersdenkenden. Dies kann zu Radikalisierung und extremistischen Tendenzen führen.

Um diesen Gefahren entgegenzuwirken und kritisches Denken, Medienkompetenz und demokratische Werte zu stärken, ist es unerlässlich, frühzeitig politische Bildung zu fördern. Eine Voraussetzung dafür ist, den Wahrheitsgehalt von Erzählungen zu erkennen und zu reflektieren.

Spiel Fake-O-Mat

Hier kommt der „Fake-O-Mat“ ins Spiel. Er richtet sich an Jugendliche ab 13 Jahren. Ziel des Spiels ist es, auf interaktive und unterhaltsame Weise zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, zwischen wahren und falschen Informationen zu unterscheiden. Die Spieler:innen schlüpfen in verschiedene Rollen und müssen in jeder Runde entscheiden, ob eine präsentierte Nachricht wahr oder falsch ist. Ein QR-Code gibt dabei die Lösung vor. Wenn die Spieler:innen die richtige Entscheidung treffen, bleibt ihre Spielfigur auf einer hohen demokratischen Ebene. Liegen sie falsch, verlieren sie einige demokratische Rechte, was symbolisch für die Gefahren von Desinformation und deren Auswirkungen auf demokratische Strukturen steht. Unabhängig vom Spielergebnis geht es darum, zu erkennen, wie leicht Falschinformationen demokratische Rechte und Freiheiten bedrohen können.

Ein besonderes Highlight des Spiels ist, dass es Diskussionen innerhalb der Gruppe fördert. Die Spieler:innen überlegen gemeinsam, ob eine Nachricht wahr sein könnte, und tauschen sich darüber aus, welche Auswirkungen dies auf die Gesellschaft haben könnte. Auf diese Weise stärkt das Spiel nicht nur das kritische Denken, sondern auch die Fähigkeit, zuzuhören und unterschiedliche Meinungen zu diskutieren – beides wesentliche Bestandteile einer funktionierenden Demokratie.

Hier geht’s zum Spiel

Der „Fake-O-Mat“ ist im Rahmen des Projektes ERZählungen – gestern, heute, morgen des Vereins Resonanzraum Erzgebirge e. V. entstanden. Das Spiel inklusive Anleitung, QR-Codes und pädagogischem Begleitmaterial können Sie hier kostenlos herunterladen:

Blick ins Spiel

Ausschnitt aus dem Spiel "Fake-O-Mat"
Das von Mia Constantino designte Spiel „Fake-O-Mat“ fördert politische Diskussionen zwischen Schüler:innen | © Mia Constantino

Die Spielerin mit der Rollenkarte „Handwerkerin“ hat ihre Infokarte bereits der Gruppe vorgestellt. Nun scannt sie ihren ersten QR-Code und muss die Nachricht „Eisbär- und Walpopulationen haben sich in den letzten Jahren erholt“ beurteilen. Sie entscheidet sich dafür, dass die Aussage in dem Artikel falsch ist, und dreht die Karte mit dem QR-Code um. Sie hat recht. Der Artikel beinhaltet Fake News und die Handwerkerin bleibt diese Runde in ihrem Level.

Nachdem alle anderen an der Reihe waren, darf die Handwerkerin die nächste Nachricht beurteilen. Diesmal lautet die Überschrift „Junge darf nicht mit Vornamen ‚Waldmeister‘ heißen“. Sie glaubt wieder, dass es Fake News sind. Diesmal jedoch liegt sie daneben. Der Artikel sagt die Wahrheit und die Handwerkerin wandert in der demokratischen Ebene ein Level nach unten.

Das Spiel „Fake-O-Mat“ eignet sich nicht nur für Jugendliche, sondern auch für den Einsatz in Schulen, Jugendgruppen oder politischen Workshops. Es bietet eine unterhaltsame und lehrreiche Möglichkeit, jungen Menschen den Umgang mit Informationen beizubringen und sie für die Gefahren von Desinformation zu sensibilisieren.

Quellen

Bildungsverein Parcours e.V. (Hrsg.) (2022). Was geht mich das an? Eine Handreichung zu politisch-historischer Bildung in der Grundschule.

Institut für Markt- und Politikforschung GmbH (2024). Ergebnisbericht Sachsen-Monitor 2023.

RedaktionsNetzwerk Deutschland (2023). Staatsschutz ermittelt. Sächsische Schüler zeigen Hitlergruß bei Bildungsreise nach Auschwitz.

Meisner, M. (2024). Kita will Namen „Anne Frank” ablegen. Getilgtes Gedenken. taz.

Zimmermann, K. (2023): Lehrer verlassen nach rechtsextremen Anfeindungen Brandenburger Schule. Die Zeit.

Porträt der Autorin Carolin Juler

Carolin Juler

studierte in Chemnitz Politikwissenschaft, arbeitete zwischen 2023 und 2024 in der Co-Projektleitung im Trägerprojekt sowie als freiberuflich als Bildungsreferentin. Ihre Schwerpunkte liegen bei der politischen Bildung und den Themen Verschwörungserzählungen, Demokratiebildung, NSU-Komplex und Kommunalpolitik.

Porträt des Autors Florian Knobelspies

Florian Knobelspies

ist Wirtschaftspsychologe (B.Sc.) und Medien- und Instruktionspsychologe (M.Sc.) aus Köln. Er ist selbstständiger Bildungsreferent mit dem Schwerpunkt politische Bildung und Fake News. Im Moment arbeitet er als Digital Consultant und Trainer.

Headerbild | © Freepik

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