Skip to content

Geheime Botschaften im Licht – Quantenkryptografie

Die Quantenkryptografie bietet die Chance, die Kommunikation der Zukunft abhörsicher zu gestalten. Im Schülerlabor PhotonLab am Max-Planck-Institut für Quantenoptik haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich mit der Technologie in einem Analogexperiment vertraut zu machen.

Wer etwas im Vertrauen mitzuteilen hat, der möchte sicher sein, dass kein Dritter ungebeten mithört. Das ist gar nicht so einfach, selbst Wände oder vor allem Datenautobahnen haben manchmal große Ohren. Bis heute gibt es keine Kommunikationstechnologie, die wirklich zu 100 Prozent abhörsicher ist.
Gut, dass es die Quantenphysik gibt. Denn im Gegensatz zur klassischen Physik ist es in dieser Welt niemals möglich, den Zustand eines Quantenteilchens perfekt zu kopieren. Erst 1982 wurde dieses quantenphysikalische Grundprinzip, das „no-­cloning-­theorem“ bewiesen. Das hat zur Folge: Wer ein Quantenteilchen losschickt und es mit einer Botschaft anreichert, kann sicher sein, dass der Empfänger die Informationen nur dann zuverlässig lesen kann, wenn er im Experiment die richtigen Einstellungen gewählt hat. Sollte eine dritte Person die Botschaft abhören, könnte sie das empfangene Photon nicht klonen und weiterschicken – und würde als Spion auffliegen.

Verschlüsselung mit Hilfe von Quanten

An der Verschlüsselung von Botschaften mit Hilfe von Quanten arbeiten weltweit zahlreiche Forschungsgruppen. In der Quan­ten­kryp­to­gra­fie wurden bisher schon beachtliche Erfolge erzielt. Ein Team um Prof. Harald Weinfurter am Max-­Planck-­Institut für Quantenoptik (MPQ) und der Ludwig-­Maximilians-­Universität München (LMU) gehört dabei zu den erfolgreichsten Quantenkryptografen. Daher besitzen Schülerinnen und Schüler beim Besuch des Schülerlabors PhotonLab am MPQ die Gelegenheit, sich in einem Experiment eigenständig mit der Quantenkryptografie vertraut zu machen.

Grundprinzip

Das Prinzip ist folgendes: Um eine digitale Nachricht abhörsicher zu übertragen, muss diese Nachricht – bestehend aus einer bestimmten Folge von Nullen und Einsen mit einem gleichlangen Schlüssel – ebenfalls bestehend aus einer zufälligen Folge von Nullen und Einsen – verschlüsselt werden. Wenn Sender und Empfänger den gleichen Schlüssel haben, kann die Nachricht ver- bzw. entschlüsselt werden. Selbst wenn die Nachricht dann von einem Lauscher abgefangen wird, kann dieser wegen der Zufälligkeit des Schlüssels nichts damit anfangen.
Die Aufgabe ist also, einen zufälligen digitalen Schlüssel zu kreieren, der nur dem Sender und dem Empfänger zur Verfügung steht. Die Bits wie Null und Eins werden in der Quantenkryptografie einzelnen Photonen aufgeprägt, weil diese sich gut durch Fasern oder in der Luft mithilfe von Teleskopen übertragen und messen lassen. Die Information wird auf den Lichtquanten durch ihre Polarisation, d. h. die „Schwingungsrichtung“ der elektromagnetischen Welle, kodiert. Ein Spion, der das kodierte Photon heimlich „abhören“, also seine Polarisationsrichtung herausfinden will, kann es nicht einfach abzweigen und messen, denn dann würde es nie zum Empfänger gelangen. Auch das Photon zu messen oder zu kopieren ist nicht möglich, denn hier macht die Quantenphysik einen Strich durch die Rechnung. Die Quantengesetze erlauben es nicht, Messungen an Quantenzuständen durchzuführen, ohne diese zu beeinflussen. Dieselben Gesetze verbieten es dem Spion, eine identische Kopie des Photons zu erzeugen und die Messungen an dieser Kopie durchzuführen, um unentdeckt zu bleiben. Immer wenn der Spion versucht, den Schlüssel abzuhören, ändert er also zwangsläufig den Quantenzustand des Teilchens und würde durch einfache Tests entdeckt.

