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„Odyssee zum Kurstreffen“ – abwechslungsreicher Unterricht mit EduQuests

Wer kennt das nicht: Das Schuljahr neigt sich dem Ende entgegen, Notenkonferenzen werden abgehalten, vielleicht steht eine Projektwoche an, Ausflugstage zum Abschluss werden geplant. Die Schülerschaft ist gedanklich schon in den Sommerferien, normaler Unterricht findet eigentlich kaum noch statt. Um in dieser Phase des auslaufenden Schuljahres doch noch etwas Schüleraktivierung in die Klassen zu bekommen und auch ein wenig die Lerninhalte des vergangenen Schuljahres zu wiederholen, hatte ich mir für das Ende des Schuljahres 2023/24 etwas ausgedacht: ein EduQuest zum Schuljahresabschluss.

Ein Beitrag von Fabian Bendlow

Zunächst einmal gilt es, kurz die Frage zu klären, was eigentlich ein EduQuest ist. Das Konzept EduQuest verbindet fachbezogenes Lernen (Education) mit zielorientiertem Storytelling (Quest). In einem EduQuest begeben sich die Schüler:innen auf eine Suche oder Mission, um einen bestimmten Auftrag zu erfüllen. Hierfür müssen sie Fachkompetenzen unter Beweis stellen. Dabei kann es sich um Fachwissen oder auch methodische Kompetenzen handeln, je nach Mission des EduQuests. Angeeignetes Fachwissen wird spielerisch zum Beispiel über Rätsel und Lernquizze überprüft. Durch das Lösen der einzelnen Aufgaben erhalten die Schüler:innen neue Informationen und Hinweise und entwickeln so schrittweise die Story des EduQuests weiter. Die Rahmenstory beinhaltet dabei stets Aspekte mit Bezug zur Schul- und Lebenswelt der Schüler:innen.

Didaktische Überlegungen

Das hier vorgestellte EduQuest wurde für die Anwendung am Ende eines Schuljahres für den Chemieunterricht in der Sekundarstufe I konzipiert. Die abgefragten Fachkompetenzen waren zentrale Lerninhalte der jeweiligen Jahrgangsstufen. Bei der Idee, ein EduQuest als spielerische Wiederholung zu konzipieren, ließ ich mich von dem Escape-Room „Besser mit Mathe“ von Martina Hagemann inspirieren. Darin sollen die Schüler:innen Aufgaben zu den zentralen Fachinhalten des Schuljahres meistern, um sich schrittweise durch die „Level“ des Escape-Rooms zu spielen. Ich finde die Idee großartig und wollte sie schon lange auch umsetzen. Nun war es endlich so weit.

Am Anfang der Konzeption des EduQuests standen drei didaktische Überlegungen: Lerninhalte, Lernumgebung und Rahmenstory. Eine zentrale Absicht war es, das methodische Gerüst des EduQuests möglichst allgemein zu gestalten. Wenn ich den Aufbau clever planen würde, könnte ich die digitale Lernumgebung für mehrere Kurse einsetzen und müsste dann nur die Fachinhalte austauschen – so meine Überlegung.

Screenshot des EduQuests mit einer Aufgabe
Lernquiz, bei dem die Schüler:innen Paare bilden sollen | © Fabian Bendlow

Download

Die Planungsübersicht inkl. der Lösungen zu den Aufgaben stehen Ihnen hier zum Download zur Verfügung:

Schritt 1: Bestandsaufnahme der Lerninhalte

Der erste Schritt war eine Bestandsaufnahme der wesentlichen Lerninhalte des Schuljahres. Dabei beschränkte ich mich auf die in meinen Augen wirklich wesentlichen Kernthemen des Lehrplanes. Um bei der Konzeption den Überblick zu behalten, erstellte ich mir eine Übersicht zu den Themen der jeweiligen Stufe und wo ich diese im EduQuest einbauen wollte. Hier waren zum Beispiel Fachinhalte wie Sicherheit im Chemieraum, Stoffeigenschaften oder das Teilchenmodell vermerkt und mit welchen Aufgaben ich diese abfragen wollte.

Schritt 2: Konzeption der Lernumgebung

Da die Schüler:innen an unserer Schule über Tablets verfügen, wollte ich eine digitale Lernumgebung. Über diese wollte ich sowohl die Rahmenstory als auch die Fachaufgaben bereitstellen. Gleichzeitig sollte der spielerische Charakter eines EduQuests unterstützt werden, indem Quizze und Passwörter integriert werden konnten. Am Ende entschied ich mich für die Plattform Genially. Das gesamte EduQuest wurde mit der kostenfreien Basisversion der App gestaltet. Den Schüler:innen war die Navigation in Genially aus dem Fachunterricht bekannt. So musste nur der Zugangslink geteilt werden und es konnte losgehen. Ein Tutorial für dieses EduQuest war direkt zu Beginn in die Lernumgebung eingebaut.

