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War früher alles besser? Ein Blick in die KI-Zukunft mit Trendforscher Matthias Horx

Kann die Zukunft uns verzaubern? Oft blicken wir mit gemischten Gefühlen auf das, was vor uns liegt. Doch Trend- und Zukunftsforscher wie Matthias Horx ermutigen uns, die Möglichkeiten von morgen nicht nur als mitunter Angst einflößende Herausforderung, sondern auch als vielversprechende Chance zu sehen. Sein Buch Der Zauber der Zukunft lädt dazu ein, sich mit einem positiven Blick auf Veränderungen einzulassen – ein Gedanke, der gerade für Lehrkräfte spannend ist. Doch wie können wir diese Perspektive auch in die Klassenzimmer bringen?

Ein Beitrag von Silke Panten

Als Kinder konnten wir die Zukunft kaum erwarten – wir wussten nämlich, dann würden wir endlich selbst entscheiden dürfen, dass Eis zum Frühstück durchaus als gesunde Mahlzeit durchgeht und dass fünf Stunden Zocken noch lange nicht zu viel sind. Aber mehr noch, wir waren uns sicher, in der Zukunft würden wir uns mit fliegenden Autos fortbewegen, uns von Robotern bedienen lassen und vielleicht sogar andere Planeten bevölkern. Kurzum: Wir stellten uns die Zukunft als das Nonplusultra vor. Im Alltag dagegen begegnen uns heute oft Aussagen wie „Früher war alles besser“. Sehen Kinder die Zukunft zu optimistisch?

Tatsächlich bestätigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmens YouGov in Kooperation mit dem SINUS-Institut, dass solche nostalgischen Gedanken alles andere als die Ausnahme sind. Immerhin 63 Prozent der Deutschen sagen, dass die Jugendzeit die schönste in ihrem Leben war. Unter den 60- bis 69-Jährigen sind es sogar 72 Prozent. Gleichzeitig sind sich 58 Prozent der Deutschen einig, dass heutige Jugendliche keine rosige Zukunft vor sich haben.

Herausforderungen Klimawandel, soziale Ungleichheit – und KI

Bild von Jugendlichen auf einem bunten Fußboden
Einer Studie zufolge empfinden viele Menschen ihre Jugendzeit als die schönste in ihrem Leben | © Freepik

Als größte von 18 abgefragten Herausforderungen, denen sich Teenager zukünftig stellen müssen, gelten laut 44 Prozent der Befragten ab 18 Jahren in Deutschland der Klimawandel und seine Folgen, gefolgt von bezahlbarem Wohnen (38 Prozent), Altersvorsorge (37 Prozent) und sozialer Ungleichheit (34 Prozent). Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) landete mit 16 Prozent der Stimmen etwa im Mittelfeld. Auch im Bereich „Schule der Zukunft“ spielt KI eine bedeutende Rolle. Und wahrscheinlich kennen wir alle dieses unbestimmte Gefühl im Bauch, wenn es um die Zukunft der KI geht – eine Mischung aus Euphorie, Neugier und Beklemmung. Die große Frage, die sich immer wieder stellt, ist: Wie gehen wir mit den Schattenseiten der Technik um?

Matthias Horx bedient in seinem Buch Der Zauber der Zukunft hierfür den vom Philosophen Hans Poser geschaffenen Begriff „Technodizee“ – eine Zusammensetzung aus „Technik“ und „Theodizee“. Die klassische Theodizee von Gottfried Wilhelm Leibniz bezieht sich auf das Problem des Bösen in einer Welt, die von einem guten Gott geschaffen wurde. In ähnlicher Weise stellt die Technodizee die Frage, wie wir die negativen Folgen oder „Fehlentwicklungen“ der Technik rechtfertigen können, wenn Technik doch eigentlich dazu da ist, unser Leben zu verbessern. Wie können wir die gesellschaftlichen und ethischen Probleme wie Umweltzerstörung, Überwachung, Kontrollverlust oder soziale Ungleichheit, die technische Entwicklungen mit sich bringen, verstehen, bewältigen und rechtfertigen?

KI versus menschliche Kreativität

In Bezug auf die KI schreibt Horx im Kapitel „Die Technodizee“: „Das Internet ist ein dunkler Wald, in dem wir verloren gegangen sind, ohne es überhaupt zu merken. […] Und jetzt geht es in die nächste Runde: Die KI wird das Internet, wie wir es kennen, zerstören. Es wird die offene Struktur des Netzes mit unendlich vielen Fakes, Illusionen, Kopien von Aberkopien überschwemmen. KI ist ein ‚Stochastic Parrot‘, ein Papagei, der unendlich das bereits Gesagte, Dargestellte, Geäußerte nachplappert.“ Bitte nicht missverstehen: Horx verteufelt keineswegs technologische Neuerungen, im Gegenteil. Sein optimistischer Ausblick: „Wenn aller Content unendlich kopierbar, formbar, ‚fakebar‘ und perfektionierbar ist, und das noch rasend billig, verliert er jeden Wert. Es ist nur noch ein Flimmern, weißes Rauschen. Und irgendwann einfach egal. Dann schlägt wieder die Stunde des schöpferischen Menschen.

