Skip to content

Ein Gewinn fürs Leben – welche Renditen kann berufliche Bildung erzeugen?

Eine Berufsausbildung mit Weiterbildung lohnt sich – auch im Vergleich zu einem Studium. Und das nicht nur finanziell, sondern auch im Hinblick auf eine Karriere in Führungspositionen. Zu diesen Ergebnissen kamen zwei voneinander unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen.

Ein Beitrag von Stephanie Werth, WorldSkills Germany e.V.

Anfang des Jahres 2020 veröffentlichte der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag die Studie „Lebenseinkommen von Berufsausbildung und Hochschulstudium im Vergleich – Eine empirische Analyse von Erwerbsbiografien in Deutschland“: Das kumulierte Arbeitseinkommen wurde berechnet, das zwischen einem Alter von 16 und 65 Jahren erzielt wurde.

Berufsausbildung bringt bis zum 35. Lebensjahr mehr Einkommen

Aus der Studie geht hervor: Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung verdienen durchschnittlich 950.000 Euro (17 Prozent mehr als Menschen ohne Abschluss) und übertreffen Personen mit einem Hochschulabschluss bis zu einem
Alter von 35 Jahren. Berufstätige, die direkt nach der Schule ein Studium absolvieren, und solche, die zunächst eine Berufsausbildung abschließen und später zusätzlich einen Hochschulabschluss erwerben, verdienen am Ende ihres Lebens fast das Gleiche, etwa 1.400.000 Euro. Dies trifft auch auf Arbeitende zu, die nach einer erfolgreichen Berufsausbildung zusätzlich einen Meisteroder Technikerabschluss erwerben. Diese verdienen sogar bis zu einem Alter von 60 Jahren mehr als Personen mit einem Hochschulabschluss. Ein Fazit der Studie ist demnach: „Bei der Betrachtung der Bildungspfade zeigt sich, dass es sich nach einer Berufsausbildung genauso sehr lohnt einen Meister oder Techniker zu machen wie ein Hochschulstudium anzuschließen. (…) Zudem verdienen Personen, die vor einem Hochschulstudium eine Berufsausbildung beginnen, ähnlich viel wie Personen, die direkt studieren.“

Subjektiver Nutzen einer höheren Berufsbildung nach Abschluss und Geschlecht in %, Erwerbstätige mit höherer Berufsbildung (ohne sonstige Fortbildungen). © BIBB – Berechnungen auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes 2018

Positive Nutzeneinschätzung von beruflicher Weiterbildung

Ebenfalls Anfang 2020 erschienen ist ein Report des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) mit dem Titel: „Lohnt sich höherqualifizierende Berufsbildung? Berufliche Positionen, Einkommen und subjektiver Nutzen von Fortbildungsabschlüssen“. Für die Analyse wurden die Daten der Erwerbstätigenbefragung (ETB) 2018 verwendet. Die ETB 2018 ist eine Repräsentativbefragung unter 20.012 Erwerbstätigen in Deutschland zu den Themen Arbeit und Beruf im Wandel sowie Erwerb und Verwertung beruflicher Qualifikationen. Die Gruppe der beruflich Höherqualifizierten, also derjenigen, die nach ihrer Berufsausbildung eine Weiterbildung (z. B. Meister-/ Technikerabschluss) absolviert haben, umfasst dabei 1.380 Erwerbstätige (6,7 Prozent). Eines der Ergebnisse dieses Reports: Ein höherer Berufsbildungsabschluss wie z. B. Meister*in, Techniker*in, Fachwirt*in oder Betriebswirt*in lohnt sich, denn er bietet „höhere Chancen, eine Führungsfunktion bzw. eine Tätigkeit mit Projekt- oder Budgetverantwortung (Fachkarriere) auszuüben“. Darüber hinaus zeigt auch diese Analyse, dass beruflich Höherqualifizierte über ein höheres Einkommen verfügen als Personen, die nach der Berufsausbildung keine Fortbildung absolvieren. „Rund die Hälfte der Erwerbstätigen mit höherer Berufsbildung sagt, dass die Fortbildung im Hinblick auf das Einkommen und im Hinblick auf eine anspruchsvollere Position sehr viel oder zumindest viel genutzt hat; im Hinblick auf eine Gesamtbeurteilung (‚Alles in allem betrachtet‘) äußern dies sogar zwei von drei Befragten.“

