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Der Königsberger Philosoph Immanuel Kant führte die Geographie im 18. Jahrhundert in den Kreis der akademischen Disziplinen ein und konstatierte: „Nichts bildet und kultiviert den gesunden Verstand mehr als Geographie.“ Bemerkenswert daran ist, dass Kant seine Heimatstadt (abgesehen von einer Reise nach Danzig) nie verlassen hat – zieht es Geographen doch bekanntermaßen unablässig hinaus in die Welt. Zeitgemäßer Geographieunterricht findet aber (auch) im Klassenzimmer statt. Mit digitaler Unterstützung lässt sich die Welt heute weit einfacher erkunden als zu Kants Zeiten.

Für den multimedialen Geographieunterricht bietet das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg ein Geoportal an, das für interessierte Kolleginnen und Kollegen sicher einen Blick wert ist. Da alle Anwendungen browserbasiert arbeiten, können die einzelnen Werkzeuge unkompliziert auch in heterogenen Geräteausstattungen oder vom heimischen Schreibtisch aus genutzt werden. Eine Registrierung ist nicht notwendig.

Wie funktioniert’s?

Das Geoportal bietet Anwendungen für verschiedene Unterrichtsthemen der Geographie. Eine Übersicht bietet die Seite http://geo.lmz-bw.de/portal2./geowerkzeuge.php. Von dort gelangt man dann mit einem Klick zu folgenden Angeboten:

  • Klimadiagramme Welt
  • Klimadiagramme Deutschland
  • Klimadiagramme Baden-Württemberg
  • GPS-Karte
  • Bevölkerung und Altersstruktur
  • Digitale Geländeanalyse
  • Digitale Wetterkarten
  • Regenerative Energieträger – Windpark

Die einzelnen Werkzeuge arbeiten unabhängig voneinander und können direkt im Browser gestartet werden. Für registrierte Nutzer aus Baden-Württemberg stehen zusätzliche Funktionen/Angebote zur Verfügung. Die Werkzeuge lassen sich aber auch ohne diese gut nutzen.

Was bringt’s?

  • Klimadiagramme Welt, Deutschland und Baden-Württemberg bieten Klimadiagramme und Klimatabellen von mehreren hundert Klimastationen nach Walter/Lieth. Die Daten stammen vom Deutschen Wetterdienst und beziehen sich auf den Zeitraum von 1981–2010. Ein Abfragemanager erlaubt, bestimmte Gruppen von Stationen (Auswahl nach Höhenlage, Jahresmitteltemperatur, Jahresniederschlag) auszuwählen. Die Diagramme und Tabellen können als Docx-Files abgerufen und so mit den gängigen Textverarbeitungsprogrammen weiter bearbeitet werden. Im Geographieunterricht spielen
    das Lesen und Interpretieren von Klimadiagrammen in allen Schulstufen eine große Rolle. Das Tool hilft beim Vergleichen von Diagrammen, der Charakterisierung von Klimazonen und der Verortung von Klimadiagrammen. Interaktive Übungen unterstützen den Kompetenzerwerb.
  • Die GPS-Karte ermöglicht das Überspielen und Visualisieren von GPX-Dateien. So lassen sich GPS-gestützte Exkursionen komfortabel vor- und nachbereiten. Auch ganze Wegstrecken, sogenannte Tracks, lassen sich zeichnen, abspeichern und auf ein GPS-Gerät überspielen. Eine Bedienungsanleitung hilft ungeübten Nutzern durch das Programm.
  • Das Tool Bevölkerung und Altersstruktur ermöglicht die Darstellung der weltweiten Bevölkerungsdynamik. Es können bis zu drei Staaten frei gewählt und deren Altersverteilung miteinander verglichen werden. Die Daten liegen in Fünfjahresintervallen ab 1950 vor, prognostizierte Zahlen in vier Varianten bis zum Jahr 2100. Die Bevölkerungspyramiden können mit absoluten und relativen Werten dargestellt werden; die Entwicklung über die Jahre hinweg als Animation.
  • Die Digitale Geländeanalyse ermöglicht das Anfertigen von Geländeprofilen, wobei Profilknicke und Überhöhungen frei wählbar sind.
  • Mit den Digitalen Wetterkarten kann man einfache Wetteranalysen durchführen und kurzfristige Wettervorhersagen für Europa erstellen. Dafür stehen 13 tagesaktuelle Wetterkarten und verschiedene Layer zur Verfügung. So lässt sich das Werkzeug sowohl in Unterund Mittel-, aber auch in der Oberstufe gewinnbringend einsetzen.
  • Das Werkzeug Regenerative Energieträger – Windpark ist vor allem für den Geographieunterricht in der Sekundarstufe II interessant. Es ermöglicht den Schülerinnen und Schülern, in die Rolle einer Planungsbehörde zu schlüpfen und am Beispiel des Windparks Simmersfeld im Nordschwarzwald eine Standortplanung mit einem Geoinformationssystem durchzuführen.

Die Beschäftigung mit Geographischen Informationssystemen ist inzwischen selbstverständlicher Bestandteil der meisten deutschen Bildungs- und Lehrpläne. Was sich im Schulbuch nur schwer abbilden und bestenfalls theoretisch vermitteln lässt, kann mit den hier vorgestellten Geo-Tools von den Schülerinnen und Schülern selbst ausprobiert und an konkreten, praxisnahen Aufgabenstellungen angewendet werden.

Thomas Rudel


Weitere Informationen

Thomas Rudel ist Lehrer an einem Tübinger Gymnasium und Leiter des dortigen Kreismedienzentrums. Er ist Autor verschiedener Unterrichtswerke und engagiert sich sowohl im Landesarbeitskreis Medien Baden-Württemberg als auch im Bundesarbeitskreis der Leiterinnen und Leiter kommunaler Medienzentren.

Die Geowerkzeuge des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg laufen alle ohne weitere Installation in einem aktuelle Browser und sind so auch plattformübergreifend nutzbar.

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