Skip to content

Neue Elemente im Periodensystem

Lange diente das Periodensystem zur Vorhersage neuer Elemente und deren Ei­gen­schaf­ten, heute zumeist der Übersicht. Und dennoch erhält es noch Zuwachs – kürzlich in der siebten und achten Haupt­gruppe. Die Rede ist von den neu entdeckten Elementen Nihonium, Moscovium, Tennessin und Oganesson, die bis zur Entscheidung über ihre endgültigen Namen Ununtrium (Uut), Ununpentium (Uup), Ununseptium (Uus) und Ununoctium (Uuo) hießen.

Kriterien für Neuzugänge

Die ersten Erkenntnisse zu diesen vier Elementen stammen aus den Jahren 2004 bis 2010. Elemente jenseits des Fermiums (Ordnungszahl 100) entstehen durch Kollision von leichteren Atomkernen nur in geringer Anzahl. Daher definierte die IUPAC (International Union of Pure Applied Chemistry) 1991 strenge Kriterien für Neuzugänge im Periodensystem, denn die Synthese (Herstellung) eines neuen Elements ist kompliziert, auch ist die Anzahl der neu hergestellten Atome oft extrem klein. Hinzu kommt die kurze Halbwertszeit der neuen Isotope. Wissenschaftliche Teams müssen die Zerfallsprodukte des jeweiligen Kerns zweifelsfrei identifizieren: Dies ist bisher der einzige Weg, neue Elemente zu charakterisieren.

Vier neue Elemente

Die vier Neuzugänge vervollständigen die siebte Periode des Systems: Element 118 gehört mit seiner Elektronenkonfiguration 7s27p6 formal zu den Edelgasen, jenen Elementen der 8. Hauptgruppe des Periodensystems mit einzigartigen Eigenschaften. Die beiden superschweren Elemente mit den Ordnungszahlen 115 und 113, die vor einigen Jahren erstmals bei Beschleunigerexperimenten am Kernforschungszentrum in Dubna bei Moskau künstlich erzeugt wurden, sind nun auch von einer weiteren Forschergruppe nachgewiesen worden. Damit gilt ihre Existenz als weitgehend gesichert. Wissenschaftler um Dirk Rudolph von der Universität Lund haben bei ihren Experimenten an der Gesellschaft für Schwer­ionen­for­schung (GSI) in Darmstadt energiereiche Kal­zium­ionen auf eine dünne Folie mit Americium geschossen. Unter den detektierten Reak­tionsprodukten befanden sich einige Isotope des Elements 115. Die Atomkerne, die 115 Protonen enthielten, verrieten sich durch ihre charakteristische Zerfallskette. Wie die Physiker um Rudolph in einer der Ausgaben der Zeitschrift „Physical Review Letters“ berichteten, zerfielen die Kerne jeweils unter Aussendung eines Heliumkerns in einen Tochterkern mit der Ordnungszahl 113 (Element 113) und dann unter Emission weiterer Alphateilchen und Gamma- sowie Röntgenquanten schließlich in Dubnium, ebenfalls ein künstliches Element mit der Ordnungszahl 105.

Die IUPAC-Kriterien regeln die Priorität der Entdeckung, also welche Forschungsgruppe ein neues Element für sich beanspruchen und es damit auch benennen darf. Sie sprach den beteiligten Teams aus Japan, den USA und Russland die Führungsrolle bei den Entdeckungen zu. Diese durften nunmehr Namen und Symbole für die von ihnen erzeugten Elemente vorschlagen. Nach der erfolgten Überprüfung kam es zur namentlichen Taufe durch die IUPAC:

  • Element 113: Nihonium (Nh)
  • Element 115: Moscovium (Mc)
  • Element 117: Tennessin (Ts)
  • Element 118: Oganesson (Og)

Mit dem Namen Oganesson wird übrigens der 83-jährige russische Chemiker Juri Oganessian geehrt, dem Direktor des Flerow-Labors für Kernreaktionen. Er machte sich u. a. um die Forschung am Phä­no­men der sogenannten „Insel der Stabilität“ verdient und ist damit nach Glenn Seaborg (Seaborgium) erst der zweite Mensch, nach dem schon zu Lebzeiten ein Element benannt wird.