Zahlen der Absolvierenden in der höheren Berufsbildung stagnieren trotz hoher Renditen

Doch trotz der nachweislich lohnenswerten Renditen von beruflichen Weiterbildungen stagniert der Anteil der Personen mit Höherqualifizierung seit einigen Jahren (2000: 8,4 Prozent, 2017: 8,8 Prozent). Um die Attraktivität von Fort- und Weiterbildungen zu erhöhen, sei es laut BIBB daher notwendig, den Bekanntheitsgrad der höheren Berufsbildungsabschlüsse zu steigern. So erhält die höherqualifizierende Berufsbildung beispielsweise durch die Verankerung im Berufsbildungsgesetz 2020 eine größere Aufmerksamkeit.

Förderangebote bieten finanzielle Unterstützung

Lebenslanges Lernen ist nicht nur politisch gewollt, sondern wird auch gefördert. So wurden mit dem Weiterbildungsstipendium und dem Aufstiegs-BAföG Angebote zur Finanzierung und Wertschätzung beruflicher Weiterqualifizierung geschaffen. Das Weiterbildungsstipendium unterstützt zum Beispiel junge Fachkräfte nach dem besonders erfolgreichen Abschluss einer Berufsausbildung. In das Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) können jährlich rund 6.000 Stipendiat*innen neu aufgenommen werden, aktuell sind über 17.000 berufliche Talente in der Förderung. „Die Erfahrung zeigt, dass junge Berufstätige durch die Förderung regelrecht aufblühen. Natürlich spielt die finanzielle Förderung eine große Rolle. Aber darüber hinaus erfahren die Geförderten durch das Stipendium eine große Wertschätzung. Dieses Gefühl der Anerkennung ihrer beruflichen Leistungen ist ein starker Ansporn, wenn es darum geht, sich im Beruf weiterzuentwickeln.

Motivation und Finanzierung gehen dank des Stipendiums Hand in Hand“, beobachtet Andreas van Nahl von der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB), die die bundesweite Durchführung des Weiterbildungsstipendiums im Auftrag und mit Mitteln des BMBF koordiniert. Für jede und jeden Geförderten stehen bis zu 8.100 Euro bereit, die für Fortbildungsmaßnahmen abgerufen werden können. Das Stipendium deckt sämtliche Kosten bei einem Eigenanteil von zehn Prozent. Das Aufstiegs-BAföG (Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz, AFBG) fördert die Vorbereitung auf über 700 Fortbildungsabschlüsse wie Meister*in, Fachwirt*in, Techniker*in, Erzieher*in oder Betriebswirt*in. So erhielten 2020 zum Beispiel bundesweit rund 178.000 Personen Aufstiegs-BAföG, ein Plus von 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zum 1. August 2020 wurde das AFBG außerdem novelliert: Förderquoten und Freibeträge gingen nach oben und die Hürden für förderfähige Weiterbildungen sanken. Auch dies soll mehr Menschen zur Weiterqualifikation motivieren.

