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Wir haben in den letzten Wochen wieder einige spannende Bücher aus der MINT-Welt entdeckt, die wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten möchten. Werfen Sie einen Blick auf unser aktuellen Lesetipps!

Ein Beitrag von Jörg Schmidt

Lese-Tipps

Der Unterschied

Was wir von Primaten über Gender lernen können

Einfach gendern? Der renommierte Biologe und Primatenforscher Frans de Waal (Professor für Psychobiologie an der Emory University in Atlanta) beschreibt in seinem Buch „Der Unterschied“, wie vorurteilsfrei Primaten (u. a. Schimpansen oder Bonobos) ihre sexuellen Vorlieben zeigen. Frans de Waal bemerkt, dass es aber auch bei ihnen tradierte Genderrollen gibt – ob es um die Aggressivität männlicher Schimpansen geht oder um die Einweisung der Töchter in die Kindererziehung durch die Mütter. Er beschreibt das umfassende Potenzial im Verhaltensrepertoire bei Primaten. Zur Frage Gender und Geschlecht wagt er so einen vergleichen den Blick auf das, was wir über biologische Geschlechtsunterschiede und die Rolle von Kultur und Sozialisation wissen. Ein Verfahren, das zum Nachdenken anregt, denn de Waal macht deutlich, das Gender mehr als ein soziales Konstrukt ist ­ und Geschlecht mehr als ein physischer Unterschied. Großartig!

Frans de Waal, Der Unterschied. Was wir von Primaten über Gender lernen können

Aus dem Englischen von Claudia Arlinghaus, Stuttgart: Klett Cotta 2022, 476 Seiten, 28 Euro

Das geheime Leben der Elemente

Einfach gekonnt erzählt: Die britische Chemikerin und Autorin Dr. Kathryn Harkup hat ein unfassbar anregendes und originelles Buch über die Elemente des Periodensystems geschrieben. Ist aber darüber noch ein Buch nötig? Unbedingt! Auf gerade einmal jeweils vier Seiten schildert Harkup seltsame, wunderbare bisweilen bizarre Geschichten von 52 Elementen, wie zum Beispiel der skurrilen Rolle des Thalliums in einem Komplott zur Ermordung von Fidel Castro. Und genau diese Erzählungen machen das Besondere des Buches aus. Ohne fachlich zu vereinfachen, gelingt es Harkup, die Welt der Bausteine der uns umgebenden Welt so darzustellen, dass Leser:innen Lust auf Chemie bekommen. Tipp: Die einzelnen Geschichten eignen sich exzellent zum Unterrichtseinstieg. Unbedingt lesen!

Kathryn Harkup, Das geheime Leben der Elemente; Übersetzt von Sarah Pasquay, Berlin: Laurence King Verlag 2022, 224 Seiten, 24 Euro

 

Lebendige Nacht

Vom verborgenen Leben der Tiere

Einfach das Paralleluniversum der Nacht entdecken: Die Wildbiologin Sophia Kimmig öffnet uns die Augen für das Wunder des Lebens in der Nacht. Sie entführt die Leser:innen in die Dunkelwelt und beschreibt das Leben der nachtaktiven Tiere, von denen wir viel zu wenig wissen. Oder wussten Sie, dass eine Vielzahl von Tieren überwiegend nur nachtaktiv ist – sie bilden die heimliche Mehrheit. Die Nacht ist ein vielfältiger Lebensraum. Kimmig beschreibt aber nicht nur das Leben der Tiere wie Bilche, Wildschweine, Füchse, Nachtfalter und Waschbären, sondern skizziert auch, was die Dinosaurier mit der Nachtaktivität vieler Säugetiere zu tun haben und mahnt das Problem der Lichtverschmutzung an, das den natürlichen Lebensrhythmus vieler Tiere empfindlich stört. Ein äußerst anregendes Buch – nicht nur für Nachtschwärmer:innen geeignet.

