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CO2 – bitte nicht mehr lange fackeln

Kolumne von Tobias Beck

Für alle, die sich ums Klima sorgen, sind die Bilder von den russischen Gasfeldern und Raffinerien nur schwer zu ertragen. Dort verbrennt Russland Unmengen des Gases, das es nicht mehr verkaufen kann. Nach Schätzungen des Branchendienstes Rystad Energy vom Herbst sind es mehrere Millionen Kubikmeter im Wert von mehr als 10 Millionen Euro täglich. Die Fackeln, die Tag und Nacht unsinnig brennen, befeuern auch das Gefühl vieler Menschen, dass Anstrengungen, Spare und Investitionen in erneuerbare Energien nicht reichen, damit die Auswirkungen eines unausweichlichen Klimawandels nicht zu globalen Katastrophen werden. Dieses Gefühl hat im Januar eine große Studie von zahlreichen Universitäten, Forschungseinrichtungen und großen Wissenschaftsorganisationen weltweit zum ersten Mal in Zahlen gefasst. „The State of Carbon Dioxide Removal“ heißt die Bestandsaufnahme unter Federführung der Universität Oxford, die zu einem eindeutigen Schluss kommt: Reduzieren allein wird bei Weitem nicht reichen für das Ziel des Pariser Klimaabkommens, die Erderwärmung wenigstens noch unter 2 Grad Celsius zu halten. Im Gegenteil: Selbst die 120 Staaten, die inzwischen ein Null-Emissions-Ziel in ihren Klimaschutzplänen verankert haben, werden nicht drum herumkommen, zusätzlich CO2 mit großem Aufwand aus der Atmosphäre zu entfernen. Wie groß die Lücke ist zwischen CO2-Ausstoß und dem, was die Erdatmosphäre noch verträgt, haben die Autor*innen in einer Fleißarbeit in mehr als fünfhundert unterschiedlichen Szenarien nachgerechnet. Und sie kommen auf Größenordnungen, die gewaltig sind. Egal, wie gut die einzelnen Staaten Sparziele erreichen und wie schnell der Umstieg auf erneuerbare Energien funktioniert, müssen trotzdem noch Hunderte von Gigatonnen CO2 bis 2100 aus der Luft geholt werden. 40 Gigatonnen CO2 pumpt die Menschheit derzeit pro Jahr in die Luft, zwei Milliarden davon – das ist die gute Nachricht –werden bereits jetzt durch Maßnahmen wie Aufforstung eingespart. Das Problem: Die herkömmlichen Methoden des Carbon Dioxide Removal (CDR), das schädliche Klimagas durch zusätzliche Pflanzen zu binden, machen zurzeit den Löwenanteil aus und stoßen irgendwann an Grenzen –schließlich kann man nicht überall Wald anpflanzen. Neuartige Methoden durch Verkohlung von Pflanzenresten oder das Entfernen und Speichern von CO2 direkt aus der Luft wären also dringend nötig, um den CDR-Gap zu schließen. Lautstark und gemeinsam rufen die Autor*innen deshalb danach, die Forschung an neuen CDR-Methoden zu intensivieren. Positiv werten die Autor*innen, dass die Zahl der Forschungsarbeiten und Start-up-Unternehmen in den letzten Jahren bereits steigt.

Innovative Laserfusion bringt Hoffnung

Im Bereich der Energieerzeugung hat es eine hoffnungsvolle Idee jüngst ins Rampenlicht geschafft. Im Dezember verkündeten US-Physiker*innen einen Durchbruch bei der sogenannten Laserfusion. Mithilfe der weltweit leistungsstärksten Laseranlagen am Lawrence-Livermore Forschungszentrum in Kalifornien konnten zum ersten Mal so viele Wasserstoffatome zu Helium verschmolzen werden, dass unterm Strich mehr Energie herauskam, als zum Betrieb der Laser hineingesteckt wurde. Möglich macht das ein Prozess, wie er auch im Innern der Sonne geschieht, der aber hier auf der Erde bisher am Aufwand scheiterte, die nötigen 100 bis 200 Millionen Grad Celsius herzustellen, die im Sonneninnern herrschen. Nach jahrzehntelanger Forschung ist das nun mit Lasern im Labormaßstab geglückt. Somit rückt die Vision einer CO2-freien Kernenergie näher, die ohne die Nachteile und Gefahren der heutigen Reaktoren funktioniert und in einer erneuerbaren Welt für die Grundlast sorgen könnte. Die Hochrechnungen für den Weltenergiebedarf ab 2050 zeigen schließlich: Er wird sich bis dahin mindestens verdoppeln und danach weiter steigen. Kein Wunder, dass auch im Bereich der Kernfusion derzeit viele Wissenschaftler*innen mit Start-ups loslegen. Ohne gute, neue Ideen aus Wissenschaft und Forschung wird es nicht zu schaffen sein. Die Menschheit kann es sich einfach nicht mehr leisten, lange zu fackeln.

Tobias Beck

geht als Lehrer, Wissenschaftsjournalist und unerschrockener Freizeitwissenschaftler für den MINT Zirkel schon seit Längerem Alltagsmythen auf den Grund. Für seine Kolumne schaut er sich regelmäßig auf dem Jahrmarkt der wissenschaftlichen Durchbrüche um und stößt dabei mal auf Sonderbares, mal auf Skurriles – oder auch auf schlichtweg Erstaunliches.

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