Skip to content

Mit dem Klassenzimmer auf Weltreise gehen

Das Klimahaus Bremerhaven 8° Ost zählt zu den beliebten außerschulischen Lernorten in Deutschland. Ausgezeichnet vom UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung als Lernort der höchsten Kategorie, macht das Klimahaus die Themen Klima und Klimawandel für Schülerinnen und Schüler aller Klassen begreifbar. Mit welchen Erwartungen und Fragestellungen können Schulklassen nach Bremerhaven kommen?

Wetter und Klimawandel sind komplizierte Themen, über die sich sogar Experten den Kopf zerbrechen. Dabei haben beide einen großen Einfluss auf das Leben der Menschen und diese im Gegenzug auf die Entwicklung des Klimas. Denn unser Verbrauch an Strom und Wasser, wie wir uns fortbewegen, was wir essen und wie wir Müll entsorgen, beeinflussen die Umwelt und das Klima. Ob der Klimawandel gestoppt werden kann, hängt vor allem von unserem Verhalten heute und in der Zukunft ab. Die Sensibilisierung der nächsten Generationen für das Klima und die Umwelt ist daher vor allem auch in der Schule wichtig. Wie also kann man Klima und dessen Wandel Kindern und Jugendlichen näherbringen? Das Klimahaus Bremerhaven 8° Ost beschäftigt sich genau mit dieser Frage und macht mit seinem besonderen Konzept das Klima auf der Erde für Kinder und junge Erwachsene greif- und erlebbar.

An einem Tag um die Welt und dabei alles über das Klima lernen

Die Wissens- und Erlebniswelt verbindet nach dem Motto „Entdecken, Erleben und Erinnern“ Lernen mit Spaß und Action. Die Reise führt über fünf Kontinente an neun sehr unterschiedliche Orte unseres Planeten. Diesen erkunden die Schülerinnen und Schüler mit allen Sinnen, denn es herrschen nicht nur dieselben klimatischen Bedingungen wie an den Original­orten, auch Gerüche, Geräusche und aufwändige Inszenierungen geben den Besuchern das Gefühl, tatsächlich vor Ort zu sein. Die Reise verläuft dabei immer entlang des achten Längengrades – einmal um die Welt.

Von Bremerhaven aus geht es zunächst in die Schweizer Alpen. Nachdem man den Gletscher passiert hat, führt der Weg ins mediterrane Klima nach Sardinien, wo man auf die tierischen Bewohner der Insel trifft: Insgesamt 22 verschiedene Tierarten, darunter Echsen, Spinnen und Skorpione, sind hier zu Hause. Im afrikanischen Niger erfahren die Reisenden, wie es sich anfühlt, in der Wüste zu leben. Tropische Wärme empfängt die Besucher in der Reisestation Kamerun, wo besonders Mutige einen Streifzug durch den nächtlichen westafrikanischen Regenwald unternehmen und mithilfe einer wackeligen Hängebrücke einen Fluss überqueren. Das Packeis der Antarktis bietet ein wenig Abkühlung, bevor es vorbei an üppig grünen Schluchten zum warmen Sandstrand von Samoa geht. Die Großaquarien zeigen ein südpazifisches Saumriff, in dem sich eine Vielfalt an Fischarten tummelt. Auf der Reise lernen die Besucher außerdem die Menschen der jeweiligen Länder kennen. Sie berichten, wie das Klima ihr Leben beeinflusst und wie es sich verändert.

 

Die Reisestation „Sardinien“ im Klimahaus
Die Reisestation „Sardinien“ im Klimahaus

Wissen spannend und nachhaltig vermitteln

Neben der „Reise“ vertiefen weitere Ausstellungsbereiche das Erlernte. Die „Per­spektiven“ veranschaulichen das Zusammenwirken von Mensch, Erde und Klima. Sie zeigen die Arbeit der Klimaforscher und ihre Ergebnisse, erläutern aber auch, warum eine genaue Einschätzung des vergangenen und des künftigen Geschehens so schwierig ist. Dieser Bereich zeigt, mit welchen Veränderungen in den Reisestationen bis zum Jahr 2050 als Folge des Klimawandels zu rechnen ist. Veranschaulicht wird dies zum Beispiel am künftigen Leben der Kinder, denen die Besucher bereits in der „Reise“ begegnet sind. Dass schon einfache Maßnahmen beim Klimaschutz helfen können, wird im Ausstellungsbereich „Chancen“ anhand konkreter Beispiele und praktische Experimente gezeigt. Die Bandbreite reicht von den Handlungsmöglichkeiten jedes Einzelnen über Gruppen und Initiativen bis zur großen Klimapolitik. Im Wetterstudio avancieren die Schülerinnen und Schüler zum Meteorologen und berichten live aus einer „Greenbox“ über Schneestürme und andere Wetterlagen. In täglichen Wettershows wird veranschaulicht, welche Faktoren das Wetter beeinflussen, wie Wetterphänomene entstehen und welche Ursachen Extremwetterereignisse haben.