Sophia Kimmig
Lebendige Nacht
Vom verborgenen Leben der Tiere
München: Hanser 2023
272 Seiten, 25 Euro

 

Der verkannte Mensch

Ein neuer Blick auf Leben, Liebe und Kunst der Neandertaler

Einfach endlich den Blick ändern auf unseren nahen Verwandten: Viel zu lange beherrscht das Bild des primitiven keulenschwingenden Wilden unsere Sicht auf die Neandertaler:innen. Doch nicht erst seit den paläogenetischen Analysen der letzten Jahre wissen wir, wie nahe wir diesem „verkannten Menschen“ stehen. Die britische Archäologin Dr. Rebecca Wragg Sykes wagt in ihrem umfassenden Buch, anschaulich und in klarer Sprache verfasst, einen komplett anderen Blick auf die Neandertaler:innen: Sie rehabilitiert unsere ausgestorbenen Verwandten und lässt uns eintauchen in deren Welt vor mehr als 40.000 Jahren. Sie zeigt sie als kreative Künstler:innen, einfühlsame Familienmenschen, als Entdecker:innen, Lachende und Weinende – eben als Menschen, die sie waren. Ihr Blick auf eine Welt, in der sich unterschiedliche Menschenformen die Erde teilten, macht deutlich, wie wichtig Diversität ist – gerade heute. Leseempfehlung!

Rebecca Wragg Sykes
Der verkannte Mensch
Ein neuer Blick auf Leben, Liebe und Kunst der Neandertaler
Ins Deutsche übertragen von Jürgen Neubauer
München: Goldmann 2022
512 Seiten, 24 Euro

 

Earth for All

Ein Survival-Guide für unseren Planeten.

Einfach endlich umsteuern! Unsere Zivilisation steht am Scheideweg. Eigentlich wissen es alle – und wir müssen handeln. Renommierte Expert:innen unterstützen hierzu praxisnah die Debatte. 50 Jahre nach dem Bericht des Club of Rome formulieren sie fünf außerordentliche Kehrtwenden, die nötig sind, um unsere Zukunft wieder zu gewinnen. Der Survival-Guide erläutert in klarer und gut nachvollziehbarer Weise die notwendigen Handlungsbereiche und macht Mut, dass ein Umsteuern noch möglich sei. „Earth for all“ sollte allen Politiker:innen auf den Schreibtisch gelegt werden, denn die Expert:innen schreiben unideologisch. Es geht ihnen nicht um eine – weitere – nicht realisierbare Utopie, vielmehr wollen ihre Ansätze die Grundlage zur Entwicklung einer resilienteren Zivilisation anregen. Schade, dass unsere Welt von uns in solch einen Zustand gebracht wurde, sodass ich das Buch zur Pflichtlektüre empfehlen muss – anders wäre es uns sicher allen lieber.

Earth for All
Ein Survival-Guide für unseren Planeten.
Der neue Bericht an den Club of Rome, 50 Jahre nach “Die Grenzen des Wachstums“
Aus dem Englischen von Rita Seuß und Barbara Steckhan
München: oekom 2022
250 Seiten, 25 Euro

Konzepte einer MINT-Didaktik

Einfach MINT unterrichten? Der Biophysiker Dr. Dierk Suhr wirft einen Blick auf den Zustand der MINT-Didaktik. Obwohl in aller Munde, steht bis heute eine didaktische wie pädagogische Begründung eines komplexen „MINT-Konzeptes“ aus. Suhr stellt sich der spannenden Frage, ob die einzelnen Fachdidaktiken (Biologie, Physik etc.) zu einem kohärenten MINT-Konzept zu integrieren wären. Welche didaktisch-methodische Mehrwerte hätte dies? Und welche Rolle sollten der Technik- und Geografieunterricht hierbei spielen? Suhr entwickelt die Idee eines mehrperspektivischen MINT-Konzepts und fragt sich u. a., welche Implikationen dies für die Lehrer:innenaus- und -weiterbildung als auch für die Gestaltung multifunktionaler MINT-Fachräume hätte. Anregend!

Dierk Suhr
Konzepte einer MINT-Didaktik
Fachdidaktische Analyse und Versuche einer Synthese
Opladen: Budrich 2023
310 Seiten, 46 Euro

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