Experiment im PhotonLab

Im Schülerlabor PhotonLab gibt es dazu ein Analogie-Experiment. Das System bietet die Firma Thorlabs kommerziell an. Mit der Technik übertragen die Schüler Informationen (0 oder 1) über polarisiertes Laserlicht. Der Laser im Versuchsaufbau (Alice) sendet linear polarisiertes Licht aus. Das Licht verlässt den Laser also nur in einer Polarisationsrichtung und kann nun von sogenannten Polarisationsdrehern um einen beliebigen Winkel gedreht werden. Im Versuch wird -45° bzw. 0° polarisiertes Licht für das Bit 0 und 45° bzw. 90° für das Bit 1 verwendet. 0° und 90° werden der Basis + zugeordnet und -45° und 45° der Basis x. Alice verschickt nun die zufällig gewählten Bits 0 oder 1 über die Polarisation des Lichts d. h. zufälliges Einstellen des Polarisationsdrehers an den Empfänger (Bob). Bob hat auch einen Polarisationsdreher und wählt damit zufällig die Basis (+ oder x) aus, in der er misst. Wenn beide Basen – zufällig – übereinstimmen, wird Bob als Messergebnis genau die von Alice eingestellte Polarisation erhalten und damit auch den entsprechenden Bitwert. Bei welchen Bits die Basen übereinstimmen, kann öffentlich geklärt werden. Nur die Bits, die so empfangen wurden ergeben den Schlüssel. Nun betritt der Spion (Eve) die Bühne. Im einfachsten Fall besteht Eve aus einer Empfangseinheit (entsprechend Bob) und einer Sendeeinheit (entsprechend Alice). Eve muss sich nun entscheiden, in welcher Basis (+ oder x) sie das ankommende Photon misst. Sie wird dann gerade das beobachtete Ergebnis (z. B. 90°) an Bob weiterschicken. Hat sie die falsche Basis gewählt, so ist ihr Ergebnis zufällig und unabhängig von der Einstellung bei Alice. Das Ergebnis bei Bob wird dementsprechend ebenfalls zufällig sein, auch wenn er in der gleichen Basis wie Alice misst. Wenn Bob und Alice ihre Basen abgleichen, müssen sie, um Eve zu entdecken, daher auch einige Bits vergleichen. Treten bei einer Testsequenz Unterschiede auf (z. B. Alice sendet 1 in Basis x, Bob empfängt in Basis x, erhält aber 0), dann ist ein Lauscher in der Leitung!

Quantenkryptografie in der Forschung

Das Labor längst verlassen hat die Quantenkryptografie in der Technologie-Forschung. Im Jahr 2013 ist es dem Team um Harald Weinfurter und Sebastian Nauerth von der Fakultät für Physik der LMU in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gelungen, einen Quantenschlüssel zwischen einem Flugzeug und einer Bodenstation 20 Kilometer durch die Atmo­sphä­re zu übertragen. Damit wurde erstmals eine Verbindung per Quantenkryptografie mit einem sich schnell bewegenden Objekt hergestellt.
Zwischen der Empfängerstation am Boden und dem Sender auf dem Flugzeug wurden Lichtsignale gesendet. Bei der Übertragung von einem mobilen Sender war die besondere Herausforderung, die Lichtteilchen trotz der Vibrationen im Flugzeug zielgenau zum Teleskop zu bringen. „Mit Hilfe von schnell beweglichen Spiegeln konnte auch während des Fluges eine Zielgenauigkeit von weniger als drei Meter über 20 Kilometer Entfernung erreicht werden“, berichtet Florian Moll, Projektleiter am DLR-Institut für Kommunikation und Navigation. Mit dieser Präzision könnte Wilhem Tell den Apfel noch auf eine Entfernung von 500 Metern treffen. Inzwischen ist die Entwicklung schon weiter fortgeschritten, im letzten Jahr konnte ein Schlüssel mit einem speziellen Satelliten ausgetauscht werden und so auch zwischen weit voneinander entfernten Bodenstation sicher Nachrichten ausgetauscht werden.
Für die Zukunft müssen die Systeme vor allem verkleinert, für Smartphones oder PC’s angepasst und die Bedienbarkeit verbessert werden. Aber Achtung, selbst wenn man den Übertragungsweg der Daten dadurch komplett abhörsicher gestalten könnte, blieben als Angriffspunkte für Hacker immer noch die Geräte und die Nutzer selber.