Spezielle Angebote für Schulklassen

„Außerschulische Lernorte, wie das Klimahaus, können jenseits von Leistungsdruck ansetzen und selbstentdeckende Lernangebote inszenieren. Wir setzen dabei auf emotionale und sinnliche Reize, um Lernprozesse auszulösen“, erklärt Jens Tanneberg, Leiter des Bereichs Wissenschaft und Bildung im Klimahaus. Die Wissens- und Erlebniswelt bietet deshalb verschiedene Programme speziell für Schulklassen aller Altersstufen, die zur Reise um die Welt hinzu gebucht werden können. Die Schülerinnen und Schüler können sich interaktiv mit dem Thema Klimawandel sowie seinen Ursachen und Folgen auseinandersetzen und werden motiviert, Verantwortung für ihre Umwelt sowie ihr Handeln zu übernehmen. Sie lernen vorausschauend zu denken und zu handeln, um künftige Generationen vor den schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu bewahren. Dazu bekommen sie Tipps und Ideen für einen nachhaltigen Lebensstil und werden animiert, selbst aktiv zu werden.

Das Konzept ist erfolgreich: Jährlich kommen rund 100.000 Schüler nach Bremerhaven. Im Juli erhielt die Wissens- und Erlebniswelt die Auszeichnung als Lernort der höchsten Kategorie des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung. Das ist die zweite Auszeichnung in Folge, denn schon 2012 wurde das Klimahaus als offizielle Maßnahme der Weltdekade der Vereinten Nationen „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ geehrt.

 

Die Wissens- und Erlebniswelt ist auch unter architektonischen Gesichtspunkten ein spannender außerschulischer Lernort.
Die Wissens- und Erlebniswelt ist auch unter architektonischen Gesichtspunkten ein spannender außerschulischer Lernort.

Erkundungen und Workshops

Zu den beliebtesten Programmen gehört die Erkundung des Ausstellungsbereiches „Reise“ mit den Erkundungsbögen. An verschiedenen Stationen lösen die Klassen in kleinen Gruppen knifflige Aufgaben und werden zum Ausprobieren und Mitmachen angeregt. Spezielle Führungen und Workshops intensivieren das Erlebnis.

Bei dem Workshop „Verlorene Vielfalt“ setzen sich Gruppen beispielweise mit dem dramatischen Verlust der Arten auf der Erde auseinander. Dabei beschäftigen sie sich mit vom Zoll beschlagnahmten, illegal eingeführten Gegenständen wie Dekorationsartikel aus toten Korallen oder Produkten aus Schlangenhaut und Elfenbein. Die Jugendlichen bekommen einen direkten Einblick in die Ökosysteme Regenwald und Korallenriffe und den dort lebenden Tieren in den Reisestationen der Ausstellung. Hier betrachten sie aus nächster Nähe die Tiere, deren Fortbestehen gefährdet ist, z. B. durch den Kauf von Palmöl-Produkten und die Rodung von Regenwaldflächen für die Ölpalmen oder durch das Sterben der Korallenriffe aufgrund der globalen Erwärmung.

Im Workshop „Virtuelles Wasser – unser verborgener Wasserkonsum“ erarbeiten sich Schülerinnen und Schüler spielerisch das Konzept „Virtuelles Wasser“, das den Wasserverbrauch zur Herstellung eines Endprodukts darstellt, in dem sie z. B. einen dreidimensionalen Würfel bauen, der die Wassermenge für ein Hühnerei aufnehmen kann. In der Ausstellung erleben sie die Auswirkungen extremer Trockenheit auf das Leben der Menschen in Ländern wie Sardinien und Niger und ziehen Rückschlüsse auf die Problematik des Exports von virtuellem Wasser in wasserreichere Länder wie Deutschland.

