Skip to content

Über Visualisierungen Problemlöseprozesse im MINT-Unterricht unterstützen

Der Unterricht der naturwissenschaftlichen Fächer verläuft häufig problemorientiert. Das bedeutet, es werden Problemlöseprozesse durchlaufen, in denen die Lernenden zunächst mit einer realen, authentischen oder konstruierten Problemsituation konfrontiert werden, aus der sich ein oder mehrere Fragestellungen ergeben, die für die Lernenden nicht auf Anhieb lösbar sind. Was sie aber leisten können, ist, auf der Basis ihres Vor- oder Alltagswissens Ideen, Vermutungen oder gar Hypothesen zur Fragestellung zu formulieren, diese dann durch Auswertung empirischer Daten zu prüfen und über die erhaltenen Ergebnisse die Fragestellung(en) zu beantworten. 

Ein Beitrag von Niklas Schneeweiß und Bernhard Sieve 

Im Fach Chemie werden die empirischen Daten vielfach durch ein Experiment gewonnen, das zuvor mehr oder weniger eigenständig von den Lernenden geplant wurde. Der Unterricht bildet dabei eine prototypische Schrittfolge der wissenschaftlichen Erkenntnislogik (Scientific Inquiry) ab und vollzieht den Weg der Forschung nach, ist also wissenschaftspropädeutisch angelegt. Diese Art zu denken ist für die Lernenden am Anfang des Unterrichts in den naturwissenschaftlichen (NW) Fächern meist neu und sie müssen das Wesen der Erkenntnisgewinnung erst verstehen und anwenden lernen. Dazu gehört es, die Abfolge der einzelnen Denkphasen und ihre Funktionen im Erkenntnisprozess zu internalisieren. Eine nach unseren Erfahrungen sehr effektive Unterstützungsstrategie ist eine den Stundenverlauf begleitende Präsentation, die unter anderem Transparenz bezüglich der Phasen des Erkenntnisprozesses schafft. Und so kann der Aufbau einer solchen Präsentation, die mit klassischen Präsentationsprogrammen erstellt werden kann, aussehen.

Der Aufbau einer begleitenden Präsentation

Nach unseren Erfahrungen ergeben sich vier Bereiche, in denen die Präsentation Transparenz schaffen und somit den Unterrichtsverlauf unterstützen kann:

  • Phasen der NW-Erkenntnislogik
  • Phasen des Experimentierens
  • Zentrale Arbeitsaufträge
  • Hinweise zur Steuerung

Um die Präsentation textlich nicht zu überfrachten und so eine größere Barrierefreiheit zu gewährleisten, haben wir gemäß den UDL-Richtlinien (Universal Design for Learning) einen Satz von Symbolen und Piktogrammen mit einem hohen Wiedererkennungswert gewählt. Die gleiche Symbole finden sich dann auch auf den verwendeten Arbeitsblättern.

Download

Eine Vorlage für eine begleitende Präsentation steht Ihnen hier zum Download bereit:

Die Präsentation ist auf eine Schulstunde der Klassenstufe 8 mit dem Schwerpunkt auf Forschendem Lernen ausgerichtet. Im Ötzi-Kontext planen die Lernenden Experimente zur Herstellung von Kupfer aus Kupferoxid. Das Beispiel können Sie gerne bearbeiten und teilen.
Viel Spaß beim Ausprobieren!

Bereich 1: Phasen der NW-Erkenntnislogik

Damit die Lernenden dem Erkenntnisfortschritt folgen können und wissen, wann sie welche Aufgaben erwarten, wird die Abfolge der Denkphasen des Unterrichts dargestellt. Dadurch wissen die Lernenden etwa, wann sie Fragestellungen aufwerfen und wann sie Vermutungen formulieren sollen. Die Phasen des Unterrichts werden am linken Rand der Präsentation dargestellt, wobei die aktuelle Phase hervorgehoben wird und die anderen Phasen sichtbar, aber ausgegraut sind.

Bereich 2: Phasen des Experimentierens

Soll im Unterricht ein Experiment durchgeführt werden, ist es wichtig, dass die Lernenden wissen, in welcher Phase des Experimentierens (Planung, Durchführung, Auswertung) sie sich gerade befinden. Auch Sicherheitsaspekte wie das Tragen von Schutzbrillen müssen deutlich gemacht werden. Die Experimentierphasen werden in Form einer Leiste am oberen Rand der Folie dargestellt, wobei die aktuelle Phase hervorgehoben wird und die anderen Phasen wieder ausgegraut sind.