Thorsten Naeser und Dr. Silke Stähler-Schöpf

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Ab sofort können Sie mit dem Digital-Abo alle Fachartikel aus dem MINT Zirkel am Bildschirm lesen, alle Zusatzmaterialien zu den Beiträgen nutzen, die Beiträge auch als Audioversion anhören und das Ausgabenarchiv bequem durchsuchen. Viermal im Jahr kommt eine neue Ausgabe – für Ihren Wissensvorsprung! Außerdem erhalten Sie im Abo unbegrenzten Zugriff auf sämtliche im MINT Zirkel veröffentlichten Downloads (Arbeitsblätter, Unterrichtsmaterial etc.) und sichern sich weitere exklusive Vorteile.

Beitrag teilen:

Facebook
X
LinkedIn
Pinterest
XING
WhatsApp
Email

Ähnliche Beiträge

Lehrer steht an einer Tafel, auf der mathematische Formeln zu sehen sind
10. Juni, 2026
Mathematik ist weit mehr als Beweise, Herleitungen und abstrakte Strukturen. Sie ist eine elegante Sprache, die unsere Welt ordnet, erklärt und sogar verzaubern kann, wenn man es nur zulässt. Dennoch haftet ihr oft das Vorurteil an, trocken, schwer zugänglich oder gar verstaubt zu sein. Genau diesem Bild sollte im Leistungskurs 11 des Schuljahres 2024/25 am Otto-Hahn-Gymnasium Landau mit der Erstellung eigener Mathematikbücher entgegengewirkt werden.
Nawi-Lernlandschaft bestehend aus Tischen und Stühlen und diversen mobilen Geräten
3. Juni, 2026
Naturwissenschaftliche Fachräume müssen heute mehr leisten als früher: Sie sollen flexible Unterrichtsformen ermöglichen, höchste Sicherheitsanforderungen erfüllen und pädagogische Entwicklungen wie Individualisierung und selbstorganisiertes Lernen unterstützen. Im Interview beleuchtet Dr. Dr. Dierk Suhr, Bildungsexperte beim Schulausstatter Hohenloher, wie zeitgemäße Raumkonzepte für Biologie, Chemie, Physik und Makerspaces aussehen können.
Schülerin ist gestresst bei den Hausaufgaben
27. Mai, 2026
Stress ist ein allgegenwärtiges Phänomen in unserem täglichen Leben, das sowohl kurz- als auch langfristige Auswirkungen auf unsere körperliche und psychische Gesundheit haben kann. Während wir unsere Stressreaktionen ursprünglich als überlebenswichtige Reaktion auf Gefahren entwickelten, führen die ständigen Anforderungen des modernen Lebens oft zu chronischem Stress, der mit einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen verbunden ist. Ein tiefes Verständnis von Stress und seinen biologischen Grundlagen ist daher entscheidend für eine effektive Bewältigung.
Gruppe von Schüler:innen, eine hält ein Megaphon in der Hand
20. Mai, 2026
Gesellschaftliche Krisen machen vor der Schule nicht halt. Sie ist einer der Orte, an denen Krisenfolgen unmittelbar erfahrbar werden. Klimawandel, Kriege, Pandemieerfahrungen, autoritäre Bestrebungen, Armut und soziale Verunsicherung sind für viele Kinder und Jugendliche keine abstrakten Zukunftsrisiken, sondern Teil ihres Alltags. Empirische Befunde zeigen, dass existenzielle Sorgen für zahlreiche Kinder und Jugendliche zu anhaltenden psychischen Belastungen beitragen. Gerade marginalisierte Kinder und Jugendliche sind besonders betroffen. Damit verbundene Erfahrungen prägen Lernprozesse, Beziehungen und das sozial-emotionale Klima im Klassenzimmer. Die Bundesschülerkonferenz bringt das in ihrer aktuellen Kampagne „UNS GEHT’S GUT?“ deutlich zum Ausdruck.
Schüler:innen sitzen in einem Stuhlkreis, in der Mitte auf einem Tisch steht ein TreeMuse-Gerät
13. Mai, 2026