Die einzelnen Programme sind dabei auf die verschiedenen Altersgruppen zugeschnitten. Kita-Gruppen und Grundschulen können das Klimahaus also genauso als außerschulischen Lernort nutzen wie Oberstufen oder Berufsschulen. Ein weitere Bestandteil des Bildungsprogramms ist die FROSTA-Kochschule im Klimahaus. Hier werden die Schüler für eine klima­freundliche Ernährungsweise sensibilisiert und mit der kulinarischen Vielfalt der Welt vertraut gemacht. Weitere Highlights für Klassen sind die Extremwettershow oder eine Übernachtung im Klimahaus, die separat gebucht werden können. Für Pädagogen bietet der außerschulische Lernort zudem verschiedene Handreichungen zur Vorbereitung auf den Besuch sowie Fortbildungen an.

Carmen Fuseler

Weitere Informationen

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Ab sofort können Sie mit dem Digital-Abo alle Fachartikel aus dem MINT Zirkel am Bildschirm lesen, alle Zusatzmaterialien zu den Beiträgen nutzen, die Beiträge auch als Audioversion anhören und das Ausgabenarchiv bequem durchsuchen. Viermal im Jahr kommt eine neue Ausgabe – für Ihren Wissensvorsprung! Außerdem erhalten Sie im Abo unbegrenzten Zugriff auf sämtliche im MINT Zirkel veröffentlichten Downloads (Arbeitsblätter, Unterrichtsmaterial etc.) und sichern sich weitere exklusive Vorteile.

Beitrag teilen:

Facebook
X
LinkedIn
Pinterest
XING
WhatsApp
Email

Ähnliche Beiträge

Lehrer steht an einer Tafel, auf der mathematische Formeln zu sehen sind
10. Juni, 2026
Mathematik ist weit mehr als Beweise, Herleitungen und abstrakte Strukturen. Sie ist eine elegante Sprache, die unsere Welt ordnet, erklärt und sogar verzaubern kann, wenn man es nur zulässt. Dennoch haftet ihr oft das Vorurteil an, trocken, schwer zugänglich oder gar verstaubt zu sein. Genau diesem Bild sollte im Leistungskurs 11 des Schuljahres 2024/25 am Otto-Hahn-Gymnasium Landau mit der Erstellung eigener Mathematikbücher entgegengewirkt werden.
Nawi-Lernlandschaft bestehend aus Tischen und Stühlen und diversen mobilen Geräten
3. Juni, 2026
Naturwissenschaftliche Fachräume müssen heute mehr leisten als früher: Sie sollen flexible Unterrichtsformen ermöglichen, höchste Sicherheitsanforderungen erfüllen und pädagogische Entwicklungen wie Individualisierung und selbstorganisiertes Lernen unterstützen. Im Interview beleuchtet Dr. Dr. Dierk Suhr, Bildungsexperte beim Schulausstatter Hohenloher, wie zeitgemäße Raumkonzepte für Biologie, Chemie, Physik und Makerspaces aussehen können.
Schülerin ist gestresst bei den Hausaufgaben
27. Mai, 2026
Stress ist ein allgegenwärtiges Phänomen in unserem täglichen Leben, das sowohl kurz- als auch langfristige Auswirkungen auf unsere körperliche und psychische Gesundheit haben kann. Während wir unsere Stressreaktionen ursprünglich als überlebenswichtige Reaktion auf Gefahren entwickelten, führen die ständigen Anforderungen des modernen Lebens oft zu chronischem Stress, der mit einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen verbunden ist. Ein tiefes Verständnis von Stress und seinen biologischen Grundlagen ist daher entscheidend für eine effektive Bewältigung.
Gruppe von Schüler:innen, eine hält ein Megaphon in der Hand
20. Mai, 2026
Gesellschaftliche Krisen machen vor der Schule nicht halt. Sie ist einer der Orte, an denen Krisenfolgen unmittelbar erfahrbar werden. Klimawandel, Kriege, Pandemieerfahrungen, autoritäre Bestrebungen, Armut und soziale Verunsicherung sind für viele Kinder und Jugendliche keine abstrakten Zukunftsrisiken, sondern Teil ihres Alltags. Empirische Befunde zeigen, dass existenzielle Sorgen für zahlreiche Kinder und Jugendliche zu anhaltenden psychischen Belastungen beitragen. Gerade marginalisierte Kinder und Jugendliche sind besonders betroffen. Damit verbundene Erfahrungen prägen Lernprozesse, Beziehungen und das sozial-emotionale Klima im Klassenzimmer. Die Bundesschülerkonferenz bringt das in ihrer aktuellen Kampagne „UNS GEHT’S GUT?“ deutlich zum Ausdruck.
Schüler:innen sitzen in einem Stuhlkreis, in der Mitte auf einem Tisch steht ein TreeMuse-Gerät
13. Mai, 2026
Pflanzen kommunizieren nachweislich miteinander, etwa indem sie sich vor Fressfeinden warnen oder auf Umweltveränderungen reagieren. Wie faszinierend wäre es, diese verborgene Sprache hörbar zu machen? Das Projekt „Re-Connecting with Nature“ macht genau das möglich: Aus feinen Berührungen, Lichtveränderungen oder Schwankungen der Blattfeuchtigkeit entstehen Klänge und damit ein faszinierender, fächerübergreifender Zugang zur Natur, der ökologische Themen und technische Medienkompetenz auf spielerische Weise greifbar macht.
Bücherstapel vor sommerlicher Kulisse
12. Mai, 2026
Endlich Sommer – und endlich Zeit, in Ruhe zu lesen. Wieder haben wir uns mit spannenden neuen Büchern aus der MINT- und Bildungswelt beschäftigt. Hier kommen unsere Lektüreempfehlungen für diesen Sommer. Viel Spaß beim Lesen!
Nahaufnahme einer Brennnessel
5. Mai, 2026
Warum wachsen auf einem frisch geharkten Beet so schnell wieder unerwünschte Kräuter? Die Gründe sind vielfältig: Entweder bilden sie viele Samen, die neu einfliegen oder lange im Boden ruhten (Brennnessel, Vogelmiere, Löwenzahn), oder sie vermehren sich durch Ausläufer oder Rhizome (Brennnessel, Quecke, Giersch). Am Beispiel der Brennnesseln lassen sich im Biologie-Unterricht ökologische Nische, Zeigerarten, pflanzlicher Fraßschutz durch Brennhaare, Ein- und Zweihäusigkeit, Bestimmungsübungen an „Nesseln“, Pflanzenfasern und ökologisches Gärtnern thematisieren.
Mädchen lehnt an einer Tafel und lächelt, während jemand anderes eine Matheaufgabe notiert
29. April, 2026
Übung macht den Meister, das gilt auch für den Mathematikunterricht. Nun hält zwar jedes Lehrwerk einen schier unendlichen Fundus an Übungsaufgaben parat, doch spätestens wenn man auf Seite 198 bei Aufgabe 15 z) angekommen ist, hat man die Schülerschaft verloren. Gut verpackt dagegen können Rechenaufgaben durchaus unterhaltsam sein.
Taurus-Molekülwolke im Sternbild Stier
22. April, 2026
Die Materie zwischen den Sternen ist komplexer, als lange gedacht. Inzwischen wurden zahlreiche Moleküle identifiziert. Entstanden Bausteine des Lebens bereits im Weltraum?
Küste mit Pier und Wellen
15. April, 2026
Steigende Meeresspiegel, zunehmende Sturmfluten und veränderte Lebensräume – der Kli-mawandel stellt unsere Küsten vor immense Herausforderungen. Solche großen Phänomene lassen sich im Schulalltag jedoch oft nur schwer greifbar machen. Für genau dieses Problem wurde ein Deichmodell adaptiert, mit dem Lehrkräfte derartig komplexe Themen ins Klassen-zimmer holen und Schüler:innen aktiv verschiedenste Küstenschutzmaßnahmen nachbauen oder auch neu entwickeln können. Durch selbst erzeugte Wellen können sie zudem die Wirk-samkeit ihrer Konstruktion beobachten und messen. So verbindet das Modell praxisnahes Experimentieren mit einem tieferen Verständnis für den Einfluss des Klimawandels auf unsere Lebensräume.
Menschen arbeiteten auf einem Feld mit goldenem Reis
7. April, 2026
Wenige Themen in der Biologie werden so emotional diskutiert wie gentechnische Verfahren in der Landwirtschaft. Deshalb eignet sich die Agro-Gentechnik – auch grüne Gentechnik genannt – nicht nur dazu, molekularbiologisches Wissen an einem lebensnahen Objekt, unserem täglichen Essen, zu vermitteln. An den verschiedenen Aspekten dieses Themas können unterschiedliche wissenschaftliche Positionen diskutiert werden. Und es lässt sich aufzeigen, wie Fachwissen unterschiedlich bewertet und gewichtet wird, um zu gesellschaftlichen Entscheidungen zu kommen.

Vielen Dank für Ihr Interesse am MINT Zirkel! Registrieren Sie sich jetzt hier für den kostenfreien Download der Unterrichtsmaterialien.

Wenn Sie bereits einen MINT-Zirkel-Account eingerichtet haben, können Sie sich hier anmelden.