Schritt 3: Entwicklung der Rahmenstory

Nachdem die Frage der digitalen Gestaltung geklärt war, ging es an die Entwicklung der Rahmenstory. Als passendes Event zum Schuljahresabschluss wählte ich ein Kurstreffen. Auftakt für die Story war eine Nachricht der Fachlehrerin Frau Frings, in der sie die Schüler:innen ihres Kurses über ein anstehendes Kurstreffen zum Abschluss des Schuljahres informiert. Datum und Zielort des Kurstreffens teilte die Lehrerin jedoch noch nicht mit. Beides herauszufinden, war im EduQuest die Aufgabe der Schüler:innen. Für die unterschiedlichen Jahrgangsstufen blieb die Rahmengeschichte des EduQuests gleich; lediglich die Lerninhalte unterschieden sich. Durch diesen modularen Aufbau fiel es mir leicht, mit relativ wenig Aufwand das EduQuest an mehrere Klassen anzupassen.

Gestaltung des EduQuests

Screenshot eines WhatsApp-Texts
Die Schüler:innen erhielten unter anderem über Social-Media-Nachrichten Anweisungen | © Fabian Bendlow

Die Odyssee zum Kurstreffen sollte in Etappen ablaufen, wobei jede Etappe eine bestimmte Station entlang der Route zum Ziel hatte. An jeder Station mussten die Schüler:innen eine Aufgabe zu einem zentralen Thema des Lehrplanes absolvieren. Die Aufgaben beinhalteten die Zuweisung von Fachbegriffen, Wahr/Falsch-Aussagen, Lückentexte, Multiple-Choice-Fragen und Lernquizze. Nach erfolgreichem Abschluss gab es den Hinweis oder Code zum nächsten Kapitel und die Reise konnte weitergehen. Dank der Gestaltung der digitalen Lernumgebung mit Genially konnten leicht digitale Schlösser eingebaut werden, durch die die Schüler:innen Passwörter und Codes erst freispielen mussten, bevor sie die nächste Etappe der Reise antreten konnten. So wurde gewährleistet, dass die einzelnen Kapitel linear nacheinander absolviert wurden. Über eine Roadmap in der Lernumgebung konnten die Schüler:innen gezielt einzelne Kapitel des EduQuests anwählen.

Startpunkt der Odyssee war natürlich die eigene Schule. Die folgende Reiseroute sollte für die Schüler:innen einen Wiedererkennungswert haben. Alle Stationen auf der digitalen Reise zum Kurstreffen existieren tatsächlich und waren den Schüler:innen aus ihrem Alltag bekannt (Schulhof, Einkaufszentrum, Universität Bonn, Busbahnhof, Rheinaue).

Um die Rahmenstory des EduQuests noch besser hervorzuheben und das Erlebnis für die Schüler:innen immersiv zu gestalten, wurden verschiedene Medien in die Lernumgebung eingebaut. So erhielten die Schüler:innen über Social-Media-Nachrichten Anweisungen, in einem Videoauftritt von Frau Frings gab es einen Hinweis auf deren Lieblingssüßigkeit und in einer Audionachricht vom Eisverkäufer im Einkaufszentrum verbarg sich ein Farbcode.

Es sollte also eine abenteuerliche Irrfahrt mit Hindernissen werden. Von diesem Motiv stammte letztendlich auch der Name „Odyssee zum Kurstreffen“. Obwohl ich das EduQuest in den Fächern Biologie und Chemie einsetzte, ließ ich es mir nicht nehmen, im EduQuest kurz auf die Ursprünge dieses Mythos aus dem antiken Griechenland einzugehen.

Fazit

Ich konnte mit der Gestaltung und Durchführung dieses EduQuests ein seit vielen Jahren angedachtes Projekt endlich umsetzen. Meinen Schüler:innen hat das EduQuest sichtlich Spaß gemacht und der erfolgreiche Abschluss der vielfältigen Fachaufgaben zeigte, dass doch nicht alle Mühen, ihnen Fachkompetenzen zu vermitteln, vergebens waren. So konnte auch ich mit einem Schulterklopfen in die Sommerferien gehen. Durch den modularen Aufbau kann ich die Aufgaben zu den Lerninhalten zudem leicht austauschen und das EduQuest am Ende dieses Schuljahres für weitere Kurse einsetzen. 

Übrigens: Auch für meine eigene 10. Klasse stand am Ende des Schuljahres ein Ausflugstag an. Nachdem meine Klasse die „Odyssee zum Kurstreffen“ im EduQuest bereits virtuell durchgespielt hatte, war es nur sinnvoll, diese Reise nun auch real zu absolvieren.

Screenshot der Roadmap des EduQuests
Über die Roadmap lassen sich gezielt einzelne Kapitel des EduQuests anwählen | © Fabian Bendlow

So besuchten wir die Stationen aus dem EduQuest auch an unserem Ausflugstag. An jeder Station gab es dann kleine Gimmicks, die an die Inhalte des EduQuests erinnerten: Eis im Einkaufsmarkt, Haribo an der Universität Bonn und einen Kurzbesuch im Max-Planck-Institut. Ziel des Ausflugs war dann auch tatsächlich die Rheinaue in Bonn, wo wir ein schönes Klassenpicknick veranstalteten.

Screenshot des Covers des EduQuests

Hier geht’s zum EduQuest

Hier gelangen Sie zum EduQuest für die Siebtklässler:innen:

Das EduQuest für die Neuntklässler:innen finden Sie hier:

Linktipps

Über den folgenden Link gelangen Sie zum Mathe-Escape-Room von Martina Hagemann:

Hier kommen Sie zur App Genially:

Headerbild | © zinkevych/Freepik

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