Cover "Der Zauber der Zukunft" von Matthias Horx

In seinem neuen Buch nimmt uns Matthias Horx mit auf eine ganz persönliche Reise. In zwölf kurzweiligen Kapiteln begleiten wir den Zukunftsforscher durch seine Kindheit in den 1960er-Jahren und durch seine „wilden Jahre“ ab den 1970ern. Er erzählt uns, warum die Welt nicht untergeht, warum der Exodus ins Weltall eine fantastische Zukunftsidee ist, aber ganz anders verlaufen wird, als wir uns das vorstellen, und warum künstliche Intelligenz womöglich ein Pellkartoffel-Irrtum ist. Horx’ Motto: „Zukunft ist eine Entscheidung. Wenn wir uns von ihr verzaubern lassen.“ Absolut lesenswert!

Matthias Horx: Der Zauber der Zukunft. Goldmann, 400 S., 22 Euro, 2024

So wollen Lernende KI nutzen

Die Vodafone-Studie „Pioniere des Wandels: Wie Schüler:innen KI im Unterricht nutzen möchten“ zeigt, dass Jugendliche das Thema KI durchaus differenziert betrachten. Gleichzeitig wird jedoch klar, dass sich viele Schulen bisher noch zu wenig mit dem Einsatz von KI im Unterricht beschäftigen. Manche verbieten ihn sogar komplett. Dagegen erkennt die Mehrheit der Jugendlichen schon heute die Bedeutung von KI und sieht entsprechende Kenntnisse als entscheidend für die berufliche Zukunft an. Hier prallen offenbar zwei Welten aufeinander, die sich in ihrer Haltung zur KI kaum mehr unterscheiden könnten.

Bewusstsein bei Schüler:innen schaffen

Wie können wir diese Perspektive in die Klassenzimmer bringen? Wie bei so vielen Themen im Leben könnte ein Ansatz auch hier lauten: vorleben. Wenn Lehrkräfte ungezwungen und offen mit KI im Unterricht umgehen, etwa durch das Nutzen von KI-Apps oder auch im Rahmen von Projekttagen an außerschulischen Lernorten, lernen Schüler:innen niedrigschwellig sowohl die Vorteile als auch die Grenzen von KI kennen. Der Fokus sollte auf der Vermittlung kritischer Denkfähigkeiten liegen.

Darüber hinaus sollte das Thema ethisch beleuchtet werden: Vor welche Herausforderungen stellt, aber auch welche Chancen bringt KI in Bereichen wie Medizin, Umweltschutz oder Verkehr? Diskussionen der Schüler:innen über die Grenzen und Möglichkeiten der KI im Unterricht helfen, eine kritische, aber gleichzeitig optimistische Haltung zu entwickeln. Immerhin glauben 80 Prozent der in der Vodafone-Studie befragten Jugendlichen, dass KI den Unterricht in den kommenden Jahren deutlich verändern wird.

Schülerin mit VR-Brille arbeitet am Laptop
Ein ungezwungener Umgang mit KI im Unterricht kann Schüler:innen die Vorteile niedrigschwellig nahe bringen | © Freepik

Die Mehrheit sieht KI als Chance, allerdings haben diejenigen, die aus einem Umfeld mit geringerer Bildung kommen, auch Sorge, dass die Leistungsstärkeren die Möglichkeiten der KI besser als sie nutzen können. Lehrkräfte müssen soziale Ungleichheiten berücksichtigen, damit alle Schüler:innen gleichermaßen von den Vorteilen und Potenzialen der KI profitieren können.

Fazit

Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Vorsicht und Neugier, die den Weg zu einem sinnvollen Einsatz von KI im Klassenzimmer ebnen kann. Indem Schüler:innen und Lehrkräfte gemeinsam herausfinden, wie KI das Lernen bereichern kann, entsteht Raum für kreative Ansätze und eine neue Art des Lernens. Am Ende könnte die Integration von KI im Unterricht nicht nur die Bildung modernisieren, sondern auch den Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden fördern – hin zu einer Lernkultur, die offen für Veränderungen und bereit für die Zukunft ist.

© Titelbild von Freepik

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