Weitere Informationen

Als Bildungsorganisation unterstützt WorldSkills Germany regionale, nationale und internationale Berufswettbewerbe und ist damit Botschafter für den Standort Deutschland. Die Wettbewerbe sind Impulsgeber für die Berufsbildung, wirtschaftliche Kontakte und Plattform zur Präsentation neuer Entwicklungen. Mit innovativen Konzepten hilft die Bildungsorganisation dabei, noch mehr junge Menschen für die duale Berufsausbildung zu begeistern. www.worldskillsgermany.com

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Ab sofort können Sie mit dem Digital-Abo alle Fachartikel aus dem MINT Zirkel am Bildschirm lesen, alle Zusatzmaterialien zu den Beiträgen nutzen, die Beiträge auch als Audioversion anhören und das Ausgabenarchiv bequem durchsuchen. Viermal im Jahr kommt eine neue Ausgabe – für Ihren Wissensvorsprung! Außerdem erhalten Sie im Abo unbegrenzten Zugriff auf sämtliche im MINT Zirkel veröffentlichten Downloads (Arbeitsblätter, Unterrichtsmaterial etc.) und sichern sich weitere exklusive Vorteile.

Beitrag teilen:

Facebook
X
LinkedIn
Pinterest
XING
WhatsApp
Email

Ähnliche Beiträge

Drei Personen auf dem Siegerpodest halten ihre Landesfahnen hoch
2. September, 2026
Pflanzen kommunizieren – das ist keine Esoterik, sondern belegte Pflanzenphysiologie. Was aber, wenn wir ihre elektrischen Signale nicht nur messen, sondern mit KI „übersetzen“ könnten? Ein Bericht aus fünf Jahren Forschung und darüber, was das für den MINT-Unterricht bedeutet.
Kinder halten gemeinschaftlich ihre Hände zusammen
26. August, 2026
Kooperation und Vertrauen sind der Schlüssel für ein gelingendes Miteinander. Das gilt gleichermaßen für Familien, Schulen, Unternehmen oder auch Staaten. Durch kooperatives Verhalten kann gemeinsam mehr erreicht werden als allein, und Vertrauen ist eine Basis für effiziente Zusammenarbeit. Wie aber entwickeln sich Kooperation und Vertrauen? Welche Rolle spielt dabei das Elternhaus und welche Möglichkeiten bieten gezielte Interventionen in unserem Bildungssystem zur Steigerung von Kooperation und Vertrauen?
Lehrerin steht hinter Schülern und erklärt etwas auf einem Tablet
19. August, 2026
Seit dem Launch von ChatGPT Ende 2022 ist generative künstliche Intelligenz an vielen Stellen und mit verschiedenen Tools in der Bildungsarbeit angekommen. Parallel steigen die Erwartungen an Lehrkräfte, die Technologie kompetent einzusetzen und im Unterricht zu thematisieren. Was jedoch zu diesen KI-Kompetenzen gehört, ist komplex und häufig schlecht greifbar. Um in diesem Bereich mehr Orientierung zu ermöglichen, stellen Susanne Alles, Joscha Falck, Manuel Flick und Regina Schulz ein Kompetenzmodell für die Bildungspraxis vor.
Partikel aus tausenden von Atomen
11. August, 2026
Die Seltsamkeiten des Mikrokosmos reichen immer weiter: Jetzt wurden Metallkügelchen über einen Abstand vom Zehnfachen ihres Durchmessers „verschmiert“.
Illustration erstellt von ChatGPT mit dem Prompt „Erstelle eine Illustration für eine Zeitung für Lehrkräfte aus dem MINT-Bereich. Das Thema des Artikels ist ‚KI als Autor‘.“
4. August, 2026
Um den Gedanken des vorangegangenen Artikels weiterzuführen, haben wir ein kleines Experiment unternommen: Was wäre, wenn der Beitrag vollständig durch eine KI erstellt würde?
Illustration von ChatGPT passend zur Geschichte: Junge sitzt lauernd im Vordergrund, im Hintergrund sieht man einen typischen bösen Professor