Pflanzen kommunizieren nachweislich miteinander, etwa indem sie sich vor Fressfeinden warnen oder auf Umweltveränderungen reagieren. Wie faszinierend wäre es, diese verborgene Sprache hörbar zu machen? Das Projekt „Re-Connecting with Nature“ macht genau das möglich: Aus feinen Berührungen, Lichtveränderungen oder Schwankungen der Blattfeuchtigkeit entstehen Klänge und damit ein faszinierender, fächerübergreifender Zugang zur Natur, der ökologische Themen und technische Medienkompetenz auf spielerische Weise greifbar macht.
Bücherstapel vor sommerlicher Kulisse
12. Mai, 2026
Endlich Sommer – und endlich Zeit, in Ruhe zu lesen. Wieder haben wir uns mit spannenden neuen Büchern aus der MINT- und Bildungswelt beschäftigt. Hier kommen unsere Lektüreempfehlungen für diesen Sommer. Viel Spaß beim Lesen!
Nahaufnahme einer Brennnessel
5. Mai, 2026
Warum wachsen auf einem frisch geharkten Beet so schnell wieder unerwünschte Kräuter? Die Gründe sind vielfältig: Entweder bilden sie viele Samen, die neu einfliegen oder lange im Boden ruhten (Brennnessel, Vogelmiere, Löwenzahn), oder sie vermehren sich durch Ausläufer oder Rhizome (Brennnessel, Quecke, Giersch). Am Beispiel der Brennnesseln lassen sich im Biologie-Unterricht ökologische Nische, Zeigerarten, pflanzlicher Fraßschutz durch Brennhaare, Ein- und Zweihäusigkeit, Bestimmungsübungen an „Nesseln“, Pflanzenfasern und ökologisches Gärtnern thematisieren.
Mädchen lehnt an einer Tafel und lächelt, während jemand anderes eine Matheaufgabe notiert
29. April, 2026
Übung macht den Meister, das gilt auch für den Mathematikunterricht. Nun hält zwar jedes Lehrwerk einen schier unendlichen Fundus an Übungsaufgaben parat, doch spätestens wenn man auf Seite 198 bei Aufgabe 15 z) angekommen ist, hat man die Schülerschaft verloren. Gut verpackt dagegen können Rechenaufgaben durchaus unterhaltsam sein.
Taurus-Molekülwolke im Sternbild Stier
22. April, 2026
Die Materie zwischen den Sternen ist komplexer, als lange gedacht. Inzwischen wurden zahlreiche Moleküle identifiziert. Entstanden Bausteine des Lebens bereits im Weltraum?
Küste mit Pier und Wellen
15. April, 2026
Steigende Meeresspiegel, zunehmende Sturmfluten und veränderte Lebensräume – der Kli-mawandel stellt unsere Küsten vor immense Herausforderungen. Solche großen Phänomene lassen sich im Schulalltag jedoch oft nur schwer greifbar machen. Für genau dieses Problem wurde ein Deichmodell adaptiert, mit dem Lehrkräfte derartig komplexe Themen ins Klassen-zimmer holen und Schüler:innen aktiv verschiedenste Küstenschutzmaßnahmen nachbauen oder auch neu entwickeln können. Durch selbst erzeugte Wellen können sie zudem die Wirk-samkeit ihrer Konstruktion beobachten und messen. So verbindet das Modell praxisnahes Experimentieren mit einem tieferen Verständnis für den Einfluss des Klimawandels auf unsere Lebensräume.
Menschen arbeiteten auf einem Feld mit goldenem Reis
7. April, 2026
Wenige Themen in der Biologie werden so emotional diskutiert wie gentechnische Verfahren in der Landwirtschaft. Deshalb eignet sich die Agro-Gentechnik – auch grüne Gentechnik genannt – nicht nur dazu, molekularbiologisches Wissen an einem lebensnahen Objekt, unserem täglichen Essen, zu vermitteln. An den verschiedenen Aspekten dieses Themas können unterschiedliche wissenschaftliche Positionen diskutiert werden. Und es lässt sich aufzeigen, wie Fachwissen unterschiedlich bewertet und gewichtet wird, um zu gesellschaftlichen Entscheidungen zu kommen.

Vielen Dank für Ihr Interesse am MINT Zirkel! Registrieren Sie sich jetzt hier für den kostenfreien Download der Unterrichtsmaterialien.

Wenn Sie bereits einen MINT-Zirkel-Account eingerichtet haben, können Sie sich hier anmelden.