Bereich 3: Zentrale Arbeitsaufträge

Um sicherzustellen, dass die Lernenden wissen, was konkret von ihnen erwartet wird, müssen die Arbeitsaufträge transparent sein. Dies beinhaltet sowohl organisatorische Aspekte wie das Wegräumen von Materialien als auch die eigentlichen Arbeitsaufträge. Die Arbeitsaufträge werden in Textform mittig auf der Folie dargestellt. Wenn sie auch auf einem Arbeitsblatt stehen, werden sie mit der gleichen Formulierung abgebildet. Auf diese Weise haben die Lernenden eine klare Vorstellung davon, was von ihnen erwartet wird, und können dementsprechend agieren.

Bereich 4: Hinweise zur Steuerung

Damit Lernende wissen, in welcher Sozialform sie arbeiten sollen und wie viel Zeit ihnen zur Verfügung steht, empfiehlt es sich, auch diese Informationen bereitzustellen. Diese Hinweise können symbolbasiert am unteren Rand der Folie dargestellt werden.

Vorteile einer begleitenden Präsentation

Die Erhöhung der Transparenz für die Lernenden sorgt für eine deutliche Entlastung der Lehrkräfte im Unterricht. Je weniger Lehrkräfte mit der Klärung organisatorischer Fragen etc. beschäftigt sind, desto mehr Zeit bleibt für inhaltliche Fragen. Zusätzlich können sich Lehrkräfte beim Experimentieren darauf konzentrieren, die ganze Gruppe im Auge zu behalten. Die Präsentationen dienen aber auch als roter Faden und Verlaufsplan. Nutzen Fachkolleg*innen dasselbe Template für solche Präsentationen, erleichtert dies auch deren Adaption von Stunden und Einheiten und damit die Zusammenarbeit. Tipp: Wenn es im Unterrichtsraum nur eine kombinierte Beamer- und Tafelfläche gibt, ist es hilfreich, Arbeitsblattausschnitte oder leere Folien einzufügen, die dann mit den Lösungen der Lernenden gefüllt werden. Auf diese Weise können zentrale Lerninhalte ohne Medienwechsel gesichert werden.

Beispielhafte Präsentationsfolie zur Steuerung von Lernaktivitäten. Neben der Aufgabenstellung, der Bearbeitungsdauer und der Angabe der Sozialform wird den Lernenden über die Seitenleiste die Phase im Erkenntnisprozess transparent gemacht.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Mehr davon finden Sie in unserer Lehrerzeitung MINT Zirkel! Mit dem digitalen MINT Zirkel-Abo erhalten Sie regelmäßig neue Ausgaben der digitalen Lehrerzeitung – vollgepackt mit praxisnahen Fachartikeln, didaktisch fundierten Materialien und exklusiven MINT Zirkel-Zusatzmaterialien. Speziell für Lehrkräfte im MINT-Bereich.

Beitrag teilen:

Facebook
X
LinkedIn
Pinterest
XING
WhatsApp
Email

Ähnliche Beiträge

Leere Liste vom Weihnachtsmann inmitten weihnachtlicher Dekoration wie Zuckerstange und Weihnachtsmütze
2. Dezember, 2025
Simone Falk-Hiller wurde 1966 in Bremen geboren. Sie ist Betriebswirtin und Programmiererin, arbeitet als Lehrbeauftragte an der Lüneburger Universität Leuphana und bietet an Volkshochschulen Programmierkurse an. Außerdem ist sie eine sehr kreative Erfinderin von Denksportaufgaben. 2023 entwarf sie folgende Knobelei.
Geschmückter Tannenbaum steht in mystischerr Kulisse
26. November, 2025
Das populärwissenschaftliche britische Magazin New Scientist erscheint seit 1956 jede Woche. Von 1967 bis 1977 enthielt es die Kolumne „Tantalizer“ (auf Deutsch: „Peiniger“) mit mathematischen und logischen Rätseln, die von dem britischen Philosophen Martin Hollis geschrieben wurden. Seit dem 22. Februar 1979 findet man in dem Magazin eine Denksportkolumne mit dem Titel „Enigma“ (auf Deutsch: „Rätsel“). Die Kolumne lief fast 35 Jahre lang, als am 28. Dezember 2013 das 1780. und letzte „Enigma“ erschien. Am 2. Januar 2013 stellte Peter Chamberlain das folgende Rätsel.
LEGO Education Science im Unterricht
26. November, 2025
Es kann frustrierend sein, sowohl für Schüler:innen als auch für Lehrkräfte an weiterführenden Schulen: Man gibt alles, gestaltet den Unterricht abwechslungsreich, sucht lebensnahe Beispiele, und trotzdem scheint das Interesse mancher Kinder und Jugendlichen schnell zu schwinden. Spätestens beim Korrigieren der Klassenarbeiten fragt man sich: Haben wir dieses Thema überhaupt behandelt? Was bleibt, ist das Gefühl, dass Wissen zwar vermittelt, aber nicht wirklich verankert wurde.
Junge Frau hält eine Tasse mit Kakao und Marshmallows in der Hand, während sie ein Buch liest
19. November, 2025
Vorweihnachtszeit, Advent und dann endlich die Tage zwischen den Jahren: Endlich wieder ein wenig mehr Ruhe, um etwas Spannendes aus der MINT-Welt zu lesen. Stöbern Sie mit uns – hier kommen unsere Lektüreempfehlungen für die Weihnachtstage.
Pappschild mit einer farbigen Zeichnung einer brennenden Erde
19. November, 2025
Schon längst ist der Klimawandel kein politisches oder gesellschaftliches Randthema mehr. Die Klimaveränderungen sowie die damit verbundenen Auswirkungen auf Natur und Mensch betreffen uns alle. Hinzu kommt, dass vor allem die nachfolgenden Generationen mit den Folgen der globalen Erderwärmung umgehen und leben lernen müssen. Dafür ist es wichtig, dass schon Kinder verstehen, wie diese Veränderungen entstehen, welche Lebensgrundlagen dadurch bedroht sind und wie sie aktiv eine lebenswerte Zukunft für alle gestalten können.
Farbige Kuchen mit Garnitur
19. November, 2025
Die molekulare Küche, die ihren Ursprung in der Spitzengastronomie hat, bietet zahlreiche Möglichkeiten für die Zubereitung und Präsentation von Speisen. Ein bekanntes Beispiel sind Alginatperlen, die als „Fruchtkaviar“ bekannt wurden und heute bei Jugendlichen in Bubble Tea als „Popping Boba“ große Beliebtheit genießen. Abgesehen von derartigen spielerischen Aspekten hält die molekulare Küche jedoch auch praktische Anwendungen bereit, etwa im Bereich Gesundheit und Pflege. Im Klassenzimmer verbindet sie kulinarische Kreativität mit naturwissenschaftlichem Lernen und macht Chemie im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar.
Erde gibt den Blick frei auf zwei andere Planeten
12. November, 2025
Inzwischen ist der Nachweis von Planeten bei anderen Sternen Routine. Nun können Superteleskope sogar deren Atmosphären analysieren – und vielleicht bald Lebensspuren entdecken.
Junger Mann, der eine große Drohne in beiden Händen hält
5. November, 2025
Günstig, leicht, sensibel: Das Sensorsystem LUCY ist dem menschlichen Gehör haushoch überlegen. Befestigt an Drohnen detektiert es Hilfeschreie von Verschütteten und kann so dabei helfen, Leben zu retten. Entwickelt hat das System die Forschungsgruppe von Dr. Marc Oispuu am Fraunhofer-Institut FKIE in Wachtberg.
Nutria schwimmt im Wasser.
29. Oktober, 2025
Wie fängt man Sonnenlicht am besten ein? Das ist nicht nur bei der Aufstellung von Photovoltaikanlagen wichtig, sondern auch für die Sonnenenergiewandler der Pflanzen, also bei ihren Blättern und deren Verzweigung und Ausrichtung. Es ist nicht vorteilhaft, wenn sie sich gegenseitig im Wege stehen und beschatten. Die Blattstellung folgt einem geometrischen Muster, das, mathematisch betrachtet, mit Spiralen, Selbstähnlichkeit, Fibonacci-Zahlen und dem Goldenen Winkel zu tun hat.
LEGO Education Naturwissenschaften Eine Gruppe von Schülerinnen baut an einem Modell
29. Oktober, 2025
Fragen, die uns zum Nachdenken bringen – genau darin liegt das Potenzial für echten naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinn. Wie kann ein Roboter Vorräte und Materialien im Weltraum transportieren? Warum leben Tiere in bestimmten Umgebungen? Und welche Auswirkungen hat ein Erdbeben auf einen Becher Limonade?
Junger Schüler schreibt eine Matheaufgabe, neben ihm ein Taschenrechner
21. Oktober, 2025
„Der Rest ist Hausaufgabe.“ Nicht originell, dieser Spruch, aber zehn Minuten vor Stundenende wirksam. Zumindest, wenn man als Lehrkraft seine Ruhe haben möchte. Aber hilft eine solche Hausaufgabe den Schüler:innen auch, den Inhalt des Unterrichts wirklich zu verstehen?
Antik anmutende Grafik mit einem alten weißbärtigen Mathematiker, der etwas aufschreibt
15. Oktober, 2025
In der Mathematik gibt es berühmte Fragen, die erst nach Jahrhunderten vergeblicher Versuche beantwortet wurden. Es gibt jedoch auch Probleme, die sich schließlich als beweisbar unlösbar erwiesen. Ihre Geschichte offenbart einiges über den Wandel, den die Mathematik in der Moderne durchmachte.

Vielen Dank, dass Sie sich für den MINT Zirkel interessieren. Registrieren Sie sich jetzt, um Zugriff auf alle Zusatzmaterialien zu erhalten oder melden Sie sich mit Ihren bestehenden Zugangsdaten zu Ihrem “Mein MINT Zirkel-Account“ an.