28. Juli, 2026
Künstliche Intelligenz bietet erhebliches Potenzial zur Weiterentwicklung und Verbesserung des eigenen Unterrichts. Gleichzeitig ist ein reflektierter und bewusster Einsatz unerlässlich, um zu vermeiden, dass Quantität über Qualität gestellt wird oder Arbeitserleichterung zulasten didaktischer Tiefe geht. Im Folgenden stelle ich meine persönlichen Erfahrungen vor und gebe praxisorientierte Tipps.
Ausschnitt aus der Programmierumgebung
21. Juli, 2026
„Vibe Coding“ ist eine Praxis in der Softwareentwicklung, bei der Programme fast ausschließlich über die Eingabe von Befehlen oder Prompts entstehen. Der Trend verändert grundlegend den Weg, über den Software entsteht, wirft aber auch wichtige Fragen auf.
Screenshot aus der App: Quantenradierer
14. Juli, 2026
Wer kennt es nicht? Die Schulexperimente im eigenen Physikunterricht kommen überwiegend gut bei der Klasse an. Doch dann geht es in die Quantenphysik: Der Fokus des Schulunterrichts liegt hier hauptsächlich auf Experimenten zum Photoeffekt oder dem Frank-Hertz-Versuch – Experimente zur Quantenphysik des frühen 20. Jahrhunderts, die meist als Demoexperimente durchgeführt werden. Doch gemäß den Bildungsstandards für die allgemeine Hochschulreife wird darüber hinaus auch die unterrichtliche Behandlung von (einzelnen) Quantenobjekten (Elektronen und Photonen) und ihrem Verhalten festgelegt. Die neue App Quantum AR Lab schafft Abhilfe, indem sie das Quantenphysik-Labor in Augmented Reality ins Klassenzimmer holt und eigenständiges Arbeiten ermöglicht.
Junge und Mädchen sitzen lauschend vor einer Grünpflanze
8. Juli, 2026
Pflanzen kommunizieren – das ist keine Esoterik, sondern belegte Pflanzenphysiologie. Was aber, wenn wir ihre elektrischen Signale nicht nur messen, sondern mit KI „übersetzen“ könnten? Ein Bericht aus fünf Jahren Forschung und darüber, was das für den MINT-Unterricht bedeutet.
Grüner Baum von unten fotografiert
30. Juni, 2026
Sie steuern unser Wetter, beeinflussen unsere Gefühle und formten die Evolution: Bakterien sind überall – und laut Peter Wohlleben stark unterschätzt. Ein Gespräch über schlaue Einzeller, die Rettung aus der Klimakrise und das faszinierende Netzwerk der Natur.
Die Diskussionsteilnehmenden sitzen in einem Stuhlhalbkreis auf der Bühne
24. Juni, 2026
Viele Schüler:innen stellen sich im Laufe ihrer Schulzeit dieselbe Frage: Wofür lerne ich das eigentlich? Formeln, Ableitungen, chemische Reaktionsgleichungen oder Programmierlogik erscheinen im Unterricht oft abstrakt und losgelöst von der Lebensrealität. Gerade in den MINT-Fächern fällt es nicht immer leicht, den unmittelbaren Bezug zur späteren Berufswelt zu erkennen.
Riesenkrake in natürlicher Umgebung
17. Juni, 2026
Das Tier des Frühlings kam aus dem Meer: der gestrandete Ostsee-Wal, den Journalist:innen im April „Hope“ oder „Timmy“ tauften, ein Buckelwal, 12,3 Meter lang, tonnenschwer und als Wal ein Mitglied jener Tiere, die bisher als die größten in den Ozeanen galten. Sehr wahrscheinlich ist, dass seine Größe den Rummel um ihn befeuerte. Er wurde geliebt, bemitleidet, hochgejazzt und schließlich als unser aller Meeres-Buddy in eine ungewisse Zukunft entlassen.

Vielen Dank für Ihr Interesse am MINT Zirkel! Registrieren Sie sich jetzt hier für den kostenfreien Download der Unterrichtsmaterialien.

Wenn Sie bereits einen MINT-Zirkel-Account eingerichtet haben, können Sie sich hier anmelden.