Daniel Kuna, Lara Grabitz
juFORUM e. V. | www.juforum.de

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Mehr davon finden Sie in unserer Lehrerzeitung MINT Zirkel! Mit dem digitalen MINT Zirkel-Abo erhalten Sie regelmäßig neue Ausgaben der digitalen Lehrerzeitung – vollgepackt mit praxisnahen Fachartikeln, didaktisch fundierten Materialien und exklusiven MINT Zirkel-Zusatzmaterialien. Speziell für Lehrkräfte im MINT-Bereich.

Beitrag teilen:

Facebook
X
LinkedIn
Pinterest
XING
WhatsApp
Email

Ähnliche Beiträge

Rentier im Schnee
9. Dezember, 2025
Weihnachten 1939 gab die Kaufhauskette „Montgomery Ward“ aus Chicago ein von Robert Lewis May entworfenes Malbuch für Kinder heraus, das von einem Rentier mit einer leuchtend roten Nase namens Rudolph handelte. 1949 landete Gene Autry mit dem darauf basierenden von Johnny Marks geschriebenen Weihnachtslied „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“ einen Welthit. Die Geschichte des rotnasigen Rentiers ist auch mehrfach verfilmt worden.
Leere Liste vom Weihnachtsmann inmitten weihnachtlicher Dekoration wie Zuckerstange und Weihnachtsmütze
2. Dezember, 2025
Simone Falk-Hiller wurde 1966 in Bremen geboren. Sie ist Betriebswirtin und Programmiererin, arbeitet als Lehrbeauftragte an der Lüneburger Universität Leuphana und bietet an Volkshochschulen Programmierkurse an. Außerdem ist sie eine sehr kreative Erfinderin von Denksportaufgaben. 2023 entwarf sie folgende Knobelei.
Geschmückter Tannenbaum steht in mystischerr Kulisse
26. November, 2025
Das populärwissenschaftliche britische Magazin New Scientist erscheint seit 1956 jede Woche. Von 1967 bis 1977 enthielt es die Kolumne „Tantalizer“ (auf Deutsch: „Peiniger“) mit mathematischen und logischen Rätseln, die von dem britischen Philosophen Martin Hollis geschrieben wurden. Seit dem 22. Februar 1979 findet man in dem Magazin eine Denksportkolumne mit dem Titel „Enigma“ (auf Deutsch: „Rätsel“). Die Kolumne lief fast 35 Jahre lang, als am 28. Dezember 2013 das 1780. und letzte „Enigma“ erschien. Am 2. Januar 2013 stellte Peter Chamberlain das folgende Rätsel.
LEGO Education Science im Unterricht
26. November, 2025
Es kann frustrierend sein, sowohl für Schüler:innen als auch für Lehrkräfte an weiterführenden Schulen: Man gibt alles, gestaltet den Unterricht abwechslungsreich, sucht lebensnahe Beispiele, und trotzdem scheint das Interesse mancher Kinder und Jugendlichen schnell zu schwinden. Spätestens beim Korrigieren der Klassenarbeiten fragt man sich: Haben wir dieses Thema überhaupt behandelt? Was bleibt, ist das Gefühl, dass Wissen zwar vermittelt, aber nicht wirklich verankert wurde.
Junge Frau hält eine Tasse mit Kakao und Marshmallows in der Hand, während sie ein Buch liest
19. November, 2025
Vorweihnachtszeit, Advent und dann endlich die Tage zwischen den Jahren: Endlich wieder ein wenig mehr Ruhe, um etwas Spannendes aus der MINT-Welt zu lesen. Stöbern Sie mit uns – hier kommen unsere Lektüreempfehlungen für die Weihnachtstage.
Pappschild mit einer farbigen Zeichnung einer brennenden Erde
19. November, 2025
