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Zukunftskompetenzen stärken im LifeScience Lab

Zukunftskompetenzen sind in aller Munde und die Frage, wie sie in der Schule gut erlernt werden können, beschäftigt viele Lehrkräfte und Schulleitungen. Gerade der MINT-Bereich kann hier wichtige Beiträge leisten, indem praxisorientierte Lernsettings geschaffen werden, die den Erwerb überfachlicher (Zukunfts)kompetenzen ermöglichen und dabei gleichzeitig motivieren und befähigen, naturwissenschaftliche Problemstellungen zu verstehen und zu bearbeiten.

Ein Beitrag von Judith Holle & Teresa Zierer

Zukunftskompetenzen, häufig auch Future Skills genannt, sind Fähigkeiten, die wir alle brauchen, um uns in einer schnell verändernden Welt resilient und erfolgreich zu bewegen und diese mitzugestalten. Sie umfassen unter anderem kritisches Denken, Problemlösungsfähigkeiten,
Kreativität, Kommunikation, Zusammenarbeit und die Fähigkeit zur Anpassung an neue Technologien und soziale Entwicklungen. Aber auch die Kompetenz, selbstständig zu lernen und sich neues Wissen anzueignen, sind hierbei von großer Bedeutung. Zukunftskompetenzen sind dabei nicht fachgebunden und schon gar nicht nur für Schüler:innen wichtig. Wir alle dürfen uns immer wieder damit herausfordern, unsere Zukunftskompetenzen weiterzuentwickeln und im Sinne des lebenslangen Lernens auch auf Augenhöhe gemeinsam mit den Schüler:innen dazuzulernen. Das gelingt besonders gut in projektorientierten Lernformen, in denen gemeinsam Herausforderungen gelöst oder Praxisprojekte umgesetzt werden, für die auch die Fachlehrkraft noch keine Lösung parat hat.

Auf dem Weg zum Lernen der Zukunft

Auf dieser Suche nach zukunftsfähigen Lernformen befinden sich derzeit viele Schulen. Es ist eine Suche, die vielfältige, inspirierende Antworten und Praxisbeispiele bereithält und bei der gerade auch der MINT-Bereich große Potenziale bietet. Denn wo finden sich bessere Möglichkeiten, echte Problemstellungen zu bearbeiten, die nicht nur im Kopf, sondern mit allen Sinnen erlebt und umgesetzt werden können? Um diese Lernformen greifbarer zu machen, hat sich das Film- und Buchprojekt „UnLearn School – Auf dem Weg zum Lernen der Zukunft“ auf den Weg gemacht. Ziel ist es, von anderen Schulen zu lernen und inspirierende Beispiele weiterzutragen. Ein Reisestopp auf diesem Weg ist das LifeScience Lab der Integrierten Gesamtschule (IGS) Garbsen. Das LifeScience Lab ist dafür gemacht, dass die Schüler:innen selbstständig experimentieren und naturwissenschaftliche Herausforderungen meistern.  

Im LifeScience Lab können die Schüler:innen selbstständig experimentieren und naturwissenschaftliche Herausforderungen meistern | © beWirken gGmbh

Hier zeigt sich nicht nur, wie naturwissenschaftlicher Unterricht praxisnah und motivierend gestaltet sein kann. Das LifeScience Lab macht auch deutlich, wie gewinnbringend Raumkonzepte sind, die die Aktivität der Lernenden im Fokus haben, anstatt eher auf das Vorzeigen von Experimenten ausgerichtet zu sein.

Hier geht’s zum Filmprojekt von beWirken

In fünf Filmepisoden von „UnLearn School – Auf dem Weg zum Lernen der Zukunft“ sehen Sie Beispiele von acht Schulen, die Zukunftskompetenzen und die Eigenständigkeit der Schüler:innen in den Fokus ihrer Lernkonzepte rücken. Die dritte Episode bietet auch Einblicke in das LifeScience Lab der IGS Garbsen. Die Filme können Sie kostenfrei ansehen

