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Cradle to Cradle bei Waldmann: Licht oder Dunkel?

Nachhaltigkeit zu fordern ist das Eine, sie tatsächlich auch umzusetzen das Andere. So ist es auch bei dem Konzept Cradle to Cradle (kurz: C2C), das hinter unserem Projekt „Der positive Fußabdruck“ steht. Gemeinsam mit Ingrid Richl hat der MINT Zirkel Unternehmen aus ganz Deutschland angefragt: Wie sieht es bei Ihnen mit Nachhaltigkeit und C2C aus? Schüler*innen erhalten so einen Einblick in die spannende Lösungen, die Unternehmen schon heute nutzen. Teil 6: Waldmann.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrer Firma? Und warum?

Das Thema Nachhaltigkeit ist fest in unseren Unternehmenswerten verankert und bedeutet für uns eine ganze Menge. Dazu gehört ein gelebtes und zertifiziertes Umweltmanagement. Wir achten nicht erst bei unseren Leuchten, durch die Verwendung neuester LED­Technologie, sondern bereits während der Produktion auf eine hohe Energieeffizienz und begrenzen Schadstoffe, wo es uns möglich ist. Auch Recycling spielt während der Fertigung und bei unseren Produkten eine wichtige Rolle. So zählen wir zu den wenigen Unternehmen, die Leuchten mit einer Cradle to Cradle® Zertifizierung anbieten. Unsere Leuchten reduzieren zudem den Stromverbrauch unserer Kunden, haben eine lange Lebensdauer und einen niedrigen Wartungsaufwand.

Wie setzen Sie das Thema Nachhaltigkeit konkret im Unternehmen um?

Jedes Jahr verbessern wir unsere Umweltleistung durch die Umsetzung verschiedener energetischer und umweltrelevanten Ziele. Der Papierverbrauch konnte beispielsweise die letzten Jahre um rund 25 % reduziert werden. Trotz des stetigen Umsatzzuwachses ist unser Stromverbrauch seit 2012 über 10 % gesunken. Allein durch die Umstellung des Waldmann Fuhrparks auf energetisch effizientere Fahrzeuge konnte der CO² Ausstoß pro km um über 10 % verringert werden. Wir haben außerdem unsere gesamte Produktion auf LED-Beleuchtung umgestellt. Durch das Waldmann-Vorschlagswesen werden jährlich ca. 25 Verbesserungsvorschläge zum Thema Nachhaltigkeit umgesetzt. Durch die Installation zweier Blockheizkraftwerke und einer Photovoltaik-Anlage liegt der Anteil der selbstproduzierten Energie inzwischen bei rd. 30%. Bei Waldmann werden keine giftigen Gefahrstoffe eingesetzt, jeder Gefahrstoff wird einer regelmäßigen Substitutionsprüfung unterzogen. Das Thema Ressourcenschonung zeigt sich darin, dass unsere Abfall-Recyclingquote inzwischen bei 92% liegt, Tendenz steigend.

Kennen Sie Cradle to Cradle? Wenn ja, beschreiben Sie kurz, was Sie darunter verstehen.

Cradle to Cradle® ist eine Produktzertifizierung, die auf einem Konzept basiert, das bereits in den 1990er Jahren von Prof. Dr. Michael Braungart und William McDonough entwickelt wurde. „Von der Wiege zur Wiege“ lautet die Übersetzung und beschreibt die Zirkulation von Materialien und Nährstoffen in biologischen oder technischen Kreisläufen. Cradle to Cradle® hat die Natur zum Vorbild. Denn im biologischen Kreislauf zirkulieren Verbrauchsgüter, die nach ihrem Gebrauch in diesen zurückgeführt werden können, beispielsweise weil sie zu Kompost werden. Im technischen Kreislauf zirkulieren hingegen Gebrauchsgüter. Produkte werden dafür bereits im Design- und im Herstellungsprozess als Ressourcen für die nächste Nutzungsphase optimiert. Im Idealfall sind alle Bestandteile gesundheitlich unbedenklich, können nach ihrem Gebrauch zurückgewonnen und wiederverwertet werden.

Setzen Sie bereits Inhalte des C2C – Konzeptes in Ihrer Firma um?

Unsere Stehleuchte LAVIGO wurde als weltweit erste Büroleuchte mit dem international gültigen Cradle to Cradle® Zertifikat ausgezeichnet. Um die Anforderungen zu erfüllen, wurden alle verwendeten Materialien identifiziert und hinsichtlich ihrer toxikologischen und recyclingfähigen Eigenschaften bewertet und teilweise optimiert. Darüber hinaus waren für die Zertifizierung Nachweise über die Energiebilanz, die erforderliche Wassermenge und -qualität sowie die Einhaltung sozialer Kriterien Voraussetzungen. Jede Neuentwicklung wird von uns auf Umsetzbarkeit der Cradle to Cradle Kriterien geprüft.

Wo liegen für Ihre Firma und Ihre Branche die größten Herausforderungen / Schwierigkeiten in der Umsetzung von nachhaltigen Konzepten?

In Bezug auf nachhaltige Produkte liegt die Schwierigkeit in den elektronischen Komponenten, die wir als Zukaufteile für unsere Leuchten benötigen. Es gibt aktuell keinen Zulieferer, der hier komplett schadstofffreie und recyclebare Komponenten anbieten kann. Das ist sicherlich eine globale Herausforderung für elektronische Komponenten.

Dieses Interview ist Teil unseres Projektes „Der positive Fußabdruck“. Dabei geht es darum, dass die Lehrerin Ingrid Richl in Kooperation mit dem MINT Zirkel Schulmaterial über das Konzept Cradle to Cradle in die Schulen bringen möchte. MINT Zirkel unterstützt sie dabei und begleitet den Prozess, unter anderem mit dieser Interviewreihe. Interessant? Mehr Artikel zum Projekt „Der positive Fußabdruck“.

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