Schon längst ist der Klimawandel kein politisches oder gesellschaftliches Randthema mehr. Die Klimaveränderungen sowie die damit verbundenen Auswirkungen auf Natur und Mensch betreffen uns alle. Hinzu kommt, dass vor allem die nachfolgenden Generationen mit den Folgen der globalen Erderwärmung umgehen und leben lernen müssen. Dafür ist es wichtig, dass schon Kinder verstehen, wie diese Veränderungen entstehen, welche Lebensgrundlagen dadurch bedroht sind und wie sie aktiv eine lebenswerte Zukunft für alle gestalten können.
Farbige Kuchen mit Garnitur
19. November, 2025
Die molekulare Küche, die ihren Ursprung in der Spitzengastronomie hat, bietet zahlreiche Möglichkeiten für die Zubereitung und Präsentation von Speisen. Ein bekanntes Beispiel sind Alginatperlen, die als „Fruchtkaviar“ bekannt wurden und heute bei Jugendlichen in Bubble Tea als „Popping Boba“ große Beliebtheit genießen. Abgesehen von derartigen spielerischen Aspekten hält die molekulare Küche jedoch auch praktische Anwendungen bereit, etwa im Bereich Gesundheit und Pflege. Im Klassenzimmer verbindet sie kulinarische Kreativität mit naturwissenschaftlichem Lernen und macht Chemie im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar.
Erde gibt den Blick frei auf zwei andere Planeten
12. November, 2025
Inzwischen ist der Nachweis von Planeten bei anderen Sternen Routine. Nun können Superteleskope sogar deren Atmosphären analysieren – und vielleicht bald Lebensspuren entdecken.
Junger Mann, der eine große Drohne in beiden Händen hält
5. November, 2025
Günstig, leicht, sensibel: Das Sensorsystem LUCY ist dem menschlichen Gehör haushoch überlegen. Befestigt an Drohnen detektiert es Hilfeschreie von Verschütteten und kann so dabei helfen, Leben zu retten. Entwickelt hat das System die Forschungsgruppe von Dr. Marc Oispuu am Fraunhofer-Institut FKIE in Wachtberg.
Nutria schwimmt im Wasser.
29. Oktober, 2025
Wie fängt man Sonnenlicht am besten ein? Das ist nicht nur bei der Aufstellung von Photovoltaikanlagen wichtig, sondern auch für die Sonnenenergiewandler der Pflanzen, also bei ihren Blättern und deren Verzweigung und Ausrichtung. Es ist nicht vorteilhaft, wenn sie sich gegenseitig im Wege stehen und beschatten. Die Blattstellung folgt einem geometrischen Muster, das, mathematisch betrachtet, mit Spiralen, Selbstähnlichkeit, Fibonacci-Zahlen und dem Goldenen Winkel zu tun hat.
LEGO Education Naturwissenschaften Eine Gruppe von Schülerinnen baut an einem Modell
29. Oktober, 2025
Fragen, die uns zum Nachdenken bringen – genau darin liegt das Potenzial für echten naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinn. Wie kann ein Roboter Vorräte und Materialien im Weltraum transportieren? Warum leben Tiere in bestimmten Umgebungen? Und welche Auswirkungen hat ein Erdbeben auf einen Becher Limonade?
Junger Schüler schreibt eine Matheaufgabe, neben ihm ein Taschenrechner
21. Oktober, 2025
„Der Rest ist Hausaufgabe.“ Nicht originell, dieser Spruch, aber zehn Minuten vor Stundenende wirksam. Zumindest, wenn man als Lehrkraft seine Ruhe haben möchte. Aber hilft eine solche Hausaufgabe den Schüler:innen auch, den Inhalt des Unterrichts wirklich zu verstehen?

Vielen Dank, dass Sie sich für den MINT Zirkel interessieren. Registrieren Sie sich jetzt, um Zugriff auf alle Zusatzmaterialien zu erhalten oder melden Sie sich mit Ihren bestehenden Zugangsdaten zu Ihrem “Mein MINT Zirkel-Account“ an.