Beispiel: Labortag zum „genetischen Fingerabdruck“

Eine Bank in Garbsen wurde überfallen und die IGS Garbsen soll bei den Ermittlungen unterstützen. Sie erhält Täter:innen- DNA und soll Verdächtige aus eigenen Kreisen ausschließen. So lautet der Einstieg zu einem Labortag, an dem Schüler:innen DNA aus der eigenen Mundschleimhaut isolieren. Im nächsten Schritt werden nicht codierende Regionen mittels Polymerase- Kettenreaktion (PCR) vervielfältigt, um
mithilfe einer Gelelektrophorese dann das eigene, charakteristische DNA-Bandenmuster mit dem des Täters oder der Täterin zu vergleichen. Begleitet wird dieser Prozess von vorbereiteten Experimentmappen, sodass die Schüler:innen weitestgehend eigenständig zu ihrem Ergebnis
kommen können. Am Ende des Tages stellt sich heraus, ob sich der Täter oder die Täterin an der IGS Garbsen befindet oder nicht. Fachlich lernen die Schüler:innen hier theoretische Grundlagen zu Forensik und Methoden der Gentechnik, aber auch die Bewertung genetischer Daten. Zusätzlich reflektieren sie, in welchen Berufszweigen die von ihnen gelernten Methoden zum Einsatz kommen. „Es ist auf jeden Fall ein Erlebnis. […] Es gibt extra so einen Flur, da ziehst du die Kittel an und dann kommst du hier rein und alles ist total modern ausgestattet und vorbereitet. […] Man fühlt sich einfach wie so ein Wissenschaftler, der im Labor arbeitet“, berichtet ein Schüler aus der Jahrgangsstufe 11 an der IGS Garbsen begeistert.

LifeScience Lab und andere Schullabore

Das LifeScience Lab an der IGS Garbsen bei Hannover ist offen für Besuche. Nähere Infos gibt es hier:

Sie möchten mit Ihrer Klasse ins Schullabor in Ihrer Nähe? Hier finden Sie Anlaufstellen:

Beim Bundesverband der Schülerlabore e. V. finden Sie außerdem weitere Informationen zum Thema:

Schüler:innenzentrierte Lernformen in der ganzen Schule

Das LifeScience Lab bettet sich ein in ein Lernsetting, das auch darüber hinaus Zukunftskompetenzen in den Blick nimmt. „UnLearn School – Auf dem Weg zum Lernen der Zukunft“ – unter diesem Motto erkundet und erprobt die IGS Garbsen mit dem Dalton-Konzept Lernformen, die Schüler:innen mehr Eigenständigkeit ermöglichen und altbekannte Strukturen des lehrkraftzentrierten Unterrichts aufbrechen. Schüler:innen erarbeiten sich so selbstgesteuert, gemeinsam mit Peers und im eigenen Tempo Inhalte, während Lehrkräfte als Lernbegleiter:innen individuell unterstützen. Genau diese Kombination aus Gemeinschaftlichkeit und Eigenständigkeit, aus sehr praxisorientierten Lerngelegenheiten und gleichzeitig der Befähigung, sich selbstständig Wissen anzueignen, ist fast allen Schulen gemeinsam, die sich auf den Weg zum Lernen der Zukunft machen.

Zukunftskompetenzen im Schullabor

Lernorte wie das LifeScience Lab sind wichtige und inspirierende Beispiele und eine große Chance für eine stärkere Fokussierung auf Zukunftskompetenzen im schulischen Lernen. Wichtig ist, dabei nicht nur die fachspezifischen Kompetenzen in den Blick zu nehmen. Denn am Ende eines Labortages steht nicht nur die Erfahrung  des Pipettierens und Zentrifugierens, sondern auch das Lernerlebnis, gemeinsam als Gruppe einen Fall gelöst zu haben, in dem es ebenso wichtig war, gut zusammenzuarbeiten, analytisch Probleme zu lösen und eigene Ideen einzubringen.

Pipettieren ist nur eine Erfahrung, die im Rahmen eines Labortages von den Schüler:innen gemacht werden kann | © beWirken gGmbh

Judith Holle

Judith Holle ist Co-Geschäftsführerin bei beWirken. Sie begleitet als Expertin für neues Lernen Schulen in Veränderungsprozessen und leitet die beWirken Akademie.

Teresa Zierer

Teresa Zierer ist Projektleiterin von UnLearn School und verantwortet bei beWirken die Entwicklung von innovativen Lösungen für den Lernkulturwandel und die Transformation von Schule.

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